Reichsnährstand Silbernes Ehrenzeichen

Buntmetall versilbert, Durchmesser 42 mm, rückseitig mit Verleihungsnummer "360", an Nadel, im Pappetui mit Etikett der Fa. Deschler u. Sohn München 9, auf dem Boden mit Verleihungsnr. 360. Zustand 2.
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650,00

Reichsnährstand Silbernes Ehrenzeichen

Das Silberne Ehrenzeichen des Reichsnährstandes war eine bedeutende Auszeichnung des nationalsozialistischen Deutschlands, die zwischen 1934 und 1945 an verdiente Mitglieder und Funktionäre der landwirtschaftlichen Organisation verliehen wurde.

Der Reichsnährstand wurde am 13. September 1933 durch das Gesetz über den Reichsnährstand gegründet und stellte eine Zwangsorganisation dar, die alle in der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft tätigen Personen und Betriebe zusammenfasste. Unter der Leitung von Richard Walther Darré, der als Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft fungierte, sollte der Reichsnährstand die “Blut-und-Boden”-Ideologie des Nationalsozialismus in der Agrarwirtschaft umsetzen.

Die Ehrenzeichen des Reichsnährstandes wurden in drei Stufen verliehen: das Goldene, das Silberne und das Bronzene Ehrenzeichen. Das Silberne Ehrenzeichen stellte die mittlere Stufe dieser Auszeichnungen dar und wurde für besondere Verdienste um die Organisation und die deutsche Landwirtschaft vergeben. Die Verleihung erfolgte auf Vorschlag der jeweiligen Landesbauernführer durch den Reichsbauernführer persönlich.

Das vorliegende Exemplar wurde von der renommierten Münchner Firma Deschler & Sohn hergestellt, einem der bekanntesten Hersteller von Orden und Ehrenzeichen während der NS-Zeit. Die Firma, die in München in der Schwindstraße 9 ansässig war, produzierte auch andere bedeutende Auszeichnungen dieser Epoche und war für ihre handwerkliche Qualität bekannt.

Das Abzeichen selbst besteht aus versilbertem Buntmetall mit einem Durchmesser von 42 mm. Die Vorderseite zeigt typischerweise das Reichsadler-Symbol über einem Hakenkreuz, umgeben von Ähren als Symbol der Landwirtschaft. Die Rückseite trägt die Verleihungsnummer 360, was darauf hinweist, dass es sich um eine relativ frühe Verleihung handelte, da diese Nummern chronologisch vergeben wurden.

Die Nummerierung der Ehrenzeichen diente mehreren Zwecken: Sie ermöglichte eine genaue Dokumentation der Verleihungen, verhinderte Fälschungen und unterstrich den exklusiven Charakter der Auszeichnung. Jede Verleihung wurde in den Akten des Reichsnährstandes registriert, zusammen mit dem Namen des Empfängers und dem Datum der Verleihung.

Das Originaletui aus Pappe mit dem aufgedruckten Etikett der Firma Deschler und der entsprechenden Verleihungsnummer auf dem Boden ist ein wichtiger Bestandteil der Provenienz und Authentizität des Stückes. Solche Originalpräsentationen sind heute deutlich seltener erhalten als die Ehrenzeichen selbst, da die Etuis aus vergänglichem Material bestanden und oft nicht mit der gleichen Sorgfalt aufbewahrt wurden.

Die Träger dieser Auszeichnungen waren typischerweise höhere Funktionäre des Reichsnährstandes, erfolgreiche Landwirte, die als Vorbilder für die “Erbhofbauern” galten, oder Personen, die sich um die Umsetzung der agrarpolitischen Ziele des Regimes verdient gemacht hatten. Die Verleihung war nicht nur eine Ehrung, sondern auch ein Instrument zur Bindung wichtiger Personen an die NS-Agrarpolitik.

Nach 1945 wurden alle Auszeichnungen des Reichsnährstandes durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945 verboten. Das Tragen dieser Ehrenzeichen war fortan untersagt, und die Organisation selbst wurde aufgelöst.

Aus heutiger Sicht sind diese Objekte wichtige zeithistorische Dokumente, die die Organisation und Ideologie des nationalsozialistischen Agrarsystems veranschaulichen. Sie werden in Museen und wissenschaftlichen Sammlungen als Studienmaterial zur Geschichte der NS-Zeit aufbewahrt und erforscht. Der sammlerische und museale Wert liegt in ihrer Bedeutung als historische Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte.

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