Eintrittskarte zur gemeinsamen Veranstaltung der Studentenschaft und der NSBO

am 15.6.1934 im großen Saale des Walter Schumann-Heim; entwertet gebrauchter Zustand.
244179
20,00

Eintrittskarte zur gemeinsamen Veranstaltung der Studentenschaft und der NSBO

Diese Eintrittskarte zur gemeinsamen Veranstaltung der Studentenschaft und der NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation) vom 15. Juni 1934 im großen Saale des Walter Schumann-Heims dokumentiert einen bedeutsamen Moment in der deutschen Geschichte während der frühen Phase der nationalsozialistischen Herrschaft.

Die NSBO wurde bereits 1928 als nationalsozialistische Gewerkschaftsorganisation gegründet und zielte darauf ab, Arbeiter für die NS-Bewegung zu gewinnen. Nach der Machtergreifung 1933 spielte sie eine zentrale Rolle bei der Zerschlagung der freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933. Die Organisation stand unter der Führung von Reinhold Muchow und später Walter Schuhmann, und versuchte, die Arbeiterschaft ideologisch auf die Ziele des Nationalsozialismus auszurichten.

Das Datum dieser Veranstaltung, der 15. Juni 1934, fällt in eine besonders turbulente Phase der NS-Geschichte. Nur zwei Wochen später, am 30. Juni 1934, ereignete sich der sogenannte “Röhm-Putsch” oder die “Nacht der langen Messer”, bei der Hitler die Führung der SA ausschalten ließ. Die NSBO, die eng mit der SA verbunden war, wurde in dieser Zeit zunehmend marginalisiert.

Die Zusammenarbeit zwischen Studentenschaft und NSBO bei dieser Veranstaltung spiegelt die typische nationalsozialistische Strategie wider, verschiedene Gesellschaftsgruppen unter der Kontrolle der Partei zu vereinen. Die deutschen Universitäten waren bereits 1933 durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und die Einführung des Führerprinzips gleichgeschaltet worden. Studentenverbindungen wurden aufgelöst oder in den NSDStB (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) integriert.

Das Walter Schumann-Heim, dessen großer Saal für diese Veranstaltung genutzt wurde, war vermutlich nach einem lokalen NS-Funktionär benannt. Solche Benennungen waren typisch für die Zeit, in der öffentliche Gebäude, Straßen und Plätze nach NS-Persönlichkeiten oder gefallenen “Märtyrern” der Bewegung benannt wurden.

Die Eintrittskarte selbst ist ein interessantes Zeitdokument der NS-Verwaltungspraxis. Der Vermerk “entwertet gebrauchter Zustand” zeigt, dass sie tatsächlich verwendet wurde. Solche Eintrittskarten dienten nicht nur der Zugangskontrolle, sondern auch der Organisation und Dokumentation von Parteiaktivitäten. Oft waren sie mit propagandistischen Symbolen oder Parolen versehen.

Im Kontext des Jahres 1934 muss diese Veranstaltung vor dem Hintergrund der Konsolidierung der NS-Herrschaft gesehen werden. Nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg am 2. August 1934 vereinigte Hitler die Ämter des Reichskanzlers und Reichspräsidenten in seiner Person als “Führer und Reichskanzler”. Die NSBO wurde bereits im November 1934 offiziell in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) eingegliedert und verlor ihre eigenständige Bedeutung.

Solche Dokumente wie diese Eintrittskarte sind heute wichtige Quellen für die Geschichtsforschung. Sie ermöglichen Einblicke in die alltägliche Propaganda- und Organisationsarbeit des NS-Regimes auf lokaler Ebene. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen und zu kontrollieren. Die Tatsache, dass Studenten und Arbeiter gemeinsam zu einer Veranstaltung geladen wurden, zeigt den Anspruch der Nationalsozialisten, eine “Volksgemeinschaft” zu schaffen, die traditionelle Klassengrenzen überwinden sollte – freilich nur unter strikter ideologischer Kontrolle.

Für Sammler und Historiker sind solche Ephemera wertvoll, weil sie die weniger dokumentierten Aspekte des NS-Alltags beleuchten. Während große politische Ereignisse gut erforscht sind, geben solche Alltagsdokumente Aufschluss über die lokale Ebene der Herrschaft und die Mechanismen der sozialen Kontrolle.