Deutsches Reich 1. Weltkrieg Fliegertruppe Kleiner Fotonachlass des Fliegers «Bruno Kipplies» in der Feld-Flieger-Abteilung 65
Die Fotos stammen direkt aus einem Privathaushalt und waren in noch keiner Sammlung.
Diese Sammlung von sechs Fotografien dokumentiert die militärische Laufbahn des Fliegers Bruno Kipplies, der während des Ersten Weltkriegs in der Feld-Flieger-Abteilung 65 diente. Die Bilderserie bietet einen seltenen Einblick in die Entwicklung eines deutschen Militärpiloten von seiner Kadettenzeit bis zum Ende des Krieges.
Das früheste Foto, ein Kabinettfoto aus dem Atelier François Cornand in Berlin, zeigt Kipplies um 1907 als Kadetten der Haupt-Kadettenanstalt Berlin-Lichterfelde. Diese Institution war eine der renommiertesten Militärschulen des Deutschen Kaiserreichs und bildete seit 1717 die Elite des preußischen und später deutschen Offizierskorps aus. Die Kadetten trugen distinktive Paradeuniformen, die ihre Zugehörigkeit zu dieser prestigeträchtigen Einrichtung demonstrierten. Die Ausbildung war streng und umfasste sowohl militärische als auch akademische Fächer.
Die Feld-Flieger-Abteilung 65, in der Kipplies später diente, wurde am 15. August 1916 aufgestellt und war Teil der schnell expandierenden deutschen Luftstreitkräfte. Die Feldfliegertruppen waren für Aufklärung, Artilleriebeobachtung und taktische Luftunterstützung zuständig. Die Abteilung operierte an der Westfront und war mit zweisitzigen Aufklärungsflugzeugen ausgestattet. Das auf den Fotografien sichtbare Ärmelabzeichen “F Fl 65” war die offizielle Kennzeichnung dieser Einheit und wurde auf der feldgrauen Uniform getragen.
Die Hochzeitsfotos von etwa 1916 zeigen Kipplies in feldgrauer Ausgehuniform, geschmückt mit mehreren Auszeichnungen. Das Eiserne Kreuz 1914 2. Klasse, am Band getragen, war eine der häufigsten deutschen Tapferkeitsauszeichnungen des Ersten Weltkriegs. Besonders bemerkenswert ist das Abzeichen für Beobachtungsoffiziere, auch als Fliegerbeobachterabzeichen bekannt, das am 27. Januar 1914 gestiftet wurde. Dieses Abzeichen wurde an Offiziere und Unteroffiziere verliehen, die als Beobachter in militärischen Luftfahrzeugen dienten und spezielle Qualifikationen nachweisen konnten. Es bestand aus einem ovalen silbernen Lorbeerkranz mit einem aufgelegten preußischen Adler.
Die Rolle des Beobachters in zweisitzigen Aufklärungsflugzeugen war außerordentlich wichtig und gefährlich. Beobachter waren verantwortlich für Navigation, Aufklärung feindlicher Stellungen, Fotografieren aus der Luft, Artilleriebeobachtung und oft auch für die Bedienung des Bordmaschinengewehrs zur Verteidigung. Die Ausbildung dauerte mehrere Monate und umfasste theoretische und praktische Komponenten.
Das später entstandene Foto zeigt Kipplies mit zusätzlichen Auszeichnungen: dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, das als Bruststern getragen wurde und eine höhere Stufe der Tapferkeitsauszeichnung darstellte, sowie dem Verwundetenabzeichen. Das Verwundetenabzeichen wurde am 3. März 1918 von Kaiser Wilhelm II. gestiftet und in drei Klassen verliehen: Schwarz für ein- oder zweimalige Verwundung, Silber für drei- oder viermalige Verwundung oder Verlust eines Gliedes, und Gold für fünf- oder mehrmalige Verwundung oder schwere Invalidität. Die Präsenz dieses Abzeichens dokumentiert, dass Kipplies im Laufe seiner Dienstzeit verwundet wurde, was bei Fliegern nicht ungewöhnlich war, da die frühen Militärflugzeuge keine Panzerung besaßen und äußerst verwundbar waren.
Die fotografische Dokumentation des militärischen Lebens war im Ersten Weltkrieg weit verbreitet. Professionelle Fotografen wie die hier vertretenen Ateliers Cornand in Berlin, C. Timm in Harburg an der Elbe und A. Fuhrmann in Harburg spezialisierten sich auf militärische Porträts. Diese Fotografien dienten sowohl persönlichen Zwecken als auch der offiziellen Dokumentation militärischer Karrieren.
Die chronologische Abfolge der Fotografien erzählt die Geschichte eines typischen deutschen Offiziers der Fliegertruppe: von der prestigeträchtigen Kadettenausbildung über den aktiven Dienst während des Krieges bis zur Heimkehr. Die zunehmende Anzahl der Auszeichnungen spiegelt die Intensität und Dauer seines Einsatzes wider. Solche fotografischen Nachlässe sind heute wertvolle historische Dokumente, die die menschliche Dimension des industrialisierten Krieges illustrieren und Einblicke in die Lebensläufe individueller Soldaten bieten.
Die deutsche Fliegertruppe entwickelte sich während des Ersten Weltkriegs von einer kleinen experimentellen Einheit zu einer bedeutenden Waffengattung mit über 80.000 Mann bis Kriegsende. Die Feldfliegertruppen spielten eine entscheidende Rolle bei der taktischen Aufklärung und Unterstützung der Bodentruppen, auch wenn die Jagdflieger in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Aufmerksamkeit erhielten.