Lineol - Heer 2 Tubabläser marschierend

6,5 cm, Zustand 2.
311579
25,00

Lineol - Heer 2 Tubabläser marschierend

Lineol Heer-Tubabläser: Spielzeug als Spiegel militärischer Tradition

Die vorliegenden Lineol-Figuren zweier marschierender Tubabläser des Heeres repräsentieren ein faszinierendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte der Zwischenkriegszeit und der 1930er Jahre. Mit einer Höhe von 6,5 cm gehören diese Figuren zu den charakteristischen Massenprodukten der Lineol GmbH, die zwischen 1906 und 1945 zu den führenden Herstellern militärischer Spielzeugfiguren in Deutschland zählte.

Die Firma Lineol und ihre historische Bedeutung

Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholz in Brandenburg an der Havel gegründet. Der Name “Lineol” leitet sich von “Linoleum” ab, da die frühen Figuren aus einer Masse auf Linoleumbasis hergestellt wurden. Diese innovative Materialmischung aus Sägemehl, Leinöl, Kasein und anderen Bindemitteln ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion detaillierter Spielzeugfiguren. Im Gegensatz zu den teureren Bleisoldaten waren Lineol-Figuren für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich.

In den 1930er Jahren erlebte Lineol seine Blütezeit. Die Firma produzierte umfangreiche Serien von Wehrmachtssoldaten, wobei besonderer Wert auf authentische Uniformdarstellung und militärische Details gelegt wurde. Die Figuren wurden in verschiedenen Haltungen hergestellt: marschierend, präsentierend, in Gefechtsstellungen und – wie bei den vorliegenden Stücken – als Musikkorpsmitglieder.

Militärmusik und Tubabläser im deutschen Heer

Die Darstellung von Tubabläsern in Lineol-Kollektionen spiegelt die bedeutende Rolle wider, die Militärmusik in der deutschen Heerestraditionen spielte. Die Tuba, als tiefes Blechblasinstrument, bildete das fundamentale Bass-Element in Militärkapellen. Nach der Heeresdienstvorschrift H.Dv. 470 gehörten zu jedem Infanterie-Regiment Musikkorps mit festgelegter Besetzung, wobei Tuben unverzichtbarer Bestandteil waren.

Militärmusikkorps erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten der Truppenunterhaltung, begleiteten offizielle Zeremonien, stärkten die Moral und repräsentierten das Regiment bei öffentlichen Auftritten. Die charakteristische marschierende Haltung, die Lineol in seinen Figuren festhielt, entsprach den realen Aufmärschen und Paraden, bei denen Musikkorps in geschlossener Formation marschierten.

Technische und künstlerische Merkmale

Die Lineol-Figuren zeichnen sich durch mehrere charakteristische Merkmale aus. Die Höhe von 6,5 cm entspricht dem 7-cm-Maßstab, der sich als Standard für Lineol-Figuren etabliert hatte und ungefähr dem Maßstab 1:25 entspricht. Die Figuren wurden in Formen gegossen, nach dem Trocknen bemalt und mit aufgeklebten Gewehren, Instrumenten oder anderen Ausrüstungsgegenständen versehen.

Die Bemalung erfolgte von Hand, wobei verschiedene Qualitätsstufen existierten. Die Uniformdarstellung orientierte sich an den tatsächlichen Heeresvorschriften der jeweiligen Produktionszeit. Tubabläser wurden typischerweise in Feldgrau oder Paradeuniform dargestellt, mit charakteristischen Details wie Schulterstücken, Koppelzeug und natürlich dem prominenten Instrument.

Sammlerwert und Erhaltungszustand

Der angegebene Zustand 2 bedeutet in der Sammlerterminologie einen sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit möglicherweise geringfügigen Gebrauchsspuren. Für Lineol-Figuren, die oft als Kinderspielzeug intensiv genutzt wurden, ist ein solcher Erhaltungszustand bemerkenswert. Die Materialbeschaffenheit macht diese Figuren anfällig für Beschädigungen: Die Masse kann brechen, die Farbe abblättern, und angeklebte Teile können verloren gehen.

Heute sind gut erhaltene Lineol-Figuren gesuchte Sammlerstücke. Sie dokumentieren nicht nur Spielzeuggeschichte, sondern auch militärhistorische Details der Uniformierung und Organisation. Besonders Figurengruppen wie Musikkorps sind beliebt, da sie vollständige militärische Ensembles ermöglichen.

Historischer Kontext und kulturelle Bedeutung

Lineol-Figuren müssen im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden. In den 1920er und 1930er Jahren war militärisches Spielzeug in Europa weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert. Die Figuren spiegelten zeitgenössische Vorstellungen von Patriotismus, militärischer Ordnung und nationalem Stolz wider. Nach 1933 wurde die Produktion zunehmend auf Wehrmacht-Darstellungen fokussiert, was die politische Instrumentalisierung auch des Spielzeugsektors verdeutlicht.

Nach 1945 wurde die Produktion zunächst eingestellt, später unter sowjetischer Verwaltung mit veränderten Schwerpunkten wieder aufgenommen. Die in der Vorkriegszeit hergestellten Figuren bleiben jedoch als historische Dokumente bedeutsam – sie zeigen, wie militärische Kultur im Alltag und in der Kindererziehung präsent war.

Fazit

Die beiden marschierenden Tubabläser von Lineol sind mehr als Spielzeug: Sie sind dreidimensionale Geschichtsdokumente, die Einblicke in Spielzeugherstellung, Militärkultur und gesellschaftliche Werte ihrer Entstehungszeit bieten. Ihre handwerkliche Qualität und ihr guter Erhaltungszustand machen sie zu wertvollen Zeugnissen deutscher Spielzeug- und Militärgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.