Preußen Schirmmütze für einen Unteroffizier im Leib-Kürassier-Regiment Großer Kurfürst (Schlesisches) Nr. 1

Standort Breslau, um 1910. Weiche Mütze aus weißem Tuch, Mützenbund und Paspelierung in schwarz, schwarz lackierter Schirm, komplett mit beiden Kokarden in Mannschaftsqualität. Innen mit weißem Futter. Größe 56. Nur leichte Alterungsspuren. Zustand 2.

Sehr selten.



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500,00

Preußen Schirmmütze für einen Unteroffizier im Leib-Kürassier-Regiment Großer Kurfürst (Schlesisches) Nr. 1

Die Schirmmütze für einen Unteroffizier des Leib-Kürassier-Regiment Großer Kurfürst (Schlesisches) Nr. 1 repräsentiert ein bedeutendes Stück preußischer Militärgeschichte aus der späten Kaiserzeit. Diese um 1910 gefertigte Kopfbedeckung verkörpert die traditionelle Uniformkultur eines der prestigeträchtigsten Kavallerieregimenter der preußischen Armee.

Das Leib-Kürassier-Regiment Großer Kurfürst (Schlesisches) Nr. 1 war in Breslau stationiert, der Hauptstadt der preußischen Provinz Schlesien. Das Regiment führte seine Tradition auf den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg zurück und genoss hohes Ansehen innerhalb der preußischen Kavallerie. Als Kürassier-Regiment gehörte es zur schweren Reiterei, die historisch mit Brustpanzern (Kürassen) ausgestattet war, obwohl diese im frühen 20. Jahrhundert nur noch zu Paradeuniformen getragen wurden.

Die charakteristische weiße Farbe dieser Schirmmütze war das distinktive Merkmal der preußischen Kürassier-Regimenter. Während die meisten preußischen Truppen dunkelblaue oder feldgraue Uniformen trugen, behielten die Kürassiere ihre traditionellen weißen Kollets und entsprechenden weißen Kopfbedeckungen als Erkennungszeichen ihrer elitären Stellung. Die schwarze Paspelierung und der schwarze Mützenbund kennzeichneten dabei den Waffengattungszugehörigkeit zur Kavallerie.

Die Schirmmütze selbst wurde als praktische Kopfbedeckung für den täglichen Dienst, Übungen und nicht-zeremonielle Anlässe getragen. Im Gegensatz zur Pickelhaube, die zur Paradeuniform gehörte, bot die Schirmmütze größeren Tragekomfort im Alltag. Die Einführung dieser Mützenform erfolgte in der preußischen Armee schrittweise ab den 1890er Jahren und setzte sich bis zum Ersten Weltkrieg vollständig durch.

Als Unteroffiziers-Mütze unterschied sich dieses Exemplar von den Mannschaftsmützen durch subtile Details in der Verarbeitung und Ausstattung. Unteroffiziere bildeten das Rückgrat der preußischen Armee und waren für die Ausbildung und Disziplin der Mannschaften verantwortlich. Ihre Position als Bindeglied zwischen Offizieren und einfachen Soldaten spiegelte sich in ihrer Uniform wider, die zwar hochwertiger als die der Mannschaften, aber weniger aufwendig als die der Offiziere war.

Die beiden Kokarden an der Mütze hatten spezifische Bedeutungen: Die eine repräsentierte das Königreich Preußen in schwarz-weiß, die andere das Deutsche Kaiserreich in schwarz-weiß-rot. Diese doppelte Kokarde war charakteristisch für preußische Uniformen nach der Reichsgründung 1871 und symbolisierte die duale Loyalität zum preußischen König, der zugleich Deutscher Kaiser war.

Die Angabe “Mannschaftsqualität” bei den Kokarden weist darauf hin, dass diese standardisiert gefertigt wurden, im Gegensatz zu den oft aufwendigeren Kokarden der Offiziere, die teilweise in besserer Ausführung oder sogar individuell angefertigt sein konnten.

Die Zeit um 1910 war eine Phase relativen Friedens für die preußische Armee, aber auch intensiver Modernisierung und Vorbereitung. Die internationalen Spannungen nahmen zu, und die europäischen Mächte rüsteten auf. Das Leib-Kürassier-Regiment Nr. 1 führte in dieser Zeit regelmäßige Übungen durch, nahm an Manövern teil und hielt die Traditionen der preußischen Kavallerie aufrecht.

Die Stationierung in Breslau war strategisch bedeutsam. Die Stadt war ein wichtiges militärisches Zentrum im Osten Preußens und beherbergte mehrere bedeutende Truppenteile. Die Kasernen und Übungsplätze rund um Breslau boten ideale Bedingungen für die Ausbildung der Kavallerie.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 endete die Ära der traditionellen Kavallerie-Uniformen weitgehend. Die weißen Kürassier-Uniformen waren für den modernen Kriegseinsatz völlig ungeeignet, und die Regimenter erhielten feldgraue Feldanzüge. Die traditionellen Uniformstücke wie diese Schirmmütze wurden nur noch in der Heimat zu administrativen Zwecken oder gar nicht mehr getragen.

Nach dem Krieg und der Auflösung der preußischen Armee 1919 wurden solche Uniformteile zu historischen Relikten. Das Leib-Kürassier-Regiment wurde aufgelöst, Breslau kam nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen und heißt heute Wrocław. Die erhaltenen Uniformstücke aus dieser Zeit sind heute wichtige Zeugnisse der preußischen Militärgeschichte und der Uniformkultur des Kaiserreichs.

Diese Schirmmütze repräsentiert somit nicht nur ein Stück Stoff und Leder, sondern ein ganzes Kapitel europäischer Militärgeschichte – die letzten Jahre der preußischen Monarchie, die Traditionen der schweren Kavallerie und die Organisationsstruktur einer Armee, die bald im Inferno des Ersten Weltkriegs untergehen sollte.