Deutsches Reich 1. Weltkrieg - Aschenbecher als Schreibtischdekoration 

Glas, ca. 10,3 x 6,5 cm, auf dem Boden Auszug aus der Verleihungsurkunde. Zustand 2.

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80,00

Deutsches Reich 1. Weltkrieg - Aschenbecher als Schreibtischdekoration 

Der vorliegende Aschenbecher aus Glas mit den Maßen von etwa 10,3 x 6,5 cm stellt ein charakteristisches Beispiel für die Militaria-Erinnerungskultur des Deutschen Reiches während und nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) dar. Auf dem Boden des Objekts befindet sich ein Auszug aus einer Verleihungsurkunde, was diesen Gegenstand zu einem persönlichen Andenken mit dokumentarischem Charakter macht.

Während des Ersten Weltkriegs entwickelte sich eine umfangreiche Kultur der militärischen Andenken und Schreibtischdekorationen. Soldaten, Offiziere und ihre Familien in der Heimat suchten nach Wegen, militärische Auszeichnungen und Verdienste zu bewahren und im Alltag präsent zu halten. Solche Gegenstände dienten nicht nur praktischen Zwecken, sondern waren auch Ausdruck von Stolz, Patriotismus und der Erinnerung an geleistete Dienste.

Die Verleihungsurkunden des Deutschen Kaiserreichs waren offizielle Dokumente, die bei der Verleihung von militärischen Orden, Ehrenzeichen und Auszeichnungen ausgestellt wurden. Diese Urkunden enthielten typischerweise den Namen des Empfängers, die Bezeichnung der Auszeichnung, das Verleihungsdatum sowie die Unterschrift der ausstellenden Autorität. Zu den häufigsten Auszeichnungen des Ersten Weltkriegs gehörten das Eiserne Kreuz (in den Klassen I und II), das Verwundetenabzeichen, das Kriegsverdienstkreuz und verschiedene Regiments- oder Landschaftsorden.

Die Übertragung solcher Urkundentexte auf Alltagsgegenstände wie Aschenbecher war eine verbreitete Praxis der Erinnerungskultur. Glas als Material bot sich besonders an, da es hochwertig wirkte und sich gut für feine Gravuren oder Drucke eignete. Solche Objekte wurden häufig als Schreibtischdekoration verwendet und fanden ihren Platz in Büros, Arbeitszimmern oder privaten Studierzimmern. Sie ermöglichten es dem Besitzer, seine militärischen Verdienste subtil, aber sichtbar zu präsentieren.

Die Herstellung solcher Erinnerungsstücke erfolgte durch verschiedene Kunsthandwerker und Manufakturen, die sich auf militärische Andenken spezialisiert hatten. Besonders in Städten mit Glasmanufakturen wie dem Bayerischen Wald, Thüringen oder Schlesien wurden solche Objekte gefertigt. Die Techniken umfassten Ätzung, Gravur, Sandstrahlung oder das Aufbringen von Dekalen auf die Glasoberfläche.

Der historische Kontext dieser Objekte ist eng mit der gesellschaftlichen Stellung des Militärs im Kaiserreich verbunden. Das Deutsche Reich war eine stark militarisierte Gesellschaft, in der militärische Ränge und Auszeichnungen hohes soziales Prestige vermittelten. Die Reserveoffiziersstellung galt als erstrebenswert für das Bürgertum, und militärische Verdienste wurden öffentlich zur Schau gestellt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. gewannen solche Erinnerungsstücke eine zusätzliche Bedeutung. In der Weimarer Republik dienten sie vielen Veteranen als Verbindung zu einer vergangenen Epoche und als Symbol für ihre militärischen Leistungen in einem verlorenen Krieg. Die sogenannte “Dolchstoßlegende” und die verbreitete Ablehnung des Versailler Vertrags führten dazu, dass viele Kriegsteilnehmer ihre militärischen Erinnerungsstücke besonders pflegten.

Solche Objekte sind heute wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur, die Erinnerungspraktiken und die gesellschaftliche Bedeutung des Militärs im frühen 20. Jahrhundert geben. Sie zeugen von der Individualisierung militärischer Ehren und der Integration militärischer Symbolik in den zivilen Alltag.

Der Zustand 2 des beschriebenen Objekts deutet auf eine gute Erhaltung hin, was bei Glasobjekten dieser Epoche bemerkenswert ist. Viele solcher Stücke gingen durch die Wirren der Zeit, spätere Kriege und gesellschaftliche Umbrüche verloren. Erhaltene Exemplare sind daher wertvolle Zeugnisse der Militär- und Kulturgeschichte des Deutschen Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs.

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