Deutsches Reich 1871-1918 Pickelhaube für einen General der Schutztruppe

Um 1914. Eleganter, leichter Helm aus Vulkanfiber in der Ausführung für Generale, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der Reichsadler, vergoldet mit aufpolierten Kanten. Vergoldete leicht gewölbte Schuppenketten an Rosetten. Kreuzblattbeschlag mit Sternen und abnehmbarer kannelierter Spitze in der besonderen Ausführung für Generale. Eckiger Vorderschirm. Der Helm innen mit geprägtem braunem Lederschweißband und blau-weißem Futter, die Glocke innen mit schwarzem Filz verkleidet, in der Glocke die Vignette «Oberkommando der Schutztruppen», handschriftlich die Größe 56 1/2». Im originalen Koffer. Zustand 2.

Äußerst selten! 

Der Helm wurde erst 1913 für die Generale der Schutztruppen eingeführt und löste den "Generalshut" ab. Er entspricht dem preußischen Helm für Generale, ist vorne jedoch mit dem Reichsadler versehen.
Träger dürfte mit einiger Sicherheit der Generalmajor Franz Georg von Glasenapp gewesen sein, der vom 18. Oktober 1908 bis zum 6. April 1914 das Kommando der Schutztruppen innehatte. 1911 war er zum Generalmajor befördert worden. Zurzeit der Einführung der Pickelhaube für Generale der Schutztruppen 1913 war er der einzige aktive General der Schutztruppen.

Wir freuen uns darüber dieses ganz besondere Stück von musealer Bedeutung in unserem Bestand führen und Ihnen anbieten zu können!
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17.500,00

Deutsches Reich 1871-1918 Pickelhaube für einen General der Schutztruppe

Die Pickelhaube für Generale der Schutztruppe stellt ein außerordentlich seltenes Zeugnis der deutschen Kolonialgeschichte und Militärgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts dar. Dieses besondere Helmmodell wurde erst 1913 eingeführt und markiert einen bedeutenden Wandel in der Uniform- und Rangabzeichenkultur der kaiserlichen Schutztruppen.

Die Schutztruppen waren die deutschen Kolonialtruppen, die zwischen 1891 und 1918 in den deutschen Überseegebieten in Afrika, China und der Südsee eingesetzt wurden. Sie unterstanden direkt dem Reichskolonialamt und nicht dem preußischen Kriegsministerium, was ihre besondere Stellung innerhalb der deutschen Streitkräfte verdeutlicht. Die Haupteinsatzgebiete waren Deutsch-Ostafrika (heutiges Tansania, Ruanda und Burundi), Deutsch-Südwestafrika (heutiges Namibia), Kamerun und Togo.

Bis 1913 trugen die Generale der Schutztruppen den sogenannten “Generalshut”, einen Tropenhut mit entsprechenden Rangabzeichen. Die Einführung der Pickelhaube für diese hohen Offiziere war Teil einer Reformbewegung, die die Schutztruppen stärker an die Standards der regulären deutschen Armee angleichen sollte. Diese Angleichung hatte sowohl praktische als auch symbolische Gründe: Sie sollte die Autorität der Kommandeure unterstreichen und die Integration der Kolonialtruppen in die Gesamtstruktur des Deutschen Reiches verdeutlichen.

Die Konstruktion dieser Pickelhauben folgte dem bewährten Muster der preußischen Generalspickelhaube, wies jedoch charakteristische Unterschiede auf. Statt des preußischen Adlers trug der Helm vorne den Reichsadler, der die reichsweite Zuständigkeit der Schutztruppen symbolisierte. Die Verwendung von Vulkanfiber als Material war typisch für hochwertige Pickelhauben der späten Kaiserzeit. Dieses gepresste Material war leichter als Leder, dabei aber ebenso formstabil und haltbar.

Die vergoldeten Beschläge, die gewölbten Schuppenketten an Rosetten und der besondere Kreuzblattbeschlag mit Sternen kennzeichneten den Helm eindeutig als Offiziersmodell höchsten Ranges. Die kannelierte, abnehmbare Spitze war ein charakteristisches Merkmal der Generalspickelhauben und unterschied sich deutlich von den einfacheren Ausführungen für niedrigere Ränge. Der eckige Vorderschirm entsprach ebenfalls der Generalsausführung und bot praktischen Sonnenschutz.

Das Innenleben des Helms zeigt die für hochwertige deutsche Militärhelme typische Verarbeitung: ein geprägtes braunes Lederschweißband für den Tragekomfort, ein blau-weißes Futter in den preußischen Farben und eine schwarze Filzauskleidung der Helmglocke. Die Vignette “Oberkommando der Schutztruppen” im Inneren identifizierte den Helm eindeutig als Eigentum dieser speziellen Organisationseinheit.

Das Oberkommando der Schutztruppen wurde 1896 in Berlin eingerichtet und war für die zentrale Führung aller kolonialen Militäroperationen verantwortlich. Der Posten des Kommandeurs der Schutztruppen war einer der prestigeträchtigsten in der deutschen Kolonialverwaltung und wurde nur mit erfahrenen, bewährten Generälen besetzt. Die Inhaber dieses Amtes waren direkt dem Kaiser verantwortlich und verfügten über weitreichende Befugnisse in militärischen und teilweise auch zivilen Angelegenheiten.

Die Zeitspanne, in der solche Helme tatsächlich getragen wurden, war außerordentlich kurz. Die Einführung erfolgte 1913, und bereits mit Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 änderten sich die Prioritäten der deutschen Militärführung radikal. Die Schutztruppen in den Kolonien führten während des Krieges isolierte Kampagnen, insbesondere die berühmte Kampagne unter Generalmajor Paul von Lettow-Vorbeck in Deutsch-Ostafrika. Nach der deutschen Niederlage 1918 und dem Verlust aller Kolonien gemäß dem Versailler Vertrag wurden die Schutztruppen aufgelöst.

Die extreme Seltenheit solcher Helme erklärt sich durch mehrere Faktoren: Erstens war die Anzahl der berechtigten Träger von vornherein minimal – es gab nur sehr wenige Generale in den Schutztruppen. Zweitens war die Tragezeit extrem kurz, von 1913 bis 1918. Drittens wurden viele militärische Ausrüstungsgegenstände nach dem Krieg vernichtet oder gingen während der turbulenten Nachkriegszeit verloren.

Heute sind solche Helme von höchster musealer und historischer Bedeutung. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformgeschichte der deutschen Armee, sondern auch ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte – die Kolonialzeit mit ihren Ungerechtigkeiten und Gewalttaten. Moderne historische Forschung betrachtet diese Objekte als wichtige Quellen für das Verständnis von Machtstrukturen, Militärkultur und kolonialer Herrschaft im deutschen Kaiserreich.