SS-Porzellanmanufaktur Allach - nichttragbare Plakette "Sportappell der Betriebe 1939"
Die SS-Porzellanmanufaktur Allach gehört zu den bemerkenswertesten und zugleich umstrittensten Aspekten der nationalsozialistischen Kunstproduktion. Die vorliegende Plakette “Sportappell der Betriebe 1939” repräsentiert ein typisches Beispiel der ideologisch aufgeladenen Gebrauchskunst, die im Dritten Reich produziert wurde.
Geschichte der Porzellanmanufaktur Allach
Die Porzellanmanufaktur Allach wurde 1935 von Franz Nagy in dem kleinen Ort Allach bei München gegründet. Bereits 1936 wurde das Unternehmen von Heinrich Himmler für die SS übernommen und in die SS-Wirtschaftsstruktur eingegliedert. Die Manufaktur wurde Teil des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes und entwickelte sich zu einem wichtigen Prestigeobjekt der SS-Führung.
Die Produktionsstätte verlegte 1940 ihre Hauptproduktion nach München-Allach in größere Gebäude, um den steigenden Bedarf decken zu können. Die Manufaktur beschäftigte während des Krieges auch Zwangsarbeiter, was zu ihrer problematischen historischen Bewertung beiträgt.
Die NS-Betriebssportbewegung
Der “Sportappell der Betriebe” war Teil der nationalsozialistischen Betriebssportbewegung, die unter der Organisation “Kraft durch Freude” (KdF) durchgeführt wurde. Die KdF war eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF), die 1933 nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften gegründet wurde.
Diese Sportveranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die körperliche Ertüchtigung der Arbeiterschaft fördern, gleichzeitig aber auch die Betriebe in die nationalsozialistische Volksgemeinschaftsideologie einbinden. Der Betriebssport wurde als Mittel zur Leistungssteigerung und zur ideologischen Durchdringung der Belegschaften verstanden. 1939, das Jahr dieser Plakette, war das letzte Friedensjahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, in dem solche Veranstaltungen noch in größerem Umfang stattfanden.
Herstellung und künstlerische Gestaltung
Allach-Porzellan war bekannt für seine hohe handwerkliche Qualität. Die Manufaktur produzierte unglasierten Biskuitporzellan, der durch seine matte, weiße Oberfläche charakterisiert wurde. Diese Plaketten wurden in speziellen Formen gegossen und anschließend bei hohen Temperaturen gebrannt.
Die rückseitige Markierung im erhabenen Oktagon mit der Bezeichnung “Allach” und oft der Zusatz der SS-Runen waren das charakteristische Erkennungszeichen der Manufaktur. Diese Markierungen ermöglichen heute eine eindeutige Zuordnung der Stücke. Die Manufaktur beschäftigte namhafte Künstler und Bildhauer, darunter Theodor Kärner und Richard Förster, die für die Gestaltung der verschiedenen Modelle verantwortlich waren.
Funktion und Verwendung
Solche Plaketten dienten als Ehrenpreise oder Auszeichnungen bei betrieblichen Sportveranstaltungen. Sie wurden nicht getragen, sondern waren zur Aufstellung oder zur Wandmontage gedacht. Die nichttragbare Form unterscheidet sie von metallenen Sportabzeichen oder militärischen Auszeichnungen. Sie repräsentierten den Stolz des Betriebes und sollten die Leistungsbereitschaft der Arbeiter würdigen und gleichzeitig die Verbindung zwischen Betrieb, Sport und nationalsozialistischer Ideologie manifestieren.
Historische Einordnung und Sammlerwert
Nach 1945 wurde die Produktion der Manufaktur eingestellt, und viele Stücke wurden zerstört oder gingen verloren. Heute sind Allach-Porzellan-Objekte begehrte Sammlerstücke, wobei ihr Handel in Deutschland unter bestimmten Auflagen steht, da sie NS-Symbole tragen können. Reparaturen, wie bei diesem Exemplar zwischen 11 und 12 Uhr sowie 5 und 6 Uhr, sind bei diesen fragilen Objekten nicht ungewöhnlich und zeugen von ihrer bewegten Geschichte.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten ist wichtig für das Verständnis der Alltags- und Propagandakultur des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren, wie tief die ideologische Durchdringung in alle Lebensbereiche reichte und wie Kunst und Handwerk für politische Zwecke instrumentalisiert wurden.