Elastolin - Heer 2 Bläser mit großem Bass marschierend

6,5 cm, Zustand 2.
311565
€ 25,00

Elastolin - Heer 2 Bläser mit großem Bass marschierend

Elastolin Heer-Musikerfiguren: Militärspielzeug im historischen Kontext

Die beschriebenen Elastolin-Figuren von zwei marschierenden Bläsern mit großem Bass repräsentieren ein faszinierendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte und militärischer Alltagskultur. Mit einer Höhe von 6,5 cm gehören diese Figuren zur klassischen Größe der Hausser-Elastolin-Produktion, die zwischen den 1920er Jahren und dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Blütezeit erlebte.

Die Firma Elastolin und ihre Geschichte

Die O. & M. Hausser GmbH wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Firmenname “Elastolin” bezeichnete das patentierte Material, eine Mischung aus Kasein, Kreide, Glycerin, Leim und anderen Zusätzen, die auf einen Drahtgestell aufgebracht wurde. Diese Masse war im Gegensatz zu den damals üblichen Bleifiguren ungiftig und erlaubte feinere Modellierungen. Die Figuren wurden in Handarbeit bemalt und erreichten einen hohen Detaillierungsgrad, der sie von industriell gefertigten Konkurrenzprodukten abhob.

Militärmusik in der deutschen Heerestradition

Die dargestellten Musikerfiguren spiegeln die lange Tradition der Militärmusik im deutschen Heer wider. Seit dem 18. Jahrhundert gehörten Musikkorps zur festen Struktur militärischer Einheiten. Jedes Regiment verfügte über ein eigenes Musikkorps, das bei Paraden, Appellen und offiziellen Anlässen auftrat. Die Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) 471 regelte im Detail die Zusammensetzung und den Einsatz dieser Musikeinheiten. Ein typisches Infanterie-Musikkorps bestand aus 40 bis 50 Musikern und umfasste verschiedene Blechblasinstrumente, darunter Trompeten, Posaunen, Hörner und selbstverständlich den markanten Bass (Tuba).

Der große Bass, wie er in der beschriebenen Elastolin-Figur dargestellt wird, war ein unverzichtbarer Bestandteil des Musikkorps. Die Es-Tuba oder B-Tuba lieferte die Bassfundierung und gab dem Klangkörper seine charakteristische Fülle. Musiker, die dieses schwere Instrument trugen, benötigten besondere körperliche Ausdauer, insbesondere bei langen Märschen.

Die Bedeutung von Spielzeugfiguren für die Gesellschaft

Militärspielzeug wie die Elastolin-Figuren erfüllte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrere gesellschaftliche Funktionen. Einerseits dienten sie der spielerischen Nachbildung militärischer Realität und vermittelten Kindern zeitgenössische Wertvorstellungen. Andererseits waren sie Sammlerobjekte für Erwachsene, die historische Szenen und militärische Formationen nachbildeten. Die hohe Qualität der Elastolin-Produkte machte sie zu begehrten Objekten in gutbürgerlichen Haushalten.

Die Weimarer Republik und das Dritte Reich nutzten solche Spielzeuge auch zur gesellschaftlichen Normalisierung militärischer Präsenz. Nach dem Ersten Weltkrieg, trotz der Beschränkungen des Versailler Vertrags, blieb das Militär ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens. Die Darstellung von Musikern war dabei weniger martialisch als die von Kampftruppen und betonte eher die kulturelle und zeremonielle Seite des Militärs.

Sammleraspekte und Erhaltungszustand

Der angegebene Zustand 2 nach der gängigen Sammlerskala (die typischerweise von 1 für neuwertig bis 6 für stark beschädigt reicht) deutet auf Figuren mit leichten Gebrauchsspuren, aber insgesamt guter Erhaltung hin. Dies ist bemerkenswert, da Elastolin-Figuren aufgrund ihres Materials anfällig für Risse, Farbabplatzer und Feuchtigkeitsschäden waren. Gut erhaltene Exemplare aus der Vorkriegszeit sind heute selten und bei Sammlern entsprechend begehrt.

Historische Einordnung und kulturelles Erbe

Nach 1945 wurde die Produktion von Elastolin unter amerikanischer Militärverwaltung zunächst verboten, da militärisches Spielzeug als Teil der Militarisierung der deutschen Gesellschaft betrachtet wurde. Die Firma stellte dann zunächst zivile Figuren her, bevor in den 1950er Jahren auch wieder Soldatenfiguren produziert wurden, nun allerdings in anderem Kontext.

Heute sind Elastolin-Figuren wichtige Dokumente der Alltags- und Kulturgeschichte. Sie zeigen nicht nur militärische Details wie Uniformierung und Ausrüstung, sondern auch gesellschaftliche Einstellungen ihrer Entstehungszeit. Musikerfiguren wie die beschriebenen Bläser mit Bass stehen dabei für den weniger kämpferischen Aspekt des Militärs und erinnern an die kulturelle Rolle, die Militärmusik in der deutschen Gesellschaft spielte.

Für Sammler und Historiker bieten solche Figuren wertvolle Einblicke in die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugproduktion und die visuelle Kultur der Zwischenkriegs- und Kriegszeit. Sie sind Zeugnisse einer Epoche, in der die Grenzen zwischen Spiel, Propaganda und kultureller Identität fließend waren.