Reichsbund Deutscher Kleingärtner ( RDK ) - Brosche für Kleingärtner-Frauen und Töchter
Die Brosche für Kleingärtner-Frauen und Töchter des Reichsbundes Deutscher Kleingärtner (RDK) repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Sozial- und Organisationsgeschichte während der nationalsozialistischen Ära. Diese Abzeichen dokumentieren die systematische Durchdringung selbst unpolitischer Freizeitorganisationen durch die NS-Ideologie und deren Gleichschaltungspolitik.
Der Reichsbund Deutscher Kleingärtner wurde 1869 als unpolitischer Verein zur Förderung des Kleingartenwesens gegründet. Nach der Machtübernahme 1933 erfolgte jedoch die vollständige Gleichschaltung der Organisation. Der RDK wurde in das NS-System integriert und unterstand ab 1934 dem Reichsheimstättenamt der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Die Organisation sollte nun nicht mehr nur die praktische Gartenarbeit fördern, sondern wurde zu einem Instrument der NS-Ideologie umfunktioniert.
Die vorliegende Brosche trägt die Herstellermarkierung “1 GES.GESCH.”, was für “gesetzlich geschützt” steht und auf die erste Ausführungsvariante hinweist. Diese Kennzeichnung war bei NS-zeitlichen Abzeichen üblich und diente dem Schutz vor Fälschungen sowie der Qualitätssicherung. Die Hersteller solcher Abzeichen mussten offiziell registriert sein und bestimmte Qualitätsstandards einhalten.
Besonders bemerkenswert ist die spezifische Ausrichtung dieser Brosche auf Kleingärtner-Frauen und Töchter. Dies reflektiert die geschlechtsspezifische Organisationsstruktur im Dritten Reich. Während Männer als Vollmitglieder des RDK galten, erhielten Frauen und Töchter eigene Abzeichen, die ihre unterstützende Rolle in der Organisation symbolisierten. Diese Praxis entsprach der NS-Ideologie, die Frauen primär in ihrer Funktion als Ehefrauen und Mütter sah und ihre Aufgaben im häuslichen und gartenbaulichen Bereich verortete.
Der Kleingartenbewegung kam im nationalsozialistischen System eine mehrfache Bedeutung zu. Erstens diente sie der Selbstversorgung der Bevölkerung, was insbesondere im Rahmen der Kriegswirtschaft und des Vierjahresplans ab 1936 von großer Bedeutung war. Zweitens verkörperte die Gartenarbeit die NS-Ideologie von “Blut und Boden” und der Verbundenheit des deutschen Volkes mit der heimischen Scholle. Drittens bot sie eine Möglichkeit zur Freizeitgestaltung unter staatlicher Kontrolle und Überwachung.
Die Frauen im RDK wurden systematisch in die Gartenarbeit eingebunden und durch spezielle Schulungen in Themen wie Gemüseanbau, Konservierung und Vorratshaltung unterwiesen. Diese Aktivitäten wurden als Beitrag zur “Ernährungsschlacht” propagiert, einem Begriff, der die Bedeutung der heimischen Nahrungsmittelproduktion für die nationalsozialistische Autarkiepolitik unterstreichen sollte.
Die Nadel wurde vermutlich an Frauen und Töchter verliehen, die sich aktiv in der Kleingärtnerarbeit engagierten oder deren Männer bzw. Väter Mitglieder des RDK waren. Das Tragen solcher Abzeichen diente mehreren Zwecken: Es demonstrierte die Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft, zeigte das Engagement für die nationalen Ziele und verschaffte der Trägerin eine gewisse soziale Anerkennung innerhalb der lokalen Gemeinschaft.
Die handwerkliche Ausführung solcher Broschen variierte je nach Hersteller und Produktionszeit. Die meisten wurden aus Buntmetall gefertigt und teilweise emailliert. Die Qualität der Stücke nahm im Verlauf des Krieges aufgrund von Materialknappheit und der Umstellung der Industrie auf Rüstungsproduktion häufig ab.
Nach 1945 verloren diese Abzeichen ihre ursprüngliche Funktion vollständig. Der RDK wurde in den westlichen Besatzungszonen aufgelöst und durch neue, demokratische Kleingärtnerorganisationen ersetzt. In der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR entstanden ebenfalls neue Strukturen, die sich vom NS-System distanzierten.
Heute sind solche Broschen primär von historischem und sammlertechnischem Interesse. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch das NS-Regime und zeigen, wie selbst harmlose Freizeitaktivitäten wie die Gartenarbeit ideologisiert und für politische Zwecke instrumentalisiert wurden. Für die Geschichtswissenschaft sind sie wertvolle Quellen zum Verständnis der Alltagskultur und der Organisationsstruktur im Dritten Reich.
Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte ist wichtig für die historische Bildung und dient der kritischen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Sie mahnen zur Wachsamkeit gegenüber totalitären Tendenzen und der Vereinnahmung zivilgesellschaftlicher Organisationen durch politische Ideologien.