Kinderhilfswerk BdD
Das Kinderhilfswerk des Bundes Deutscher Mädel (BdM) und der Hitlerjugend (HJ) stellte eine wichtige soziale Initiative innerhalb der nationalsozialistischen Jugendorganisationen während des Zweiten Weltkriegs dar. Der Bund Deutscher Mädel (BdD), häufig als BdM abgekürzt, bildete den weiblichen Zweig der Hitlerjugend und umfasste Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren.
Das Kinderhilfswerk wurde als Reaktion auf die zunehmenden sozialen Notlagen während des Krieges eingerichtet. Ab 1939, als Deutschland in den Zweiten Weltkrieg eintrat, verschlechterte sich die Versorgungslage der Zivilbevölkerung kontinuierlich. Besonders betroffen waren Kinder aus kinderreichen Familien, Kriegswaisen und Kinder von Soldaten an der Front. Das NS-Volkswohlfahrt (NSV)-System wurde durch verschiedene Hilfsorganisationen ergänzt, wobei die Jugendorganisationen eine aktive Rolle übernahmen.
Die Mitglieder des BdM wurden systematisch in Sammelaktionen eingebunden. Diese Aktivitäten umfassten Straßensammlungen, bei denen Abzeichen, Plaketten oder andere Erinnerungsstücke gegen Spenden ausgegeben wurden. Die gesammelten Gelder flossen in verschiedene Hilfsprogramme: Kindererholungsheime, Lebensmittelpakete für bedürftige Familien, Winterhilfe und Unterstützung für Kriegswaisen. Diese Sammlungen wurden häufig zu bestimmten Anlässen oder während spezieller Kampagnen durchgeführt, wie dem Winterhilfswerk (WHW), das von 1933 bis 1945 jährlich stattfand.
Die Organisation solcher Hilfswerke diente mehreren Zwecken. Einerseits sollte tatsächliche materielle Hilfe geleistet werden, andererseits dienten diese Aktivitäten der ideologischen Erziehung der Jugendlichen. Die Mädchen des BdM sollten zu “deutschen Müttern” erzogen werden, und die Teilnahme an sozialen Hilfsaktionen wurde als Vorbereitung auf ihre zukünftige Rolle in der “Volksgemeinschaft” verstanden. Die Reichsjugendführung unter Baldur von Schirach und später Artur Axmann koordinierte diese Aktivitäten reichsweit.
Abzeichen und Plaketten des Kinderhilfswerks wurden in großer Zahl produziert und an Spender ausgegeben. Sie trugen oft Symbole der Jugendorganisationen, kindliche Motive oder patriotische Darstellungen. Diese Objekte sollten einerseits den Spendern als Dankeszeichen dienen, andererseits öffentlich demonstrieren, dass der Träger seinen Beitrag zur “Volksgemeinschaft” geleistet hatte. Das Nichttragen solcher Abzeichen konnte als mangelnde Solidarität interpretiert werden, was einen subtilen sozialen Druck zur Teilnahme erzeugte.
Die Sammlungen des BdM intensivierten sich besonders in den Jahren 1943 bis 1945, als die Kriegslage sich verschlechterte und die Not in der Zivilbevölkerung zunahm. Nach alliierten Bombenangriffen wurden Kinder häufig aufs Land evakuiert, im Rahmen der sogenannten Kinderlandverschickung (KLV), die ab 1940 systematisch durchgeführt wurde. Das Kinderhilfswerk unterstützte auch diese Programme finanziell.
Aus historischer Perspektive sind diese Objekte heute wichtige Zeugnisse der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren, wie das Regime Jugendliche in seine Propaganda- und Mobilisierungsstrategien einband und wie soziale Fürsorge instrumentalisiert wurde. Die Forschung hat gezeigt, dass trotz der vorgeblichen karitativen Zwecke diese Aktivitäten primär der ideologischen Indoktrination und der Demonstration der angeblichen Leistungsfähigkeit des NS-Systems dienten.
Nach 1945 wurden alle NS-Organisationen, einschließlich des BdM und seiner Unterorganisationen, durch den Alliierten Kontrollrat aufgelöst. Die Aufarbeitung der Geschichte dieser Organisationen ist bis heute Gegenstand der historischen Forschung und wichtig für das Verständnis der totalitären Durchdringung der deutschen Gesellschaft während der NS-Zeit.