Lineol - Heer General mit Fernglas reitend auf Schrittpferd

7,5 cm, Zustand 2.
402471
65,00

Lineol - Heer General mit Fernglas reitend auf Schrittpferd

Lineol-Figur: Heeresgeneral mit Fernglas auf schreitendem Pferd

Die vorliegende Figur eines reitenden Heeresgenerals mit Fernglas der Firma Lineol stellt ein bemerkenswertes Beispiel der deutschen Spielzeugproduktion der 1930er und frühen 1940er Jahre dar. Mit einer Größe von 7,5 cm gehört sie zur Standardgröße der Lineol-Elastolin-Figuren, die in dieser Epoche die führenden Massenfiguren für Spielzwecke und Sammler waren.

Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholz in Brandenburg an der Havel gegründet. Der Name "Lineol“ war eine Wortschöpfung, die auf die Verwendung von Lineoleum als Bindemittel in der Kompositionsmasse hinwies. Diese Masse bestand hauptsächlich aus Sägemehl, Leim, Kasein und Öl, was die Figuren wesentlich stabiler und elastischer machte als traditionelle Bleifiguren. Diese Innovation ermöglichte detailliertere Modellierungen und größere Haltbarkeit, was besonders bei Kinderspielzeug von Bedeutung war.

In den 1930er Jahren erlebte Lineol seine Blütezeit. Die Firma produzierte umfangreiche Serien von Militärfiguren, die die zeitgenössische Wehrmacht darstellten. Generäle zu Pferd waren besonders beliebte Motive, da sie Autorität und militärische Führung symbolisierten. Die Darstellung eines Generals mit Fernglas auf einem im Schritt gehenden Pferd entsprach der militärischen Realität der damaligen Zeit, in der Kavallerie und berittene Kommandeure noch eine wichtige Rolle spielten, auch wenn die Motorisierung bereits fortschritt.

Militärhistorischer Kontext: In der Wehrmacht der 1930er und 1940er Jahre waren Generäle oft noch beritten, besonders bei Paraden, Inspektionen und in der Gefechtsführung. Das Fernglas oder Scherenfernrohr war ein unverzichtbares Ausrüstungsstück für Offiziere aller Ränge. Hochrangige Offiziere nutzten typischerweise hochwertige optische Geräte von Herstellern wie Zeiss oder Leitz. Die Darstellung des Generals auf einem schreitenden Pferd zeigt eine typische Beobachtungsszene, wie sie bei Geländeerkundungen oder der Leitung von Manövern vorkam.

Die Uniform eines Heeresenerals war durch besondere Merkmale gekennzeichnet: goldene Schulterstücke mit Generalssternen, rote Generalsbiesen an der Hose, und oft ein hochdekorierter Waffenrock. Lineol legte großen Wert auf die akkurate Wiedergabe dieser Details, soweit dies im Maßstab möglich war. Die Bemalung erfolgte in Handarbeit, was jede Figur zu einem individuellen Stück machte.

Produktionstechnische Aspekte: Die Herstellung erfolgte in mehreren Schritten. Zunächst wurden die Einzelteile in Metallformen gegossen. Die Kompositionsmasse wurde erwärmt und in die Formen gepresst. Nach dem Aushärten wurden die Teile zusammengefügt – oft waren Pferd und Reiter getrennt gefertigt und wurden dann verbunden. Anschließend erfolgte die Grundierung und die detaillierte Bemalung mit Ölfarben. Die Qualität der Bemalung variierte je nach Produktionsjahr und verfügbaren Ressourcen.

Sammlerhistorie und Bedeutung: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion solcher Militärfiguren zunächst eingestellt. Die Firma Lineol produzierte in der Nachkriegszeit verstärkt zivile Figuren. Viele der Vorkriegsfiguren wurden während des Krieges zerstört oder gingen verloren. Dies macht gut erhaltene Exemplare heute zu begehrten Sammlerstücken. Der angegebene Zustand 2 nach der gängigen Sammlerskala (1 = neuwertig, 6 = stark beschädigt) deutet auf ein sehr gut erhaltenes Stück hin, möglicherweise mit minimalen Gebrauchsspuren oder kleinen Farbabplatzern.

Heute werden Lineol-Figuren nicht nur wegen ihrer handwerklichen Qualität geschätzt, sondern auch als zeithistorische Dokumente. Sie spiegeln die militärische Ikonographie und die Darstellungskonventionen ihrer Entstehungszeit wider. Für Militärhistoriker bieten sie Einblicke in die Uniformkunde und die Ausrüstung der Wehrmacht. Für Spielzeughistoriker dokumentieren sie die Entwicklung der deutschen Spielzeugindustrie und die gesellschaftlichen Werte der Epoche.

Die erhaltenen Lineol-Figuren befinden sich heute in zahlreichen privaten Sammlungen und Museen weltweit, darunter im Deutschen Historischen Museum Berlin und in spezialisierten Spielzeugmuseen. Sie werden als wichtige Zeugnisse der Alltagskultur und der Spielzeugproduktion des 20. Jahrhunderts bewahrt und erforscht.