III. Reich - Verkaufsliste 174 A der Firma Rudolf Kübsch für Tagungsabzeichen, etc.

um 1933/34, großformatiges beidseitig bedrucktes Blatt, 31 x 38,5 cm, viele verschiedene Abzeichen vor 1933 und z.B. " Freifahrkarte nach Jerusalem - hin und nicht wieder zurück ", Deutscher Tag, SA-Ehrenabend, Hitler-Tag, Deutschland erwache !, SA-Treffen; gefaltet, gebrauchter Zustand.
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III. Reich - Verkaufsliste 174 A der Firma Rudolf Kübsch für Tagungsabzeichen, etc.

Das vorliegende Dokument aus der Zeit um 1933/34 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Abzeichenindustrie während der kritischen Übergangsphase von der Weimarer Republik zum Dritten Reich. Die Verkaufsliste 174 A der Firma Rudolf Kübsch dokumentiert das kommerzielle Angebot von Tagungsabzeichen, Veranstaltungsplaketten und anderen symbolischen Gegenständen in einer Zeit fundamentaler politischer Umwälzungen.

Die Firma Rudolf Kübsch gehörte zu den zahlreichen deutschen Unternehmen, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Abzeichen, Medaillen und verwandten Produkten spezialisiert hatten. Solche Firmen spielten eine wichtige Rolle in der materiellen Kultur politischer Bewegungen der Zwischenkriegszeit. Sie belieferten verschiedene Organisationen, Vereine und politische Gruppierungen mit Erkennungszeichen, die zur Identitätsbildung und zur öffentlichen Demonstration politischer Zugehörigkeit dienten.

Das großformatige, beidseitig bedruckte Blatt von 31 x 38,5 cm fungierte als Verkaufskatalog, der potentiellen Kunden das breite Sortiment präsentierte. Besonders aufschlussreich ist die Mischung von Abzeichen “vor 1933” und neueren Motiven aus der Zeit nach der Machtergreifung im Januar 1933. Dies reflektiert die Übergangssituation, in der ältere Bestände noch verkauft wurden, während gleichzeitig neue, dem NS-Regime entsprechende Produkte ins Sortiment aufgenommen wurden.

Unter den aufgeführten Abzeichen finden sich verschiedene Kategorien: Der “Deutscher Tag” bezieht sich auf nationalistische Massenveranstaltungen, die bereits in der Weimarer Zeit stattfanden, besonders prominent waren die Deutschen Tage von 1923 in Nürnberg und anderen Städten. Der “SA-Ehrenabend” und “SA-Treffen” dokumentieren die zunehmende Bedeutung der Sturmabteilung (SA) als paramilitärische Organisation der NSDAP. Nach 1933 organisierten SA-Einheiten zahlreiche lokale und regionale Veranstaltungen, für die jeweils spezifische Abzeichen produziert wurden.

Der Slogan “Deutschland erwache!” war einer der zentralen Kampfrufe der NSDAP, populär gemacht durch Dietrich Eckart bereits in den frühen 1920er Jahren. Dieser Ausruf wurde auf unzähligen Abzeichen, Fahnen und Propagandamaterialien verwendet. Der “Hitler-Tag” bezeichnet verschiedene Veranstaltungen zu Ehren Adolf Hitlers, die nach 1933 zunehmend institutionalisiert wurden.

Besonders bemerkenswert ist die “Freifahrkarte nach Jerusalem - hin und nicht wieder zurück”. Diese zynische Formulierung repräsentiert antisemitische Propaganda und die bereits vor 1933 virulente Forderung nach Ausgrenzung und Vertreibung jüdischer Bürger. Solche Objekte dokumentieren die Verankerung antisemitischer Ideologie in der Alltagskultur und ihre kommerzielle Verwertung.

Die Abzeichenindustrie der 1920er und frühen 1930er Jahre war ein bedeutender Wirtschaftszweig. Firmen wie Kübsch, aber auch bekanntere Hersteller wie Christian Lauer aus Nürnberg-Fürth oder Wilhelm Deumer aus Lüdenscheid produzierten Tausende verschiedener Designs. Die Abzeichen wurden aus verschiedenen Materialien gefertigt: emailliertes Metall, gepresstes Blech, Zelluloid oder einfaches bedrucktes Papier auf Metalluntergrund.

Der gebrauchte Zustand und die Faltung des Dokuments sind charakteristisch für Arbeitsmaterialien des damaligen Handels. Solche Verkaufslisten wurden von Vertretern mitgeführt, in Geschäften ausgelegt oder per Post verschickt. Sie ermöglichten Organisatoren von Veranstaltungen, Vereinsvorsitzenden oder Parteifunktionären die Auswahl passender Abzeichen für ihre Anlässe.

Nach 1933 unterlag die Produktion politischer Abzeichen zunehmender staatlicher Kontrolle. Die Reichszeugmeisterei der NSDAP regulierte die Herstellung offizieller Parteiabzeichen und vergab Lizenzen. Dennoch blieb ein Markt für lokale Veranstaltungsabzeichen bestehen, der weniger streng reguliert wurde.

Dokumente wie diese Verkaufsliste sind heute wichtige Quellen für die Erforschung der materiellen Kultur des Nationalsozialismus, der Propaganda-Mechanismen und der kommerziellen Strukturen, die das Regime stützten. Sie zeigen, wie ideologische Botschaften durch alltägliche Konsumgüter verbreitet wurden und wie Unternehmen von der politischen Radikalisierung profitierten.

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