III. Reich / Wehrmacht - Brettspiel " Schach-Dame-Mühle "
Das hier beschriebene Objekt ist ein Brettspiel aus der Zeit des Dritten Reiches, das drei klassische Spiele vereint: Schach, Dame und Mühle. Solche Mehrzweck-Spielsets wurden während der Wehrmacht-Ära (1935-1945) in großen Mengen produziert und dienten sowohl der Truppenbetreuung als auch der Aufrechterhaltung der Moral an der Front und in der Heimat.
Die Bezeichnung “Ein Gruß aus der Heimat” deutet darauf hin, dass dieses Spiel Teil eines organisierten Programms zur Truppenbetreuung war. Die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" sowie verschiedene Wohlfahrtsorganisationen wie das Winterhilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz organisierten regelmäßig Sammlungen und Versendungen von Paketen an Soldaten. Diese enthielten neben Nahrungsmitteln, Tabakwaren und Hygieneartikeln auch Unterhaltungsgegenstände wie Spielkarten, Bücher und eben solche Brettspiele.
Die Kombination von drei Spielen in einem Set war aus praktischen Gründen besonders geschätzt. In den beengten Verhältnissen von Unterständen, Bunkern oder Feldquartieren war Platz kostbar. Ein kompaktes Spielset, das mehrere Unterhaltungsmöglichkeiten bot, war daher ideal für den militärischen Alltag. Schach galt als intellektuell anspruchsvolles Spiel, das strategisches Denken förderte – Fähigkeiten, die auch im militärischen Kontext geschätzt wurden. Dame bot eine zugänglichere Alternative, während Mühle als schnelles Spiel für kurze Pausen diente.
Die materielle Gestaltung solcher Spiele spiegelt die wirtschaftlichen Bedingungen der Kriegszeit wider. Während Vorkriegsproduktionen oft aus hochwertigem Holz oder sogar Elfenbein gefertigt wurden, musste man im Verlauf des Krieges zunehmend auf Ersatzmaterialien zurückgreifen. Häufig verwendete Materialien waren gepresstes Holz, Pappe oder Bakelit für die Spielsteine. Die Spielbretter wurden oft aus einfachem Karton gefertigt und mit entsprechenden Mustern bedruckt.
Die Verbreitung solcher Spiele war Teil einer umfassenderen Moral- und Freizeitgestaltungspolitik der Wehrmacht. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) erkannte früh, dass die psychische Gesundheit und Kampfmoral der Truppe nicht nur von militärischen Erfolgen, sondern auch von der Qualität des Alltags in Ruhezeiten abhing. Besonders während der langen Winter an der Ostfront oder während Belagerungen spielten solche Unterhaltungsmittel eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Langeweile und der Prävention von Depressionen.
Historische Quellen wie Feldpostbriefe belegen, dass Soldaten solche Geschenke aus der Heimat sehr schätzten. Sie stellten nicht nur eine willkommene Ablenkung dar, sondern symbolisierten auch die Verbindung zur Heimat und das Gefühl, nicht vergessen zu sein. Die Aufschrift “Ein Gruß aus der Heimat” verstärkte diese emotionale Komponente gezielt.
Aus heutiger militärhistorischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Quellen für die Alltagsgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Sie ergänzen das Bild, das durch offizielle Dokumente und militärische Berichte entsteht, um die menschliche Dimension des Kriegsalltags. Die Erhaltung solcher Gegenstände in gebrauchtem Zustand – mit Gebrauchsspuren, die von tatsächlicher Nutzung zeugen – macht sie zu besonders wertvollen historischen Zeugnissen.
Die Produktion und Verteilung solcher Spiele war auch Teil der Propagandastrategie des NS-Regimes. Sie sollten die “Volksgemeinschaft” demonstrieren und die Vorstellung vermitteln, dass Heimat und Front eine Einheit bildeten. Gleichzeitig dienten sie praktischen Zwecken der Truppenbetreuung, die in allen modernen Armeen als notwendig erkannt wurde.
Nach Kriegsende wurden viele dieser Objekte von heimkehrenden Soldaten mitgebracht oder gingen in Kriegsgefangenschaft verloren. Heute sind gut erhaltene Exemplare mit vollständigem Zubehör – Spielregeln, Spielbrett und allen Spielsteinen – relativ selten, was ihren militärhistorischen und sammlerischen Wert erhöht.