Blechspielzeug - Protzenwagen
Der Protzenwagen als Blechspielzeug repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der militärischen Spielzeuggeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Dieser für 6,5 cm Figuren konzipierte Wagen aus Eisenblech mit Mimikri-Tarnlackierung spiegelt die militärische Realität der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wider.
Ein Protzenwagen war im militärischen Kontext ein zweirädriger Wagen, der der Munitions- und Ausrüstungstransport für Artillerieeinheiten diente. Der Begriff “Protze” stammt aus dem deutschen Militärwesen und bezeichnete ursprünglich den vorderen Teil einer Geschützlafette. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich daraus ein eigenständiges Fahrzeug, das von Pferden gezogen wurde und als Verbindungsstück zwischen dem Pferdegespann und dem Geschütz diente.
Die Mimikri-Tarnlackierung auf diesem Spielzeug ist von besonderer historischer Bedeutung. Die Tarnung von Militärfahrzeugen und -ausrüstung entwickelte sich während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) aus der Notwendigkeit heraus, militärisches Gerät vor feindlicher Aufklärung zu schützen. Der französische Künstler Lucien-Victor Guirand de Scévola gilt als einer der Pioniere der militärischen Tarnung und gründete 1915 die erste Tarneinheit der französischen Armee. Die deutsche Armee folgte diesem Beispiel bald darauf.
Die Herstellung von militärischem Blechspielzeug hatte in Deutschland eine lange Tradition. Firmen wie Lineol, Elastolin, und Hausser produzierten ab den 1920er Jahren detailgetreue militärische Spielzeuge. Diese Spielzeuge dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der subtilen Militarisierung der Jugend in der Zeit zwischen den Weltkriegen und besonders während des Dritten Reiches.
Die Größenangabe von 6,5 cm für die dazugehörigen Figuren entspricht einem gängigen Maßstab der damaligen Zeit. Diese Größe war besonders in den 1930er und 1940er Jahren verbreitet und ermöglichte detaillierte, aber dennoch erschwingliche Spielzeugsets. Die Figuren dieser Größe wurden typischerweise aus Masse (einem Sägemehl-Leim-Gemisch) oder Gummi gefertigt.
Das verwendete Eisenblech als Material war charakteristisch für die deutsche Spielzeugindustrie. Die Blechverarbeitung hatte in Nürnberg, dem Zentrum der deutschen Spielzeugproduktion, eine jahrhundertelange Tradition. Die Herstellungstechnik umfasste das Stanzen, Prägen und Lithografieren der Blechtafeln, wobei die Tarnlackierung entweder aufgedruckt oder handbemalt wurde.
Der historische Kontext dieser Spielzeuge ist ambivalent zu betrachten. Einerseits stellen sie wichtige zeitgeschichtliche Dokumente dar, die die militärische Kultur und Ästhetik ihrer Entstehungszeit widerspiegeln. Andererseits dienten sie der Normalisierung und Glorifizierung militärischer Ausrüstung und trugen zur Vorbereitung einer Generation auf den Kriegsdienst bei.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion militärischen Spielzeugs in Deutschland zunächst verboten. Viele dieser Spielzeuge wurden vernichtet oder gerieten in Vergessenheit. Heute sind erhaltene Exemplare gesuchte Sammlerstücke, die als historische Quellen für die Erforschung der Alltagskultur und Militärgeschichte dienen.
Die Erhaltung in Zustand 2 deutet auf einen guten Erhaltungszustand hin, wobei das Spielzeug noch weitgehend vollständig und funktionstüchtig ist, auch wenn die ursprünglich dazugehörigen Pferde und weiteres Zubehör fehlen. Dies ist typisch für viele überlebende Exemplare, da die Einzelteile oft verloren gingen oder separat gesammelt wurden.