Norwegen - Arbeidstjenesten ( AT )

Brosche für Frauen, silber mit 1 dicken Aussenring ( Troopsfoerer ), 50 mm, an Nadel, Zustand 2-.
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85,00

Norwegen - Arbeidstjenesten ( AT )

Die Arbeidstjenesten (AT) oder der norwegische Arbeitsdienst stellte eine bedeutende Organisation im besetzten Norwegen während des Zweiten Weltkriegs dar. Nach der deutschen Invasion Norwegens im April 1940 und der anschließenden Etablierung der Quisling-Regierung unter Vidkun Quisling wurde die AT nach dem Vorbild des deutschen Reichsarbeitsdienstes (RAD) geschaffen.

Die Arbeidstjenesten wurde offiziell im Jahr 1940 gegründet und entwickelte sich zu einer paramilitärischen Organisation, die sowohl männliche als auch weibliche Mitglieder umfasste. Die Organisation war Teil der Bestrebungen des kollaborierenden Regimes, die norwegische Gesellschaft nach nationalsozialistischem Vorbild umzugestalten. Während männliche Mitglieder hauptsächlich mit Bauarbeiten, Straßenbau und anderen körperlichen Arbeiten betraut waren, übernahmen weibliche Mitglieder unterstützende Rollen in Küchen, Verwaltung und sozialen Diensten.

Das hier beschriebene Objekt ist eine Brosche für Frauen der AT, die den Rang einer Troppsførerin (Truppenführerin) kennzeichnet. Die Brosche aus Silber mit einem Durchmesser von 50 mm weist einen charakteristisch dicken Außenring auf, der diese höhere Führungsposition innerhalb der weiblichen Sektion der Arbeidstjenesten symbolisierte. Das Abzeichen wurde an der Uniform mittels einer Nadel befestigt.

Die Rangstruktur innerhalb der AT spiegelte militärische Hierarchien wider. Die Troppsførerin war eine mittlere Führungsebene, verantwortlich für die Leitung einer Gruppe (tropp) von Arbeitsdienstleistenden. Diese Position erforderte sowohl organisatorische Fähigkeiten als auch ideologische Zuverlässigkeit im Sinne des kollaborierenden Regimes. Die Trägerinnen solcher Abzeichen hatten typischerweise Aufsichtsfunktionen über 10-30 Personen.

Die Gestaltung der AT-Abzeichen folgte skandinavischen Designtraditionen, kombiniert mit der symbolischen Bildsprache der Zeit. Die Verwendung von Silber für Führungsränge war üblich und unterschied diese von einfacheren Ausführungen für niedrigere Ränge. Der dicke Außenring diente als unmittelbar erkennbares Rangabzeichen, das die Autoritätsposition der Trägerin auch aus der Entfernung sichtbar machte.

Die Frauenabteilung der AT spielte eine wichtige Rolle in der Infrastruktur der Organisation. Während die männlichen Arbeitstrupps oft in abgelegenen Gebieten an Straßen, Brücken oder militärischen Anlagen arbeiteten, sorgten die weiblichen Mitglieder für die logistische Unterstützung, Verpflegung und administrative Verwaltung. Dies entsprach den geschlechtsspezifischen Rollenvorstellungen der Zeit und des nationalsozialistischen Weltbildes.

Nach der Befreiung Norwegens im Mai 1945 wurde die Arbeidstjenesten als kollaborierende Organisation aufgelöst. Viele ihrer Mitglieder, insbesondere Führungspersonen, wurden im Rahmen der Landesverräterprozesse (Landssviksoppgjøret) zur Rechenschaft gezogen. Die AT-Mitgliedschaft, besonders in Führungspositionen, wurde als aktive Kollaboration mit der Besatzungsmacht gewertet.

Heute sind Abzeichen und Uniformteile der Arbeidstjenesten seltene historische Artefakte. Sie dokumentieren ein dunkles Kapitel der norwegischen Geschichte und die Komplexität der Besatzungszeit. Besonders Führungsabzeichen wie die beschriebene Troppsførerin-Brosche sind aufgrund ihrer begrenzten Anzahl und der systematischen Vernichtung solcher Gegenstände nach Kriegsende selten erhalten geblieben.

Für Sammler und Historiker bieten diese Objekte wichtige Einblicke in die Organisationsstruktur, Rangordnungen und materielle Kultur kollaborierender Organisationen im besetzten Norwegen. Sie erinnern an die schwierigen Entscheidungen und moralischen Dilemmata, mit denen die norwegische Bevölkerung während der deutschen Besatzung konfrontiert war, sowie an jene, die sich für die Zusammenarbeit mit dem Besatzungsregime entschieden.