Portugal Pistolentasche

Schwarzes glattes Leder, mit Trageschlaufen, Herstellermarkierung "A.E", Werkzeugschlüssel ist vorhanden, zusätzlich mit Leder-Behälter für den Durchtreiber und Putzstock (ohne Stock). Getragen, Zustand 2-.

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350,00

Portugal Pistolentasche

Die portugiesische Pistolentasche stellt ein charakteristisches Beispiel der militärischen Ausrüstung dar, die von den portugiesischen Streitkräften im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verwendet wurde. Derartige Ledertaschen waren unverzichtbare Bestandteile der persönlichen Ausrüstung von Offizieren und Soldaten, die mit Handfeuerwaffen ausgestattet waren.

Die Verwendung von schwarzem, glattem Leder entsprach den militärischen Standards dieser Epoche. Leder war aufgrund seiner Robustheit, Wetterbeständigkeit und relativen Verfügbarkeit das bevorzugte Material für militärisches Tragegeschirr. Die portugiesische Armee folgte dabei den internationalen Entwicklungen in der Militärausrüstung, die von anderen europäischen Mächten wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland geprägt wurden.

Die Herstellermarkierung “A.E” deutet auf eine kontrollierte Produktion durch zugelassene Militärlieferanten hin. Im portugiesischen Militärsystem wurden Ausrüstungsgegenstände häufig von privaten Manufakturen hergestellt, die unter staatlicher Aufsicht und nach präzisen militärischen Spezifikationen arbeiteten. Solche Markierungen ermöglichten die Qualitätskontrolle und Rückverfolgbarkeit der Ausrüstung.

Die Trageschlaufen dieser Pistolentasche waren so konzipiert, dass sie am Leibgurt oder Koppel befestigt werden konnten. Dies entsprach dem modularen System der Trageausrüstung, das sich in den europäischen Armeen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durchsetzte. Die Soldaten konnten so ihre Ausrüstung je nach Einsatz und Waffengattung individuell anpassen.

Besonders bemerkenswert ist das mitgelieferte Werkzeugzubehör. Der vorhandene Werkzeugschlüssel war essentiell für die Feldwartung der Pistole. Revolver und halbautomatische Pistolen der damaligen Zeit, wie die in Portugal verwendeten Modelle nach dem Savage-System oder später die Parabellum-Pistolen, erforderten regelmäßige Wartung und gelegentliche Adjustierungen, die der Soldat selbst durchführen musste.

Der separate Lederbehälter für den Durchtreiber zeigt die Sorgfalt, mit der die militärische Ausrüstung konzipiert wurde. Der Durchtreiber, auch Reinigungsdorn genannt, war ein unverzichtbares Werkzeug zur Entfernung von Ladehemmungen und zur Reinigung des Pistolenlaufs. In Kampfsituationen oder unter Feldbedingungen konnte eine verschmutzte oder blockierte Waffe lebensbedrohlich sein, weshalb die ständige Verfügbarkeit von Reinigungswerkzeugen höchste Priorität hatte.

Die Erwähnung des Putzstocks, wenn auch ohne den eigentlichen Stock, verweist auf das komplette Reinigungssystem. Der Putzstock wurde mit Reinigungslappen oder -bürsten versehen und durch den Lauf gezogen, um Pulverrückstände und Verschmutzungen zu entfernen. Das rauchlose Pulver, das ab den 1880er Jahren die älteren Schwarzpulverladungen ersetzte, hinterließ zwar weniger Rückstände, machte die regelmäßige Waffenpflege aber keineswegs überflüssig.

Portugal hatte eine lange militärische Tradition, die durch seine koloniale Präsenz in Afrika (Angola, Mosambik, Guinea-Bissau), Asien (Goa, Macau, Timor) und kurzzeitig auch in anderen Überseegebieten geprägt war. Die portugiesischen Streitkräfte waren daher in verschiedenen Klimazonen und unter unterschiedlichsten Bedingungen im Einsatz. Diese Vielfalt stellte besondere Anforderungen an die Ausrüstung: Sie musste sowohl in der tropischen Hitze und Feuchtigkeit Afrikas als auch in den gemäßigteren europäischen Klimazonen funktionieren.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) kämpfte Portugal an der Seite der Alliierten, wobei das Corpo Expedicionário Português an der Westfront in Frankreich und Flandern eingesetzt wurde. Auch in den afrikanischen Kolonien fanden Kampfhandlungen gegen deutsche Truppen statt. Die standardisierte Ausrüstung, einschließlich Pistolentaschen wie der vorliegenden, war für diese Einsätze von entscheidender Bedeutung.

In der Zeit der Estado Novo-Diktatur unter António de Oliveira Salazar (1933-1974) führte Portugal langwierige Kolonialkriege in Afrika (1961-1974), bekannt als Guerra Colonial oder Guerra do Ultramar. Während dieser Konflikte wurde ältere Ausrüstung häufig neben moderneren Systemen weiterverwendet, da die wirtschaftlichen Ressourcen des Landes begrenzt waren.

Die Beurteilung mit “Zustand 2-” nach dem gängigen Bewertungssystem für militärische Antiquitäten deutet auf ein Objekt in gutem, gebrauchtem Zustand hin. Die sichtbare Abnutzung ist ein Zeugnis der tatsächlichen militärischen Verwendung und erhöht den historischen Wert des Objekts als authentisches Zeitzeugnis.

Solche Pistolentaschen sind heute wichtige Sammlerstücke, die Einblick in die Alltagsrealität des Soldatenlebens geben. Sie ergänzen die oft auf Waffen und große Ausrüstungsgegenstände fokussierte militärhistorische Forschung um die kleineren, aber ebenso wichtigen Details der persönlichen Ausrüstung. Für Militärhistoriker und Sammler bieten sie materielle Verbindungen zu den portugiesischen Streitkräften und ihrer Geschichte über mehr als ein Jahrhundert hinweg.