Bayern 1. Weltkrieg feldgraue Pickelhaube Modell 1915 für Mannschaften im 8. Feldartillerie-Regiment Prinz Heinrich von Preußen

Heimatstandort Nürnberg. Kammerstück 1916. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen in Eisen feldgrau. Großes Helmwappen, original Ledersturmriemen, beide Kokarden. Kreuzblatt, die Spitze mit Bajonettverschluss, abnehmbar. Eckiger Vorderschirm. Innen mit gelaschtem Lederfutter, im Nackenschirm Kammerstempel "8.Fd.A.R.", in der Glocke der Stempel "147 B.D. III 1916". Mit Tarnbezug, innen gestempelt "3 200 B.D.III. 1918. Größe ca. 56. Zustand 2.
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Bayerische Pickelhaube Modell 1915 – Feldgraue Kriegsausführung für Mannschaften des 8. Feldartillerie-Regiments “Prinz Heinrich von Preußen”

Die Pickelhaube, der ikonische Lederhelm mit der charakteristischen Spitze, war über Jahrzehnte das Sinnbild der preußischen und deutschen Armeen. Ursprünglich 1842–43 von Preußen eingeführt, wurde sie in der Folge von Bayern und den übrigen deutschen Bundesstaaten übernommen. Doch der Erste Weltkrieg offenbarte die gravierenden Schwächen dieses traditionsreichen Kopfschutzes auf brutale Weise: Der Lederhelm bot nur minimalen Schutz gegen Granatsplitter und Maschinengewehrfeuer, die auffällige Spitze machte den Träger zur Zielscheibe, und glänzende Metallbeschläge gefährdeten die Tarnung. Aus diesen Erkenntnissen entstand das Modell 1915 – die letzte und konsequenteste Vereinfachung der Pickelhaube, die den Anforderungen des industrialisierten Stellungskrieges Rechnung tragen sollte.

Das vorliegende Exemplar ist eine solche feldgraue M1915-Pickelhaube für Mannschaften, ausgegeben an das Königlich Bayerische 8. Feldartillerie-Regiment “Prinz Heinrich von Preußen” mit Heimatstandort Nürnberg. Das Regiment wurde am 1. Oktober 1900 aus Teilen des 2. Feldartillerie-Regiments aufgestellt und erhielt am 15. Juni 1913 seinen Ehrennamen nach Prinz Heinrich von Preußen, dem Bruder Kaiser Wilhelms II. Am 2. August 1914 mobilisiert, diente das Regiment während des gesamten Ersten Weltkriegs an der Westfront, wo es in Lothringen, im Abschnitt Nancy–Épinal sowie im Stellungskrieg zwischen Maas und Mosel eingesetzt wurde. Das Regiment unterstand dem III. Königlich Bayerischen Armeekorps mit Hauptquartier in Nürnberg, das Teil der 6. Armee war.

Das Modell 1915 – Vereinfachung unter Kriegsbedingungen

Das Modell 1915 stellte die letzte kriegsbedingte Vereinfachung der Pickelhaube dar, eingeführt, um die Produktion zu beschleunigen und die Feldeinsatztauglichkeit zu verbessern. Die wesentlichen Neuerungen gegenüber den Vorkriegsmodellen M1895 und M1886 waren eindeutig: Die ehemals fest montierte Spitze wurde durch eine abnehmbare Spitze mit Bajonettverschluss ersetzt – ein Befehl vom September 1915 ordnete das Abnehmen der Spitze in den vordersten Schützengräben an. Die zuvor glänzenden Messing- oder Bronzebeschläge wichen feldgrau lackierten Eisenbeschlägen, und die Konstruktion wurde insgesamt vereinfacht. Der eckige Vorderschirm und das kreuzförmige Spitzenauflager (Kreuzblatt) blieben als typische Merkmale erhalten.

Dieses Stück besitzt einen Lederkörper mit komplett in Eisen feldgrau ausgeführten Beschlägen, ein großes bayerisches Helmwappen, den originalen Ledersturmriemen am Knopf 91, beide Kokarden (Reichs- und Landeskokarde) sowie ein inneres gelaschtes Lederfutter. Der Stempel im Nackenschirm “8.Fd.A.R.” weist die Zugehörigkeit zum 8. Feldartillerie-Regiment nach. In der Helmglocke findet sich der Stempel “147 B.D. III 1916”, der auf die Herstellung bzw. Ausgabe durch das Bayerische Bekleidungsamt III im Jahr 1916 hinweist.

Der Tarnbezug als Ergänzung im Felddienst

Tarnbezüge (Überzüge) für die Pickelhaube wurden bereits 1892 eingeführt und wurden ab 1914 zur Standardausrüstung im Felddienst. Der beiliegende Tarnbezug trägt innen den Stempel “3 200 B.D.III. 1918”, was darauf hindeutet, dass der Bezug im letzten Kriegsjahr hinzugefügt wurde. Der Helm selbst datiert von 1916, der Bezug von 1918 – ein Hinweis auf den durchgehenden Einsatz dieses Ausrüstungsgegenstands über einen langen Zeitraum hinweg.

Der Übergang zum Stahlhelm

Die Pickelhaube wurde ab 1916 schrittweise durch den Stahlhelm ersetzt, der den dringend benötigten ballistischen Schutz bot, den ein Lederhelm niemals leisten konnte. Dennoch blieben Lederhelme in rückwärtigen Gebieten und für zeremonielle Zwecke bis Kriegsende in Gebrauch – die Produktion vereinfachter Modelle wie des M1915 lief parallel zur Einführung des Stahlhelms weiter, da die Nachfrage das Angebot an Stahlhelmen bei weitem überstieg.

Nachkriegsgeschichte

Nach der deutschen Niederlage im November 1918 kehrte das 8. Feldartillerie-Regiment am 18. Dezember 1918 nach Nürnberg zurück. Die Demobilisierung begann am 28. Dezember 1918, und das Regiment wurde im Februar 1919 aufgelöst. Teile des Regiments bildeten verschiedene Freikorps-Einheiten. Die Tradition des Regiments wurde in der Reichswehr ab dem 24. August 1921 durch die 7. Batterie des 7. (Bayerischen) Artillerie-Regiments in Nürnberg fortgeführt.

Als militärischer Ausrüstungsgegenstand wurde die Pickelhaube nach dem Ersten Weltkrieg obsolet, doch sie überdauert als eines der bekanntesten Symbole des Kaiserlichen Deutschlands. Zeremonielle Verwendung findet sie bis heute unter anderem in Schweden, Chile und Kolumbien. Für den Sammler stellt ein vollständiges, gestempeltes Kammerstück wie dieses – mit identifizierbarer Regimentszuordnung, intaktem Tarnbezug und datierbaren Produktionsstempeln – ein aussagekräftiges Dokument des industrialisierten Krieges und der letzten Tage einer militärischen Ära dar, die mit der Pickelhaube untrennbar verbunden bleibt.