III. Reich - Erinnerungsplakette - Dank der Stadt zur 700 Jahrfeier Berlin 1237 -1937
Die Erinnerungsplakette zur 700-Jahrfeier Berlins von 1937 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Propaganda- und Erinnerungskultur dar. Diese von der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin, der ehemaligen KPM (Königliche Porzellan-Manufaktur), hergestellte weiße Porzellanplakette wurde anlässlich des vermeintlichen 700. Jubiläums der Stadtgründung Berlins geschaffen.
Das Jahr 1237 wurde von den Nationalsozialisten als Gründungsjahr Berlins propagiert, obwohl die historische Forschung heute zu differenzierteren Erkenntnissen gelangt ist. Die erste urkundliche Erwähnung Berlins stammt tatsächlich aus dem Jahr 1244, während die Schwesterstadt Cölln 1237 erstmals erwähnt wurde. Die NS-Führung nutzte jedoch bewusst das Jahr 1237, um eine längere und glorreichere Geschichte der Reichshauptstadt zu konstruieren.
Die 700-Jahrfeier im Jahr 1937 war eines der großangelegten Propagandaereignisse des Dritten Reiches. Sie diente mehreren Zwecken: Einerseits sollte die historische Bedeutung Berlins als Hauptstadt des nationalsozialistischen Deutschlands unterstrichen werden, andererseits bot sie Gelegenheit zur Selbstdarstellung des Regimes. Die Feierlichkeiten erstreckten sich über mehrere Tage im August 1937 und umfassten Aufmärsche, historische Festzüge, Ausstellungen und verschiedene kulturelle Veranstaltungen.
Die Staatliche Porzellanmanufaktur Berlin spielte eine wichtige Rolle bei der Herstellung repräsentativer Objekte für das NS-Regime. Die 1763 von Friedrich dem Großen gegründete Manufaktur hatte eine lange Tradition in der Produktion hochwertiger Porzellanwaren. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurde sie für die Anfertigung von Staatsgeschenken, Ehrenpreisen und Erinnerungsstücken wie dieser Plakette herangezogen.
Solche Plaketten wurden typischerweise als Dankesgeschenke der Stadt Berlin an verdiente Bürger, Funktionäre, Organisationen oder auswärtige Gäste verliehen. Sie dienten der Ehrung und gleichzeitig der Bindung an das Regime. Die Überreichung solcher Objekte war eingebettet in das umfassende System von Auszeichnungen, Ehrenzeichen und symbolischen Geschenken, mit denen das NS-Regime Loyalität belohnte und propagandistisch wirkte.
Die Gestaltung in weißem Porzellan entsprach der klassischen Tradition der KPM und verlieh dem Objekt einen repräsentativen, würdevollen Charakter. Porzellan galt seit jeher als edles Material und wurde für besondere Anlässe und Ehrungen bevorzugt. Die Maße von etwa 118 x 62 mm machten die Plakette zu einem handlichen, aber dennoch eindrucksvollen Erinnerungsstück, das aufbewahrt und präsentiert werden konnte.
Das Pappetui, in dem die Plakette üblicherweise überreicht wurde, diente dem Schutz und der würdigen Präsentation. Solche Etuis waren oft mit Samt oder Seide ausgekleidet und trugen häufig Aufschriften oder Embleme. Dass das Etui im vorliegenden Fall beschädigt ist, zeugt vom Alter und der Geschichte des Objekts.
Im Kontext der NS-Herrschaft ist diese Plakette Teil eines umfassenden Systems der symbolischen Kommunikation. Die Nationalsozialisten nutzten Zeremonien, Rituale und materielle Kultur systematisch zur Herrschaftssicherung und Massenmobilisierung. Historische Jubiläen wie die 700-Jahrfeier wurden instrumentalisiert, um eine Kontinuität zwischen der deutschen Geschichte und dem NS-Regime zu konstruieren.
Nach 1945 wurden solche Erinnerungsstücke Teil der materiellen Hinterlassenschaft des Dritten Reiches. Heute besitzen sie vor allem historischen Dokumentationswert. Sie ermöglichen Einblicke in die Propaganda- und Erinnerungskultur der NS-Zeit und zeigen, wie das Regime historische Ereignisse für seine Zwecke vereinnahmte. Sammler militärischer und zeitgeschichtlicher Objekte bewahren solche Stücke als Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte.
Die Erforschung und Dokumentation solcher Objekte ist wichtig für das historische Verständnis der NS-Diktatur. Sie verdeutlichen die Allgegenwärtigkeit der Propaganda im Alltag und zeigen, wie das Regime versuchte, durch materielle Kultur Legitimität und Bindung zu schaffen. Gleichzeitig mahnen sie zur kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und zur Wachsamkeit gegenüber der Instrumentalisierung von Geschichte für politische Zwecke.