Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen 3 liegende Schützen
Elastolin-Figuren des Ersten Weltkriegs: Preußische liegende Schützen
Die hier beschriebenen drei liegenden Schützenfiguren in grauer Uniform repräsentieren ein charakteristisches Beispiel der Elastolin-Spielzeugproduktion, die das militärische Leben des Ersten Weltkriegs (1914-1918) für Sammler und Kinder jener Epoche dokumentierte. Diese Figuren mit einer Größe von 10 cm gehören zur klassischen Produktlinie der Firma O. & M. Hausser, die unter dem Markennamen Elastolin weltweit bekannt wurde.
Die Firma Hausser wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und revolutionierte die Spielzeugbranche durch die Einführung eines neuartigen Materials. Elastolin war eine Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Bindemitteln, die eine wesentlich stabilere und detailreichere Figurenherstellung ermöglichte als das bis dahin übliche Blei. Die Figuren wurden über Drahtgestelle modelliert, was ihnen Stabilität und gleichzeitig Formbarkeit verlieh. Diese Produktionsmethode erlaubte die Schaffung realistischer Posen und Details, die besonders bei militärischen Figuren geschätzt wurden.
Die dargestellten liegenden Schützen in preußischer Uniform zeigen Soldaten in Feuerstellung, wie sie für den Stellungskrieg an der Westfront typisch war. Die graue Uniform entspricht dem Feldgrau, das ab 1907/1910 in der preußischen und deutschen Armee eingeführt wurde und die zuvor farbenprächtigen Uniformen ablöste. Diese Modernisierung war eine direkte Reaktion auf die veränderte Kriegsführung und die Notwendigkeit der Tarnung im modernen Gefecht. Das Feldgrau blieb während des gesamten Ersten Weltkriegs die Standard-Felduniform der deutschen Streitkräfte.
Die liegende Schützenstellung war eine der grundlegenden Positionen im Infanteriekampf des Ersten Weltkriegs. In den Schützengräben und bei Angriffen über das Niemandsland nahmen Soldaten diese Position ein, um ein kleineres Ziel abzugeben und gleichzeitig effektiv feuern zu können. Die Elastolin-Figuren bildeten solche realistischen Kampfpositionen nach und dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Anschauungsmaterial und Sammelobjekte.
Die Produktion militärischer Spielzeugfiguren hatte in Deutschland eine lange Tradition und erreichte in den Jahren vor und während des Ersten Weltkriegs ihren Höhepunkt. Hausser produzierte umfangreiche Serien, die alle Waffengattungen und Truppengattungen der kaiserlichen Armee umfassten. Neben Infanteristen in verschiedenen Posen wurden auch Kavallerie, Artillerie, Sanitätspersonal und technische Truppen dargestellt. Die Figuren wurden sowohl einzeln als auch in Sets verkauft und erfreuten sich großer Beliebtheit.
Der Erhaltungszustand 2 deutet auf sehr gut erhaltene Exemplare hin, was bei Elastolin-Figuren aus der Zeit des Ersten Weltkriegs bemerkenswert ist. Das Material war zwar haltbarer als Blei, jedoch anfällig für Feuchtigkeit und mechanische Beschädigung. Viele Figuren wurden intensiv bespielt und wiesen im Laufe der Jahrzehnte Farbabplatzer, Risse oder Brüche auf. Gut erhaltene Stücke mit intakter Bemalung und ohne größere Beschädigungen sind heute gesuchte Sammlerstücke.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs setzte Hausser die Produktion fort, allerdings unter veränderten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen. Der Versailler Vertrag von 1919 brachte Einschränkungen für militärische Darstellungen, dennoch blieb die Nachfrage nach historischen Militärfiguren bestehen. Die Elastolin-Figuren wurden zu wichtigen Zeitdokumenten, die die Uniformierung, Bewaffnung und Taktik der Epoche festhielten.
Für Sammler und Militärhistoriker bieten solche Figuren heute wertvolle Einblicke in die materielle Kultur und das militärische Alltagsleben des Ersten Weltkriegs. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Ausrüstung, sondern auch die zeitgenössische Wahrnehmung und Darstellung des Krieges in der Heimat. Die Detailtreue der Elastolin-Figuren macht sie zu wichtigen Referenzobjekten für die Erforschung historischer Uniformen und Ausrüstungsgegenstände.
Die drei liegenden Schützen repräsentieren somit ein mehrdimensionales historisches Zeugnis: Sie sind Produkte der deutschen Spielzeugindustrie des frühen 20. Jahrhunderts, Dokumente der militärischen Uniformgeschichte und Zeugnisse der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Krieg in der Heimat.