Baden Schirmmütze für einen Unteroffizier im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109

Standort Karlsruhe, um 1910. Schirmmütze aus dunkelblauem Stoff mit rotem Vorstoß und Mützenbund, schwarz lackierter Schirm, beide Kokarden. Innen mit braunem Lederschweißband und beigem Wachstuchfutter mit dem Hersteller «Ludwig Vögele … Karlsruhe i.B.» sowie Stempel «Collection Larcade». Das Schweißband mit Etikett der Sammlung Larcade. Größe 55. Der Deckel mit wenigen kleinen Mottenlöchern. Zustand 2.
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450,00

Baden Schirmmütze für einen Unteroffizier im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109

Die Schirmmütze war ein wesentlicher Bestandteil der militärischen Kopfbedeckungen im Deutschen Kaiserreich und diente als Ausgehuniform sowie für den täglichen Dienst außerhalb des Gefechts. Das vorliegende Exemplar gehörte einem Unteroffizier des 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109, einer der traditionsreichsten Einheiten des Großherzogtums Baden.

Das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 hatte seinen Standort in Karlsruhe, der Residenzstadt der badischen Großherzöge. Das Regiment führte seine Tradition auf das Jahr 1803 zurück und galt als eine der Eliteeinheiten der badischen Armee. Nach der Heeresreform von 1872 wurde es als Regiment Nr. 109 in die nummerierte Ordnung des deutschen Heeres eingegliedert, behielt jedoch seinen prestigeträchtigen Titel als “Leib-Regiment”, was die besondere Nähe zum Herrscherhaus symbolisierte.

Die Schirmmütze aus der Zeit um 1910 zeigt die charakteristischen Farben der badischen Infanterie. Der dunkelblaue Grundstoff war typisch für die badischen Truppen und unterschied sie von den preußischen Einheiten, die überwiegend feldgraue oder schwarze Mützen trugen. Der rote Vorstoß und das rote Mützenband wiesen auf die Waffengattung Infanterie hin, wobei Rot die traditionelle Farbe der Grenadiere war. Diese Farbgebung entsprach den Bekleidungsvorschriften des Königreichs Preußen und der verbündeten Kontingente, die nach 1871 weitgehend vereinheitlicht wurden, jedoch regionale Besonderheiten zuließen.

Die Schirmmütze trug zwei Kokarden: Die Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot repräsentierte das Deutsche Reich, während die Landeskokarde in den badischen Farben Rot-Gelb die Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden anzeigte. Diese doppelte Kennzeichnung war für alle Kontingentsarmeen des Kaiserreichs vorgeschrieben und symbolisierte die föderale Struktur des deutschen Militärwesens.

Der Rang eines Unteroffiziers wurde bei der Schirmmütze durch spezifische Details angezeigt, die sie von den Mützen der Mannschaften unterschied. Unteroffiziere waren das Rückgrat der kaiserlichen Armee und bildeten die wichtigste Verbindung zwischen der Offiziersebene und den einfachen Soldaten. Sie trugen Verantwortung für die Ausbildung und Disziplin ihrer Gruppen und Züge.

Der schwarz lackierte Schirm war ein Standard bei militärischen Schirmmützen dieser Zeit und diente sowohl dem Schutz vor Sonneneinstrahlung als auch der einheitlichen optischen Erscheinung. Das innere Lederschweißband und das Wachstuchfutter entsprachen den üblichen Qualitätsstandards und boten Tragekomfort sowie Haltbarkeit.

Der Hersteller Ludwig Vögele aus Karlsruhe war ein renommierter Lieferant militärischer Ausrüstung und Uniformen. Solche lokalen Zulieferer waren für die Ausstattung der regionalen Truppenteile von großer Bedeutung. Die Kennzeichnung mit dem Herstellernamen war üblich und ermöglichte die Qualitätskontrolle sowie die Nachverfolgung bei Beanstandungen.

Die Größe 55 entspricht einem Kopfumfang von 55 Zentimetern, was eine durchschnittliche Größe für die damalige Zeit darstellte. Die Standardisierung von Größen war ein wichtiger Aspekt der militärischen Bekleidungslogistik und ermöglichte die effiziente Versorgung großer Truppenverbände.

Der Zeitraum um 1910 war eine Periode relativen Friedens für das Deutsche Reich, jedoch auch eine Zeit intensiver militärischer Vorbereitung. Die Spannungen in Europa nahmen zu, und das deutsche Heer wurde kontinuierlich modernisiert und erweitert. Das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 nahm an zahlreichen Manövern und Übungen teil und war auf dem neuesten Stand der militärischen Ausbildung.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 zog das Regiment ins Feld. Die Schirmmütze wurde jedoch nicht im Gefecht getragen, sondern durch die Feldmütze und später den Stahlhelm ersetzt. Die Schirmmütze blieb der Garnisonuniform und Ausgehuniformen vorbehalten.

Die Erhaltung dieser Schirmmütze in der Collection Larcade zeugt von ihrem historischen und sammlerischen Wert. Solche Objekte sind wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte und der Uniformkunde und bieten Einblicke in die Organisation, Hierarchie und Traditionen der kaiserlichen Armee. Die geringen Gebrauchsspuren, insbesondere die kleinen Mottenlöcher, sind typisch für Textilien dieser Altersklasse und beeinträchtigen den historischen Wert nicht wesentlich.