NSFK bronzene Erinnerungs-Medaille für de Teilnehmer "Mittelrheinischer Rundflug Frankfurt a.M. 1938"
Die NSFK-Erinnerungsmedaille für den Mittelrheinischen Rundflug Frankfurt a.M. 1938 stellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Luftfahrtgeschichte in der Zwischenkriegszeit dar. Diese bronzierte Leichtmetallmedaille mit einem Durchmesser von 50 mm wurde den Teilnehmern einer Flugveranstaltung verliehen, die im Jahr 1938 in Frankfurt am Main stattfand.
Das Nationalsozialistisches Fliegerkorps (NSFK) wurde am 17. April 1937 als Nachfolgeorganisation des Deutschen Luftsportverbandes gegründet. Unter der Führung von Generalleutnant Friedrich Christiansen und später Korpsführer Alfred Keller diente das NSFK offiziell der vormilitärischen Ausbildung und der Förderung des Flugsports in Deutschland. In Wirklichkeit war es ein wesentlicher Bestandteil der verdeckten Aufrüstung der Luftwaffe, die bereits seit 1935 offiziell existierte.
Die Medaille trägt auf ihrer Rückseite die Inschrift “Überreicht durch d. Oberbürgermeister der Stadt des Deutschen Handwerks Frankfurt a. Main”. Diese Bezeichnung Frankfurts als “Stadt des Deutschen Handwerks” verweist auf die besondere Rolle, die der Stadt im nationalsozialistischen Propagandasystem zugeschrieben wurde. Frankfurt galt als traditionelles Zentrum des deutschen Handwerks und wurde im Rahmen der NS-Wirtschaftspolitik entsprechend hervorgehoben.
Der Mittelrheinische Rundflug 1938 fand in einer Zeit statt, in der Flugveranstaltungen und Luftsportevents eine zentrale Rolle in der nationalsozialistischen Propaganda spielten. Solche Veranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die technologische Überlegenheit Deutschlands demonstrieren, die Begeisterung für die Luftfahrt in der Bevölkerung fördern und potenzielle Rekruten für die Luftwaffe identifizieren und ausbilden. Das Jahr 1938 war besonders bedeutsam, da es das Jahr des Anschlusses Österreichs und der Sudetenkrise war, in dem das NS-Regime seine aggressive Außenpolitik intensivierte.
Die Verwendung von bronziertem Leichtmetall anstelle von echtem Bronze war typisch für die späten 1930er Jahre, als Deutschland bereits begann, strategische Materialien für die Rüstungsindustrie zu schonen. Diese Sparmaßnahmen sollten in den Kriegsjahren noch erheblich zunehmen, als Medaillen und Auszeichnungen zunehmend aus Zink, Eisen oder anderen Ersatzmaterialien hergestellt wurden.
Rundflüge und Zuverlässigkeitsflüge hatten in der deutschen Luftfahrtgeschichte eine lange Tradition. Bereits in der Weimarer Republik waren solche Veranstaltungen populär und dienten der Erprobung von Flugzeugen und der Schulung von Piloten. Bekannte Beispiele waren der Deutschlandflug und verschiedene regionale Wettbewerbe. Nach 1933 wurden diese Traditionen vom NSFK übernommen und in den Dienst der nationalsozialistischen Luftfahrtpolitik gestellt.
Die Überreichung solcher Medaillen durch den Oberbürgermeister unterstreicht die enge Verflechtung zwischen lokalen Behörden und den NS-Organisationen. In Frankfurt war zu dieser Zeit Friedrich Krebs Oberbürgermeister, der das Amt von 1933 bis 1945 innehatte und eng mit dem Regime zusammenarbeitete.
Das NSFK organisierte eine Vielzahl von Veranstaltungen, darunter Segelflugwettbewerbe, Motorflugschulung, und theoretische Ausbildung in Navigation und Meteorologie. Bis 1939 hatte das NSFK etwa 450.000 Mitglieder und betrieb zahlreiche Flugschulen im gesamten Reichsgebiet. Die Ausbildung im NSFK galt als Voraussetzung für den späteren Eintritt in die Luftwaffe.
Erinnerungsmedaillen wie diese wurden in beträchtlichen Stückzahlen hergestellt und an Teilnehmer, Organisatoren und Ehrengäste verteilt. Sie sollten die Verbundenheit mit der Luftfahrt symbolisieren und als Andenken an die Veranstaltung dienen. Heute sind solche Medaillen wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur und Propagandamaschinerie des NS-Regimes geben.
Die Erhaltung dieser Medaille im Zustand 2 deutet auf einen gut erhaltenen Zustand mit geringen Gebrauchsspuren hin. Dies ist bemerkenswert für ein Objekt, das über 85 Jahre alt ist und die Wirren des Zweiten Weltkriegs überstanden hat. Solche Objekte sind heute gesuchte Sammlerstücke, nicht aus Verherrlichung der NS-Zeit, sondern als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte, die es zu erforschen und zu verstehen gilt.