Orden "Azad Hind" der Provisorischen Regierung Freies Indien 1942 - 1945

Stern 3. Klasse (Vir-e-Hind = Held von Indien). Stern am Band. Versilbert, das Zentrum vergoldet, rückseitig mit Hersteller "Rudolf Souval, Wien VII", am original Band im Verleihungsetui. Ungetragen in neuwertigem Zustand, das Etui im Zustand 2 (der Verschlußhaken fehlt). Sehr selten.
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Orden "Azad Hind" der Provisorischen Regierung Freies Indien 1942 - 1945

Der Orden "Azad Hind" der Provisorischen Regierung des Freien Indien (1942-1945)

Der Azad Hind-Orden stellt eines der außergewöhnlichsten und historisch umstrittensten Kapitel der Auszeichnungsgeschichte des Zweiten Weltkriegs dar. Diese Dekoration wurde von der Provisorischen Regierung des Freien Indien (Arzi Hukumat-e-Azad Hind) gestiftet, einer Exilregierung unter Führung des indischen Nationalisten Subhas Chandra Bose, die von Oktober 1943 bis August 1945 mit Unterstützung der Achsenmächte existierte.

Historischer Hintergrund

Subhas Chandra Bose, ein ehemaliger Präsident des Indischen Nationalkongresses, vertrat die Ansicht, dass Indiens Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft nur durch bewaffneten Kampf erreicht werden könne. Nach seiner spektakulären Flucht aus britischer Überwachung in Kalkutta im Januar 1941 gelangte er über Afghanistan und die Sowjetunion nach Deutschland, wo er Unterstützung für die indische Unabhängigkeitsbewegung suchte. In Berlin organisierte er die Indische Legion aus kriegsgefangenen indischen Soldaten der britischen Armee.

Im Mai 1943 reiste Bose per U-Boot nach Südostasien, wo Japan bereits die Indische Nationalarmee (Indian National Army, INA) aufgestellt hatte. Am 21. Oktober 1943 proklamierte er in Singapur die Provisorische Regierung des Freien Indien, die von den Achsenmächten Deutschland, Japan, Italien und mehreren ihrer Verbündeten diplomatisch anerkannt wurde. Die INA kämpfte an der Seite der japanischen Armee an der birmanisch-indischen Grenze, erlitt jedoch schwere Verluste während des gescheiterten Imphal-Feldzugs 1944.

Der Orden und seine Klasseneinteilung

Der Azad Hind-Orden wurde zur Auszeichnung von Verdiensten um die Unabhängigkeitsbewegung und für Tapferkeit im Kampf gestiftet. Der Orden war in mehrere Klassen unterteilt, wobei der Stern 3. Klasse die Bezeichnung "Vir-e-Hind" (Held von Indien) trug. Die höheren Klassen waren der Sardar-e-Jung (Kriegsheld) für die 1. Klasse und Vir-e-Hind für die 2. und 3. Klasse, wobei die dritte Klasse als Stern am Band getragen wurde.

Die Gestaltung des Ordens vereinte indische und internationale heraldische Elemente. Der Stern zeigt typischerweise das Symbol des springenden Tigers, das Emblem der Provisorischen Regierung und der INA, sowie Inschriften in verschiedenen indischen Sprachen. Die Farbgebung des Bandes - Safrangelb, Weiß und Grün - entspricht den Farben der indischen Nationalflagge, die auch von der Provisorischen Regierung verwendet wurde.

Herstellung durch Rudolf Souval

Die Herstellung dieser Orden durch die Wiener Firma Rudolf Souval ist von besonderer historischer Bedeutung. Das Unternehmen, ansässig in Wien VII, war einer der renommiertesten Hersteller militärischer Auszeichnungen während der NS-Zeit und produzierte zahlreiche deutsche Orden und Ehrenzeichen. Die Beauftragung durch die Provisorische Regierung des Freien Indien erfolgte über deutsche Regierungsstellen und dokumentiert die militärische Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und Boses Exilregierung.

Die handwerkliche Qualität der Souval-Produktionen war außerordentlich hoch. Die Versilberung mit vergoldetem Zentrum und die präzise Rückseitenmarkierung "Rudolf Souval, Wien VII" sind charakteristisch für die Arbeiten dieser Manufaktur. Die Firma existierte von 1938 bis 1944/45 unter diesem Namen und wurde nach dem Krieg unter veränderten Eigentumsverhältnissen weitergeführt.

Verleihung und Trageweise

Die Verleihung des Ordens erfolgte durch Subhas Chandra Bose oder in seinem Namen an Angehörige der Indischen Nationalarmee sowie an deutsche und japanische Offiziere, die die Unabhängigkeitsbewegung unterstützten. Die genaue Anzahl der verliehenen Exemplare ist nicht dokumentiert, dürfte jedoch aufgrund der kurzen Existenz der Provisorischen Regierung und der begrenzten militärischen Erfolge relativ gering gewesen sein.

Der Stern 3. Klasse wurde an einem Band auf der linken Brustseite getragen. Die erhaltenen Exemplare in ihren originalen Verleihungsetuien sind heute außerordentlich selten, da viele nach der Kapitulation Japans im August 1945 vernichtet wurden oder verloren gingen.

Historische Bedeutung und Sammlerwert

Die historische Bewertung des Azad Hind-Ordens und der Provisorischen Regierung bleibt umstritten. In Indien wird Subhas Chandra Bose von vielen als Freiheitskämpfer verehrt, während seine Zusammenarbeit mit den Achsenmächten kritisch gesehen wird. Der Orden selbst ist ein wichtiges zeithistorisches Dokument, das die komplexen internationalen Verflechtungen des Zweiten Weltkriegs und die verschiedenen Strategien der antikolonialen Bewegungen illustriert.

Für Sammler militärhistorischer Auszeichnungen sind ungetragene Exemplare in originalem Zustand mit Herstellermarkierung von Rudolf Souval besonders wertvoll. Die Seltenheit dieser Orden, kombiniert mit ihrer außergewöhnlichen historischen Bedeutung, macht sie zu gesuchten Objekten der Militaria- und Ordenskunde. Sie dokumentieren ein einzigartiges Kapitel der deutsch-indischen Beziehungen und der Geschichte der indischen Unabhängigkeitsbewegung während des Zweiten Weltkriegs.