Preußen Schirmmütze für den Kanonier "Scheib" im Fußartillerie-Regiment General-Feldzeugmeister (Brandenburgisches) Nr. 3

Standort Mainz. Eigentumsstück um 1910. Blaue Mütze in hoher Tellerform mit schwarzem Bund und roten Vorstößen, komplett mit beiden Kokarden, schwarz lackierter Schirm. Innen mit braunem Schweißband und beigem Wachstuchfutter mit Hersteller "Alb. Jaszczak Mainz, darunter Trägeretikett "Kanonier Scheib 3. Batterie Fußart-Regt. Generalfeldzeugmeister (Brdbg.) 3". Größe 56. Der Deckel mit Mottenspuren. Zustand 2.
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380,00

Preußen Schirmmütze für den Kanonier "Scheib" im Fußartillerie-Regiment General-Feldzeugmeister (Brandenburgisches) Nr. 3

Diese Schirmmütze repräsentiert ein authentisches Beispiel der preußischen Militärkopfbedeckungen aus der späten Kaiserzeit, etwa um 1910. Sie gehörte einem Kanonier namens Scheib, der in der 3. Batterie des Fußartillerie-Regiments General-Feldzeugmeister (Brandenburgisches) Nr. 3 diente, das in Mainz stationiert war.

Das Fußartillerie-Regiment General-Feldzeugmeister (Brandenburgisches) Nr. 3 war eine traditionsreiche Einheit der preußischen Armee. Die Bezeichnung “General-Feldzeugmeister” ehrte historisch den höchsten Artillerieoffizier, und die Verbindung zu Brandenburg unterstrich die lange militärische Tradition dieser Region. Das Regiment war Teil der preußischen Fußartillerie, die sich von der berittenen Feldartillerie dadurch unterschied, dass ihre Geschütze von Pferden gezogen wurden, während die Mannschaften zu Fuß marschierten oder auf den Protzen mitfuhren.

Die Mütze zeigt die charakteristischen Farben der Artillerie: einen blauen Deckel in hoher Tellerform, einen schwarzen Bund und rote Vorstöße. Diese Farbkombination war in der preußischen Armee streng nach Waffengattung geregelt. Schwarz und Rot als Vorstöße kennzeichneten die Artillerie, während die blaue Grundfarbe für preußische Truppen typisch war. Die hohe Tellerform der Schirmmütze war charakteristisch für die Dienstmützen der wilhelminischen Ära und unterschied sich deutlich von den flacheren Formen späterer Perioden.

Die Mütze ist komplett mit beiden Kokarden erhalten, was ihre Authentizität und ihren Erhaltungszustand unterstreicht. Die größere Kokarde in Schwarz-Weiß-Rot repräsentierte das Deutsche Kaiserreich, während die kleinere in den preußischen Farben Schwarz-Weiß die Zugehörigkeit zu Preußen anzeigte. Diese doppelte Kokardenführung war charakteristisch für preußische Einheiten im Kaiserreich und wurde durch die Allerhöchste Kabinettsorder geregelt.

Der schwarz lackierte Schirm diente dem praktischen Zweck des Sonnenschutzes und war gleichzeitig Teil der uniformierten Erscheinung. Das innere braune Schweißband und das beige Wachstuchfutter zeigen die übliche Konstruktion solcher Mützen, wobei das Wachstuch wasserabweisende Eigenschaften bot.

Besonders bemerkenswert ist das erhaltene Herstelleretikett von Alb. Jaszczak aus Mainz. Die Firma Jaszczak war einer der zahlreichen Militäreffektenhändler und -hersteller, die in Garnisionsstädten ansässig waren und die lokalen Truppen belieferten. Mainz war als bedeutende Festungsstadt am Rhein ein wichtiger Militärstandort.

Das Trägeretikett identifiziert den ursprünglichen Besitzer präzise: “Kanonier Scheib 3. Batterie”. Ein Kanonier war der unterste Dienstgrad in der Artillerie, entsprechend dem Gefreiten in der Infanterie. Die Tatsache, dass die Mütze ein solches persönliches Etikett trägt, war üblich, um Verwechslungen in der Kaserne zu vermeiden. Die Größe 56 entspricht einem Kopfumfang von 56 Zentimetern und war eine gängige Größe.

Die zeitliche Einordnung um 1910 fällt in eine Phase relativer Stabilität des Kaiserreichs, zwei Jahre nach der Daily-Telegraph-Affäre und vier Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die preußische Armee durchlief in dieser Zeit verschiedene Reformen und Modernisierungen, wobei die Fußartillerie zunehmend mit modernen Geschützen ausgerüstet wurde. Die Uniformierung blieb jedoch weitgehend traditionell.

Die erwähnten Mottenspuren am Deckel sind typisch für textile Militaria aus dieser Zeit und zeugen von der organischen Zusammensetzung der verwendeten Materialien, hauptsächlich Wolle. Der angegebene Zustand 2 deutet auf einen guten Erhaltungszustand mit leichten Gebrauchsspuren hin.

Solche Schirmmützen wurden im Dienst getragen, besonders bei Ausgang, Wachdienst und bestimmten dienstlichen Anlässen. Für den Gefechts- und Exerzierdienst trugen die Soldaten häufig andere Kopfbedeckungen. Die Mütze war Teil der persönlichen Ausrüstung des Soldaten und musste in der Regel selbst angeschafft oder aus dem Sold bezahlt werden.

Diese Schirmmütze ist ein authentisches Zeugnis der preußisch-deutschen Militärgeschichte und dokumentiert die materielle Kultur der Armee im späten Kaiserreich. Sie verbindet persönliche Geschichte mit institutioneller Militärgeschichte und bietet Einblicke in Uniformierung, Rangstruktur und Alltagsleben der kaiserlichen Armee.