WHW - Gau 1 : Baden - 3. WHW 1935/36 " - Februar 1936
Das vorliegende Wurstbrettchen aus dem Gau Baden repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der nationalsozialistischen Wohlfahrtspropaganda während der Vorkriegszeit des Dritten Reiches. Es gehört zur dritten Sammlung des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes (WHW) aus dem Jahr 1935/36, speziell für den Monat Februar 1936.
Das Winterhilfswerk wurde am 13. September 1933 durch die nationalsozialistische Regierung gegründet und sollte offiziell bedürftigen Deutschen während der Wintermonate helfen. In Wirklichkeit diente es als umfassendes Propagandainstrument und als Mittel zur sozialen Kontrolle. Jeder Deutsche wurde ermutigt – und später faktisch gezwungen – einen Teil seines Einkommens zu spenden. Die Organisation sammelte zwischen 1933 und 1945 enorme Summen, wobei ein erheblicher Teil für andere Zwecke des Regimes verwendet wurde.
Die WHW-Abzeichen und Sammelobjekte spielten eine zentrale Rolle in der Spendenkampagne. Gegen eine Spende erhielten die Bürger kleine Anstecknadeln, Figuren oder – wie in diesem Fall – praktische Gebrauchsgegenstände. Diese Objekte dienten gleichzeitig als sichtbarer Beweis der “Volksgemeinschaft” und als soziale Kontrolle: Wer kein WHW-Abzeichen trug, machte sich verdächtig, nicht zur “Gemeinschaft” zu gehören.
Das hier beschriebene Objekt ist als “Schwarzwälder Heimarbeit” gekennzeichnet, was auf die bewusste Verbindung des Regimes mit traditionellem deutschem Handwerk hinweist. Der Schwarzwald in Baden war bekannt für seine Holzschnitzkunst und Handwerksproduktion. Die Nazis instrumentalisierten solche regionalen Traditionen, um ihre Ideologie der Verbundenheit mit dem “Volkstum” und der Ablehnung der Moderne zu propagieren.
Der Gau Baden war eine administrative Einheit der NSDAP, die das Gebiet des historischen Baden umfasste. Jeder Gau hatte seine eigenen WHW-Sammlungen mit regionalen Motiven und Produkten. Dies verstärkte das Gefühl lokaler Identität innerhalb des nationalsozialistischen Staatsgebildes. Gauleiter Robert Wagner leitete den Gau Baden von 1925 bis 1945 und war bekannt für seine besonders strikte Durchsetzung nationalsozialistischer Politik.
Die dritte WHW-Sammlung 1935/36 fand in einer Zeit statt, als das NS-Regime seine Macht bereits konsolidiert hatte. 1935 waren die Nürnberger Gesetze verkündet worden, und die Aufrüstung der Wehrmacht hatte begonnen. Das WHW diente in dieser Phase nicht nur der Wohlfahrt, sondern auch der wirtschaftlichen Mobilisierung der Bevölkerung und der Vorbereitung auf den kommenden Krieg.
Die monatlichen Sammlungen des WHW waren sorgfältig organisiert. Jeder Monat hatte ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Art von Sammelobjekten. Die Produktion dieser Millionen von Objekten beschäftigte zahlreiche Handwerker und kleine Betriebe im gesamten Reich. Gleichzeitig wurden Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in späteren Jahren zur Produktion herangezogen, was die dunkle Seite dieser scheinbar harmlosen Wohlfahrtsorganisation verdeutlicht.
Ein Wurstbrettchen als WHW-Objekt ist besonders aufschlussreich, da es die Verbindung von Propaganda mit Alltagsnutzen zeigt. Solche praktischen Gegenstände waren beliebter als reine Abzeichen, da sie im Haushalt verwendet werden konnten. Gleichzeitig brachte jede Verwendung die WHW-Aufschrift und damit die NS-Propaganda in den täglichen Lebensbereich der Familie.
Der Brandstempel auf dem Objekt ist typisch für die Holzverarbeitung dieser Zeit und verleiht dem Stück einen rustikalen, handwerklichen Charakter. Die Maße von 200 x 100 mm entsprechen einer praktischen Größe für den Haushaltsgebrauch. Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei Holzobjekten aus dieser Zeit bemerkenswert ist.
Heute sind solche WHW-Objekte wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Alltagspropaganda des NS-Regimes geben. Sie zeigen, wie totalitäre Systeme selbst harmlose Gegenstände des täglichen Lebens für ihre Zwecke instrumentalisierten. Sammler und Historiker schätzen diese Objekte nicht als Verherrlichung, sondern als Mahnung und Lehrmaterial zur Aufklärung über die Mechanismen der NS-Diktatur.