III. Reich - Deutscher Juristentag Leipzig vom 16.-19. Mai 1936
Das Abzeichen des Deutschen Juristentages Leipzig vom 16. bis 19. Mai 1936 repräsentiert ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der deutschen Rechtspflege während der Zeit des Nationalsozialismus. Dieses aus Aluminium gefertigte Ansteckabzeichen, hergestellt von der Firma Klotz u. Kienast, dokumentiert die systematische Gleichschaltung der deutschen Juristenschaft unter dem NS-Regime.
Der Deutsche Juristentag war ursprünglich eine 1860 gegründete unabhängige Vereinigung deutscher Juristen, die sich der Weiterentwicklung des Rechtswesens widmete. Nach der Machtübernahme 1933 wurde diese Institution wie viele andere Berufsorganisationen einer radikalen Umgestaltung unterzogen. Der Juristentag in Leipzig 1936 fand in einer Phase statt, in der das NS-Regime seine Kontrolle über alle Bereiche des öffentlichen Lebens gefestigt hatte.
Die Stadt Leipzig als Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt. Als bedeutende Messestadt und traditionelles Zentrum von Handel und Bildung besaß Leipzig große symbolische Bedeutung. Die Wahl dieser Stadt für den Juristentag sollte die vermeintliche Normalität und Kontinuität des Rechtswesens unter nationalsozialistischer Herrschaft demonstrieren.
Die Herstellung solcher Veranstaltungsabzeichen aus Aluminium war in den 1930er Jahren typisch. Aluminium bot mehrere Vorteile: Es war leicht, kostengünstig in der Massenproduktion und ließ sich gut bearbeiten. Die Firma Klotz u. Kienast gehörte zu den zahlreichen Herstellern von Abzeichen, Orden und Ehrenzeichen, die in dieser Zeit florierten. Die Kennzeichnung mit dem Herstellernamen auf der Rückseite entsprach den damaligen Standards der Abzeichenindustrie.
Der Juristentag 1936 stand im Zeichen der Nürnberger Gesetze, die im September 1935 erlassen worden waren. Diese Rassengesetze bildeten die rechtliche Grundlage für die systematische Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Der Juristentag diente dazu, die rechtliche Implementierung dieser menschenverachtenden Ideologie zu diskutieren und voranzutreiben.
Teilnehmer solcher Veranstaltungen erhielten diese Abzeichen als Kennzeichnung und Erinnerungsstück. Das Tragen des Abzeichens während der Veranstaltung diente der Identifikation und demonstrierte die Zugehörigkeit zur gleichgeschalteten Juristenschaft. Nach der Veranstaltung wurden diese Abzeichen häufig aufbewahrt, was erklärt, warum heute noch Exemplare in Sammlungen existieren.
Die Gleichschaltung der Justiz unter dem Nationalsozialismus bedeutete das Ende der Unabhängigkeit der Rechtsprechung. Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte wurden zu Instrumenten der NS-Ideologie. Der Reichsjustizminister und spätere Generalgouverneur von Polen, Hans Frank, spielte eine zentrale Rolle bei dieser Transformation. Unter seiner Führung wurde das Recht vom Prinzip der Rechtsstaatlichkeit zum Werkzeug totalitärer Herrschaft pervertiert.
Veranstaltungen wie der Juristentag 1936 dienten mehreren Zwecken: Sie waren Plattformen für ideologische Schulung, Orte der Vernetzung regimetreuer Juristen und Instrumente der Propaganda. Die NS-Führung nutzte solche Zusammenkünfte, um den Anschein professioneller Kontinuität zu wahren, während sie gleichzeitig grundlegende Rechtsprinzipien außer Kraft setzte.
Aus heutiger Sicht sind solche Abzeichen wichtige historische Dokumente. Sie erinnern an die Komplizenschaft der deutschen Juristenschaft bei den Verbrechen des NS-Regimes. Die juristische Aufarbeitung nach 1945 zeigte, dass viele Juristen aktiv an der Formulierung und Durchsetzung unmenschlicher Gesetze beteiligt waren. Der Juristenprozess in Nürnberg 1947 machte deutlich, dass auch die scheinbar formale Rechtsanwendung zu schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit führen kann.
Das Sammeln und Bewahren solcher Objekte in Museen und privaten Sammlungen dient der historischen Bildung. Diese Abzeichen sind Mahnmale, die vor der Gefahr warnen, die entsteht, wenn Recht und Justiz ideologisch instrumentalisiert werden. Sie dokumentieren einen dunklen Abschnitt deutscher Geschichte und die Verantwortung, die Juristen für die Wahrung rechtsstaatlicher Prinzipien tragen.
Die Erhaltung solcher historischer Objekte ist wichtig für kommende Generationen, um die Mechanismen totalitärer Herrschaft zu verstehen und die Bedeutung unabhängiger Rechtsinstitutionen zu schätzen.