Hessen-Darmstadt Hochzeitsfoto eines Feldwebels im Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115

Standort Darmstadt. Um 1900. Im Holzrahmen. Maße 17 x 21,5 cm. Zustand 2.
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50,00

Hessen-Darmstadt Hochzeitsfoto eines Feldwebels im Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115

Das Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 des Großherzogtums Hessen-Darmstadt repräsentiert einen bedeutenden Teil der mittelstaatlichen Militärgeschichte des Deutschen Kaiserreichs. Diese Hochzeitsfotografie eines Feldwebels aus der Zeit um 1900 dokumentiert nicht nur einen persönlichen Lebensmoment, sondern auch die soziale Bedeutung des Militärs in der wilhelminischen Gesellschaft.

Das Regiment wurde ursprünglich als Leibgarde-Infanterie-Regiment (3. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115 bezeichnet und hatte seinen Garnisonsstandort in Darmstadt, der Residenzstadt des Großherzogtums. Die Formation gehörte zur XXV. Division des XVIII. Armeekorps der Preußischen Armee. Nach den Reichsmilitärgesetzen von 1871 waren die Kontingente der deutschen Einzelstaaten in die Preußische Armee integriert worden, behielten jedoch ihre traditionellen Bezeichnungen und gewisse Eigenheiten in Uniform und Tradition.

Die Uniform eines Feldwebels um 1900 war von hoher symbolischer Bedeutung. Der Feldwebel repräsentierte die höchste Unteroffizierscharge und nahm eine Schlüsselstellung zwischen Mannschaften und Offizieren ein. Seine Uniform zeichnete sich durch besondere Rangabzeichen aus: Goldene oder silberne Tressen, Portepee am Seitengewehr und spezielle Ärmelabzeichen kennzeichneten seine Position. Bei Hochzeitsfotos dieser Zeit trugen Unteroffiziere üblicherweise ihre Paradeuniform, die durch zusätzliche Verzierungen und Orden besonders repräsentativ gestaltet war.

Die Hochzeitsfotografie in Uniform war in der wilhelminischen Ära ein weit verbreiteter gesellschaftlicher Brauch. Das Militär genoss hohes Ansehen, und die Uniform symbolisierte Ehre, Pflichtbewusstsein und gesellschaftlichen Status. Für Unteroffiziere, die zu den besser gestellten Bevölkerungsschichten gehörten, war das Tragen der Uniform bei der Hochzeit eine Selbstverständlichkeit und Ausdruck von Stolz auf die eigene Laufbahn.

Das Leibgarde-Regiment Nr. 115 hatte eine besondere Geschichte. Es ging aus älteren hessischen Formationen hervor und wurde 1688 als erstes stehendes Regiment Hessen-Darmstadts gegründet. Die Nummerierung 115 erhielt es nach der Reorganisation der deutschen Armee nach 1871. Als Leibgarde hatte das Regiment zeremoniellen Charakter und war eng mit dem großherzoglichen Hof verbunden. Die Soldaten dieses Regiments wurden häufig für Repräsentationsaufgaben herangezogen und galten als Eliteeinheit.

Die fotografische Technik um 1900 war bereits weit entwickelt. Atelierfotografien wie diese wurden auf Albuminpapier oder später auf Gelatine-Silberpapier hergestellt und oft in aufwendigen Holzrahmen präsentiert. Die Maße von 17 x 21,5 cm entsprechen den damals üblichen Formaten für Portraitfotografien. Fotografen in Garnisonstädten wie Darmstadt spezialisierten sich häufig auf Militärphotographie und kannten die korrekten Uniformdetails genau.

Die Zeit um 1900 war für das Deutsche Kaiserreich eine Phase relativen Friedens, die als “Zweite Friedensperiode” bezeichnet wird. Die Armee diente vorrangig der Abschreckung und Repräsentation. Für Berufssoldaten wie Feldwebel bedeutete dies eine stabile Karriere mit gesichertem Einkommen und Altersversorgung. Die Heirat war für Unteroffiziere an gewisse Bedingungen geknüpft: Sie benötigten die Genehmigung ihrer Vorgesetzten und mussten ein ausreichendes Einkommen nachweisen.

Das Großherzogtum Hessen-Darmstadt war trotz seiner bescheidenen Größe ein bedeutender deutscher Mittelstaat. Die Darmstädter Garnison umfasste mehrere tausend Soldaten und prägte das Stadtbild erheblich. Die militärischen Einrichtungen, Kasernen und Exerzierplätze waren wichtige wirtschaftliche Faktoren für die Stadt.

Solche Hochzeitsfotografien sind heute wertvolle historische Dokumente. Sie zeigen nicht nur Uniformdetails und militärische Ausrüstung, sondern geben auch Einblick in die soziale Realität der wilhelminischen Zeit. Die Tatsache, dass diese Fotografie im originalen Holzrahmen erhalten blieb, unterstreicht die Wertschätzung, die solchen Erinnerungsstücken in den Familien entgegengebracht wurde. Sie wurden über Generationen hinweg als Zeugnisse familiärer Ehre und militärischer Tradition bewahrt.