Mützenabzeichen Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener ( REK )
Das Mützenabzeichen der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener (REK) stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Veteranenorganisationen der Weimarer Republik und der NS-Zeit dar. Diese Organisation widmete sich der Betreuung und Unterstützung ehemaliger Kriegsgefangener des Ersten Weltkriegs, einer Gruppe, die besondere soziale und psychologische Herausforderungen nach ihrer Rückkehr in die Heimat bewältigte.
Die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener wurde in den 1920er Jahren gegründet, als Hunderttausende deutscher Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft in Frankreich, Russland, Großbritannien und anderen Ländern zurückkehrten. Diese Männer hatten oft Jahre unter schwierigen Bedingungen verbracht und fanden bei ihrer Heimkehr ein vom Krieg gezeichnetes Deutschland vor, das von wirtschaftlicher Not und politischer Instabilität geprägt war. Die REK setzte sich für ihre Interessen ein, bot Unterstützung bei der Wiedereingliederung und pflegte das Kameradschaftsgefühl unter den ehemaligen Gefangenen.
Das vorliegende Abzeichen trägt auf der Rückseite den RZM-Stempel, was auf die Zeit nach 1929 hindeutet. Die Reichszeugmeisterei (RZM) wurde als zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP eingerichtet und kontrollierte die Herstellung und den Vertrieb von Parteiabzeichen, Uniformen und Ausrüstungsgegenständen. Die Präsenz des RZM-Stempels zeigt die Eingliederung der REK in das nationalsozialistische Organisationssystem, die im Rahmen der Gleichschaltung aller Veteranenverbände in den 1930er Jahren erfolgte.
Die technische Ausführung des Abzeichens ist typisch für die Zeit. Ursprünglich mit Splintbefestigung versehen, wurde es nachträglich mit einer Sicherheitsnadel ergänzt. Diese Modifikation war keine Seltenheit und konnte verschiedene Gründe haben: praktische Erwägungen bei der täglichen Verwendung, Verlust der ursprünglichen Splinte oder persönliche Präferenzen des Trägers. Solche Anpassungen zeugen von der tatsächlichen Nutzung dieser Abzeichen im Alltag der Träger.
Mützenabzeichen dieser Art dienten mehreren Zwecken. Sie waren zunächst Erkennungszeichen, die den Träger als Mitglied der REK auswiesen und damit seine besondere Kriegserfahrung sichtbar machten. In einer Gesellschaft, die in verschiedene Veteranenorganisationen unterteilt war – vom Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten bis zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold – signalisierte das Abzeichen eine spezifische Identität und Zugehörigkeit. Gleichzeitig dokumentierte es einen besonderen Opfergang: Kriegsgefangenschaft galt als besonders belastende Erfahrung, die mit Ehrverlust, aber auch mit besonderem Leiden verbunden war.
Die Kameradschaftspflege stand im Zentrum der REK-Aktivitäten. Regelmäßige Treffen, Gedenkveranstaltungen und gegenseitige Unterstützung prägten das Vereinsleben. Die Abzeichen wurden bei solchen Anlässen getragen und stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl. In der wirtschaftlich schwierigen Zeit der Weimarer Republik und der frühen NS-Zeit boten solche Organisationen auch praktische Hilfe bei der Arbeitssuche und sozialen Absicherung.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurden alle Veteranenverbände schrittweise in das NS-System eingegliedert. Die REK verlor ihre Eigenständigkeit und wurde Teil des NS-Reichskriegerbundes (Kyffhäuserbund), der alle Veteranenorganisationen unter nationalsozialistischer Führung vereinte. Diese Gleichschaltung bedeutete eine ideologische Neuausrichtung, bei der die ursprünglichen sozialen und kameradschaftlichen Ziele zunehmend von nationalsozialistischer Propaganda überlagert wurden.
Die Herstellung solcher Abzeichen erfolgte durch spezialisierte Firmen, die von der RZM lizenziert waren. Diese Unternehmen mussten strenge Qualitätsstandards einhalten und ihre Produkte zur Prüfung vorlegen. Der RZM-Stempel garantierte die offizielle Anerkennung und sollte Fälschungen verhindern. Die Materialien variierten je nach Zeitpunkt der Herstellung – von hochwertigen Metallen in den frühen Jahren bis zu Ersatzmaterialien gegen Kriegsende.
Der angegebene Zustand 2- des Abzeichens deutet auf gut erhaltenen Zustand mit leichten Gebrauchsspuren hin. Solche Stücke sind heute wichtige Dokumente der Sozial- und Organisationsgeschichte der Zwischenkriegszeit und des Dritten Reiches. Sie erlauben Einblicke in die Alltagskultur der Veteranen und die Mechanismen der Integration ehemaliger Soldaten in die Nachkriegsgesellschaft.
Für Sammler und Historiker sind diese Abzeichen wertvolle Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die formale Organisation der Veteranen, sondern auch persönliche Schicksale und gesellschaftliche Entwicklungen. Die Kombination von ursprünglicher Splintbefestigung und nachträglich angebrachter Sicherheitsnadel erzählt die Geschichte eines tatsächlich getragenen und genutzten Objekts, das Teil der Lebensrealität seines Besitzers war.