Hessen-Darmstadt kleines Kabinett-Foto eines Soldaten im 2. Großherzoglich Hessischen Feldartillerie-Regiment Nr. 61

Standort Darmstadt/Babenhausen um 1910. Maße ca. 6.4 x 10 cm. Leicht beschädigt. Zustand 2-.
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Hessen-Darmstadt kleines Kabinett-Foto eines Soldaten im 2. Großherzoglich Hessischen Feldartillerie-Regiment Nr. 61

Das 2. Großherzoglich Hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 61 repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt der militärischen Geschichte des Großherzogtums Hessen-Darmstadt im Deutschen Kaiserreich. Dieses um 1910 entstandene Kabinett-Foto dokumentiert einen Soldaten dieser traditionsreichen Einheit und bietet einen wertvollen Einblick in die Uniformierung und militärische Kultur der späten Kaiserzeit.

Das Regiment wurde am 1. Oktober 1899 in Darmstadt aufgestellt und war Teil des XVIII. Armeekorps der preußisch-deutschen Armee. Die Garnisonen befanden sich in Darmstadt und Babenhausen, was mit den auf dem Foto angegebenen Standorten übereinstimmt. Als Feldartillerie-Regiment war die Einheit mit gezogenen Geschützen ausgerüstet, hauptsächlich dem Feldkanone 96, dem Standardgeschütz der deutschen Feldartillerie dieser Epoche.

Die Kabinett-Fotografie als Format etablierte sich in den 1860er Jahren und blieb bis in die 1920er Jahre eine beliebte Form der Portraitfotografie. Mit den Maßen von etwa 6,4 x 10 cm war das Kabinettformat größer als die Visitenkarte, aber handlich genug für Alben und zum Versenden. Soldatenfotografien dieser Art waren in der Kaiserzeit äußerst populär, da der Militärdienst als Ehre galt und Familien stolz die Uniformporträts ihrer Söhne und Angehörigen präsentierten.

Um 1910, als diese Aufnahme entstand, befand sich das Deutsche Reich in einer Phase intensiver militärischer Aufrüstung. Die politischen Spannungen in Europa nahmen zu, und die Armee wurde kontinuierlich modernisiert und erweitert. Das 2. Großherzoglich Hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 61 nahm an zahlreichen Manövern und Übungen teil, um die Schlagkraft der deutschen Artillerie zu gewährleisten.

Die Uniform der hessischen Feldartillerie um 1910 folgte den allgemeinen Bestimmungen der deutschen Armee, wies aber charakteristische Besonderheiten auf. Die Artilleristen trugen die dunkelblaue Friedensuniform (Waffenrock) mit den typischen roten Aufschlägen und Vorstößen der Artillerie. Die Kopfbedeckung bestand aus der Pickelhaube mit dem hessischen Wappen. Für Paraden und besondere Anlässe wurde die große Uniform mit allen Abzeichen und Ausrüstungsgegenständen getragen.

Das Großherzogtum Hessen-Darmstadt hatte eine lange militärische Tradition. Obwohl es nach 1871 Teil des Deutschen Reiches war, behielt es gemäß der Reichsverfassung gewisse militärische Eigenständigkeiten. Die hessischen Regimenter trugen mit Stolz ihre regionalen Traditionen und Abzeichen, während sie gleichzeitig in die gesamtdeutsche Heeresstruktur integriert waren.

Die Bezeichnung "Nr. 61" verweist auf die fortlaufende Nummerierung aller Feldartillerie-Regimenter in der deutschen Armee. Diese systematische Nummerierung erleichterte die administrative Verwaltung und militärische Organisation im komplexen System des deutschen Heeres, das aus Kontingenten verschiedener Bundesstaaten bestand.

Fotografien wie diese wurden typischerweise in professionellen Militärfotografie-Ateliers angefertigt, die sich in der Nähe von Kasernen und Garnisonen ansiedelten. Diese Fotografen waren auf Soldatenporträts spezialisiert und verfügten über entsprechende Kulissen, Requisiten und Kenntnisse der militärischen Uniformierung. Die Aufnahmen entstanden meist kurz nach der Einberufung, nach dem Erhalt von Beförderungen oder vor größeren Verlegungen.

Der Erste Weltkrieg markierte einen dramatischen Wendepunkt für das Regiment. Im August 1914 mobilisiert, zog das 2. Großherzoglich Hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 61 in den Krieg und kämpfte an verschiedenen Fronten. Die Artillerie spielte im Ersten Weltkrieg eine zentrale Rolle, und die Verluste unter den Artillerieregimentern waren beträchtlich. Das Regiment nahm an bedeutenden Schlachten teil und erlebte die Transformation der Kriegsführung von der Bewegungskriegsphase 1914 zum Stellungskrieg der folgenden Jahre.

Die Erhaltung solcher Fotografien ist von großer historischer Bedeutung. Sie dokumentieren nicht nur die individuellen Schicksale der abgebildeten Soldaten, sondern dienen auch als wichtige Quelle für die Uniformkunde, die Sozialgeschichte des Militärs und die Alltagskultur des Kaiserreichs. Für Militärhistoriker und Sammler bieten sie wertvolle Informationen über Details der Bekleidung, Ausrüstung und militärischen Praxis.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Revolution von 1918 wurde das deutsche Heer drastisch verkleinert. Die traditionellen Regimenter, einschließlich des 2. Großherzoglich Hessischen Feldartillerie-Regiments Nr. 61, wurden aufgelöst. Die Reichswehr der Weimarer Republik war auf 100.000 Mann begrenzt und konnte nur einen Bruchteil der alten Regimentsstrukturen aufnehmen.

Heute sind solche Kabinett-Fotografien wichtige Sammlerstücke und Forschungsobjekte. Sie ermöglichen es, die Geschichte individueller Einheiten nachzuvollziehen und die persönlichen Erfahrungen der Soldaten zu rekonstruieren. Der leicht beschädigte Zustand dieser Aufnahme ist typisch für über hundert Jahre alte Fotografien und mindert nicht ihren historischen und dokumentarischen Wert.

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