Dieser prächtige Dolman aus dem persönlichen Besitz König Ernst Augusts I. von Hannover repräsentiert ein außergewöhnliches Zeugnis preußischer Militärgeschichte und dynastischer Verbindungen im 19. Jahrhundert. Der um 1840 gefertigte Husarenwaffenrock dokumentiert die Rolle Ernst Augusts als Chef des 3. Brandenburgischen Husaren-Regiments, eine Position, die er von 1823 bis zu seinem Tod 1851 innehatte.
Ernst August I. wurde am 5. Juni 1771 im Buckingham House in London als fünfter Sohn König Georgs III. von Großbritannien geboren. Seine militärische Karriere begann in der hannoverschen und britischen Armee, wo er in der Schlacht von Tourcoing 1794 sein linkes Auge verlor. Im Jahr 1799 wurde er zum Herzog von Cumberland und Teviotdale ernannt und 1813 zum Feldmarschall befördert. Als Königin Victoria 1837 den britischen Thron bestieg, wurde Ernst August aufgrund des in Hannover geltenden salischen Gesetzes König von Hannover, da weibliche Thronfolge dort ausgeschlossen war. Er regierte das Königreich bis zu seinem Tod am 18. November 1851 in Hannover.
Das 3. Brandenburgische Husaren-Regiment führte seine Tradition auf das am 30. September 1730 von Friedrich Wilhelm I. von Preußen gegründete Berliner Husaren-Korps zurück, das später zum Leib-Husaren-Regiment unter Hans Joachim von Zieten wurde. Nach nahezu vollständiger Vernichtung in den Schlachten von Jena-Auerstedt 1806 wurde das Regiment 1808 rekonstituiert. Im Jahr 1861 erkannte das Regiment offiziell seine Verbindung zu Zietens berühmtem Regiment an. Von 1889 bis 1919 trug es die offizielle Bezeichnung Husaren-Regiment von Zieten (Brandenburgisches) Nr. 3 und war in Rathenow stationiert.
Der Dolman bildete zusammen mit der Pelisse die charakteristische Husarenuniform. Während der Dolman als Hauptjacke getragen wurde, diente die pelzbesetzte Pelisse als Übergewand bei kaltem Wetter oder wurde dekorativ über die linke Schulter gehängt. Bei Offiziersversionen zeichneten sich die Uniformen durch Gold- oder Silberverschnürungen aus, abhängig von der Regimentstradition, während einfache Soldaten schlichtere Versionen mit Messing- oder Weißmetallknöpfen trugen.
Dieser Dolman aus feinem blauen Tuch mit braunem und schwarzem Fellbesatz zeigt die reiche echt silberne Verschnürung auf der Vorderseite mit fünf Reihen silberfarbener Knöpfe, wobei die mittlere Reihe als Kugeln ausgeführt ist. An Ärmeln, Saum und Rücken befinden sich silberne Tressen. Auf den Schultern tragen die silbernen Raupen je zwei goldene Rangsterne, die den Generalsrang kennzeichnen. Innen ist der Dolman mit hellrotem bis purpurnem Seidenfutter ausgekleidet. Die blaue Farbe mit silbernen Besätzen entspricht den preußischen Husarentraditionen, wobei verschiedene Regimenter durch unterschiedliche Farben der Dolmans, Pelissen und Verschnürungen gekennzeichnet waren.
Nach Ernst Augusts Tod folgte ihm sein Sohn König Georg V. von Hannover sowohl als König als auch als Chef des 3. Brandenburgischen Husaren-Regiments nach, eine Position, die er von 1851 bis 1878 innehatte. Georg V. verlor 1866 nach dem Deutsch-Österreichischen Krieg seinen Thron, als Preußen Hannover annektierte. Bemerkenswerterweise blieb er dennoch weitere zwölf Jahre Chef des preußischen Regiments. Ernst August III., Herzog von Braunschweig, wurde 1913 bei seiner Verlobung mit Prinzessin Viktoria Luise, der Tochter Kaiser Wilhelms II., zum Chef der 4. Eskadron des Regiments ernannt.
Der Dolman verblieb im Besitz des Hauses Hannover und wurde auf Schloss Marienburg bei Hannover aufbewahrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg transportierten britische Truppen etwa 30 Lastwagen voller Besitztümer zum Schloss Marienburg. Das Stück trägt das Etikett des Königlichen Familien-Museums auf Schloss Marienburg. Im Oktober 2005 organisierte Ernst August Erbprinz von Hannover eine bedeutende Auktion bei Sotheby's auf Schloss Marienburg. Die zehntägige Auktion vom 5. bis 15. Oktober 2005 umfasste etwa 20.000 Objekte in rund 5.000 Losen aus verschiedenen Residenzen der Welfenfamilie und erzielte über 40 Millionen Euro. Dieser Dolman wurde bei jener Auktion verkauft und gelangte anschließend in eine Privatsammlung.