Württemberg Kabinettfoto Soldat im 9. Württembergischen Infanterie-Regiment Nr. 127

Standort Ulm-Wiblingen, um 1900. 6.4 x 10.5 cm. Zustand 2.
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20,00

Württemberg Kabinettfoto Soldat im 9. Württembergischen Infanterie-Regiment Nr. 127

Das vorliegende Kabinettfoto zeigt einen Soldaten des 9. Württembergischen Infanterie-Regiments Nr. 127, aufgenommen um 1900 am Standort Ulm-Wiblingen. Diese Art von Fotografie stellt ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument dar, das Einblick in die militärische Kultur des Königreichs Württemberg im späten Kaiserreich gewährt.

Das Infanterie-Regiment Nr. 127 wurde am 1. Oktober 1897 als das neunte württembergische Infanterieregiment aufgestellt. Seine Garnison befand sich in Ulm, einer Stadt mit bedeutender militärischer Tradition an der Donau. Der Standort Ulm-Wiblingen, ein südöstlicher Stadtteil von Ulm, beherbergte verschiedene militärische Einrichtungen und Kasernen. Das Regiment gehörte zur 26. (1. Württembergischen) Division des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps.

Die Entstehungszeit um 1900 fällt in eine Phase intensiver Militärreformen unter Kaiser Wilhelm II. Die württembergische Armee, obwohl Teil der preußisch dominierten deutschen Streitkräfte, bewahrte ihre eigene Identität und Traditionen. Dies zeigte sich in den charakteristischen Uniformen, Rangabzeichen und der Regimentsstruktur.

Kabinettfotos waren ein beliebtes fotografisches Format der Zeit, typischerweise auf Karton montierte Aufnahmen in der Standardgröße von etwa 10 x 15 cm (das beschriebene Objekt mit 6,4 x 10,5 cm entspricht einem kleineren Format). Diese Portraitform erlebte ihre Blütezeit zwischen 1870 und 1910 und diente sowohl der privaten Erinnerung als auch der Repräsentation. Für Soldaten war es üblich, sich in voller Uniform fotografieren zu lassen, oft zu besonderen Anlässen wie der Einberufung, Beförderungen oder vor einer Versetzung.

Die fotografische Dokumentation von Soldaten hatte mehrere Funktionen: Sie diente der persönlichen Erinnerung, wurde an Familienangehörige verschickt und dokumentierte die Zugehörigkeit zu einer prestigeträchtigen militärischen Einheit. In einer Zeit, in der der Militärdienst als Ehre und patriotische Pflicht galt, waren solche Aufnahmen Ausdruck von Stolz und Identität.

Das Regiment Nr. 127 nahm später am Ersten Weltkrieg teil und wurde an verschiedenen Fronten eingesetzt. Die Einheit kämpfte unter anderem in Frankreich und erlebte die schweren Materialschlachten des modernen Krieges. Nach dem Kriegsende 1918 und der Auflösung der Monarchie wurde das Regiment wie alle deutschen Truppenteile demobilisiert.

Solche Fotografien sind heute wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung und die Uniformkunde. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Uniformdetails, Ausrüstungsgegenständen und geben Aufschluss über die soziale Zusammensetzung der Regimenter. Für Nachfahren der Soldaten besitzen sie zudem einen unschätzbaren persönlichen und familiengeschichtlichen Wert.

Der Erhaltungszustand “2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was für ein über 120 Jahre altes Dokument bemerkenswert ist. Die Sammlung und Bewahrung solcher Objekte trägt dazu bei, das kulturelle Erbe und die Geschichte der Region zu dokumentieren und für künftige Generationen zu bewahren.