Serbien - Deutsch. Gemischt. Chor Stariker-Altker 1920

großes emailliertes Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Zustand 2.
( rückseitig Notizen über Hersteller Deumer Lüdenscheid von ca. 1922, aus der ehemaligen Sammlung von Peter Groch, Berlin )
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160,00

Serbien - Deutsch. Gemischt. Chor Stariker-Altker 1920

Das vorliegende emaillierte Mitgliedsabzeichen des Deutsch-Serbischen Gemischten Chors Stariker-Altker aus dem Jahr 1920 repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der kulturellen Verbindungen zwischen Deutschland und Serbien in der unmittelbaren Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs. Obwohl Deutschland und Serbien während des Krieges auf gegnerischen Seiten standen, dokumentiert dieses Abzeichen die bemerkenswerte Fähigkeit zur kulturellen Versöhnung und zum zivilgesellschaftlichen Austausch in den frühen Jahren der Weimarer Republik.

Die Firma Deumer aus Lüdenscheid, deren Herstellernotizen auf der Rückseite dieses Exemplars vermerkt sind, war eine der renommiertesten deutschen Manufakturen für Orden, Ehrenzeichen und Vereinsabzeichen. Das Unternehmen, gegründet im 19. Jahrhundert, hatte sich durch höchste handwerkliche Qualität einen Namen gemacht. Die etwa 1922 hinzugefügten Notizen zur Herstelleridentifikation auf der Rückseite deuten darauf hin, dass bereits in den frühen 1920er Jahren ein sammlerisches Interesse an solchen Objekten bestand.

Der gemischte Chor – bestehend aus männlichen und weiblichen Sängern – verkörperte eine wichtige Form der bürgerlichen Vereinskultur, die in Mitteleuropa seit dem 19. Jahrhundert tief verwurzelt war. Gesangsvereine dienten nicht nur der musikalischen Bildung, sondern auch als soziale Treffpunkte und Orte der kulturellen Identitätspflege. Die Kombination deutsch-serbischer Mitglieder in einem solchen Verein war für die unmittelbare Nachkriegszeit durchaus bemerkenswert und zeugt von einem progressiven Geist der Völkerverständigung.

Die Emailliertechnik, mit der dieses Abzeichen gefertigt wurde, war eine bevorzugte Methode zur Herstellung hochwertiger Vereins- und Mitgliedsabzeichen. Dabei wurde Emaillepulver auf eine Metallbasis aufgetragen und bei hohen Temperaturen eingebrannt, was zu einer dauerhaften, farbenprächtigen und wetterfesten Oberfläche führte. Diese aufwendige Technik war deutlich kostspieliger als einfache Stempelarbeiten und unterstreicht die Bedeutung, die der Verein seinen Mitgliedsabzeichen beimaß.

Das Jahr 1920 markiert eine Zeit intensiver gesellschaftlicher Umbrüche in Deutschland. Nach dem verlorenen Weltkrieg, der Novemberrevolution von 1918 und der Gründung der Weimarer Republik befand sich das Land in einem fundamentalen Transformationsprozess. Gleichzeitig erlebte Serbien als Teil des neu gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien) ebenfalls tiefgreifende Veränderungen. In diesem Kontext gewannen kulturelle Brücken zwischen ehemaligen Kriegsgegnern besondere Bedeutung.

Die Provenienz dieses Abzeichens aus der Sammlung von Peter Groch aus Berlin verleiht dem Objekt zusätzliche historische Dimension. Groch war als Sammler militärischer und paramilitärischer Auszeichnungen bekannt, und seine Sammlung umfasste ein breites Spektrum an Objekten aus der Zeit zwischen dem Kaiserreich und der Weimarer Republik. Die Tatsache, dass er dieses zivile Vereinsabzeichen in seine Sammlung aufnahm, unterstreicht die fließenden Übergänge zwischen militärischer und ziviler Erinnerungskultur in dieser Epoche.

Der Erhaltungszustand 2 (nach gängiger Sammlernomenklatur “sehr gut”) deutet darauf hin, dass das Abzeichen regelmäßig, aber sorgfältig getragen wurde. Leichte Gebrauchsspuren sind bei solchen Objekten normal und mindern nicht ihren historischen oder sammlerischen Wert; vielmehr bestätigen sie die authentische Nutzung durch ein tatsächliches Vereinsmitglied.

Abzeichen dieser Art wurden typischerweise bei offiziellen Anlässen, Konzertauftritten und Vereinstreffen an der Kleidung befestigt. Sie dienten der Identifikation, stärkten das Gemeinschaftsgefühl und repräsentierten die Zugehörigkeit zu einer kulturellen Elite. Die Nadelkonstruktion auf der Rückseite ermöglichte ein einfaches Anbringen an Anzügen, Mänteln oder Uniformen.

Im weiteren historischen Kontext steht dieses Abzeichen exemplarisch für die lebendige Vereinskultur der Weimarer Republik, die trotz wirtschaftlicher Krisen und politischer Instabilität eine Blütezeit erlebte. Kulturelle Vereine, insbesondere Gesangsvereine, boten Räume der Normalität und Kontinuität in einer Zeit rapiden Wandels. Die internationale Ausrichtung dieses speziellen Chores spiegelt zudem die kosmopolitischen Tendenzen der frühen 1920er Jahre wider, bevor nationalistische Strömungen erneut an Einfluss gewannen.