Baden Reservistenkrug für den «Reservist Heckner» im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109

Standort Karlsruhe 1910. 0,5 Liter Porzellan-Krug mit farbigen Darstellungen, mit Bodenbild und Zinndeckel. Der Zinndeckel mit "Soldaten an Säule", die Daumenauflage als badisches Wappen gestaltet. Zustand 2.

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400,00

Baden Reservistenkrug für den «Reservist Heckner» im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109

Der vorliegende Reservistenkrug stellt ein herausragendes Beispiel der deutschen Militärkultur des Kaiserreichs dar und wurde für den Reservisten Heckner im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 angefertigt. Mit seinem Standort in Karlsruhe und der Datierung auf das Jahr 1910 dokumentiert dieser Porzellankrug eine bedeutende Tradition, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte.

Das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 war eine der prestigeträchtigsten Einheiten des Großherzogtums Baden und Teil des XIV. Armeekorps der preußisch-deutschen Armee. Das Regiment wurde 1803 gegründet und erhielt 1871 nach dem Deutsch-Französischen Krieg die Bezeichnung "Leib-Grenadier-Regiment". Die Garnison in Karlsruhe, der Residenzstadt der badischen Großherzöge, verlieh dem Regiment besondere Bedeutung und Nähe zum Herrscherhaus. Die Soldaten dieses Regiments trugen charakteristische Uniformen mit dem badischen Wappen und galten als Elite-Einheit innerhalb der badischen Armee.

Die Reservistenkrug-Tradition entwickelte sich in Deutschland ab den 1870er Jahren zu einem weit verbreiteten Brauch. Nach Ableistung ihrer aktiven Dienstzeit von in der Regel zwei bis drei Jahren erhielten Soldaten als Andenken an ihre Militärzeit einen kunstvoll gestalteten Krug. Diese Krüge waren nicht nur Trinkgefäße, sondern vielmehr Erinnerungsstücke und Statussymbole, die den erfolgreichen Abschluss der Militärdienstpflicht dokumentierten. Sie wurden oft in der guten Stube ausgestellt und bei Reservistentreffen verwendet.

Der hier beschriebene Krug mit einem Fassungsvermögen von 0,5 Litern entspricht den standardisierten Maßen dieser Epoche. Die Fertigung aus Porzellan mit farbigen Darstellungen war charakteristisch für hochwertige Reservistenkrüge. Häufig zeigten solche Krüge militärische Szenen, Regimentsabzeichen, Garnisonsansichten oder patriotische Symbole. Das Bodenbild, eine Besonderheit vieler Reservistenkrüge, offenbarte sich erst beim vollständigen Austrinken des Inhalts und enthielt oft humorvolle oder erotische Darstellungen, Trinksprüche oder militärische Motive.

Der Zinndeckel mit der Darstellung von "Soldaten an Säule" verweist auf typische militärische Ikonographie der Zeit. Solche Reliefdarstellungen zeigten häufig Soldaten in Uniform, Wachszenen oder Kameradschaftsmotive. Die Daumenauflage in Form des badischen Wappens – der goldene Schrägbalken auf rotem Grund – unterstreicht die regionale Zugehörigkeit und den Stolz auf die badische Militärtradition. Diese heraldischen Elemente waren essentieller Bestandteil der Identifikation mit der Heimatregion und dem jeweiligen Regiment.

Das Jahr 1910 markiert eine Periode relativer Stabilität im Deutschen Kaiserreich, vier Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die allgemeine Wehrpflicht war fest etabliert, und der Militärdienst galt als ehrenvoll und prägte das gesellschaftliche Leben. Reservistenkrüge spiegelten den Militarismus der wilhelminischen Ära wider, der alle Gesellschaftsschichten durchdrang. Sie waren Ausdruck von Patriotismus, Kameradschaft und männlicher Identität.

Die Herstellung solcher Krüge erfolgte durch spezialisierte Manufakturen und Werkstätten, insbesondere in Thüringen und im Westerwald, den traditionellen Zentren deutscher Keramikproduktion. Jeder Krug wurde individuell für den jeweiligen Reservisten angefertigt und enthielt persönliche Daten wie Name, Regiment, Dienstzeit und Garnison. Diese Personalisierung machte jeden Krug zu einem Unikat und wertvollen Familienerbstück.

Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine sehr gute Erhaltung hin, was bei über hundert Jahre alten Objekten bemerkenswert ist. Viele Reservistenkrüge überdauerten beide Weltkriege und wurden in Familien von Generation zu Generation weitergegeben. Heute sind sie begehrte Sammlerobjekte, die wichtige Einblicke in die Militär- und Sozialgeschichte des Kaiserreichs gewähren.

Reservistenkrüge wie dieser dokumentieren nicht nur militärische Zugehörigkeit, sondern auch regionale Identität, handwerkliche Kunstfertigkeit und die gesellschaftlichen Werte einer vergangenen Epoche. Sie sind materielle Zeugnisse einer Zeit, in der militärische Tugenden und nationale Identität eng miteinander verwoben waren.

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