Elastolin - Heer Soldat am dreibeinigen Scherenfernrohr
Elastolin-Figur: Heeressoldat am dreibeinigen Scherenfernrohr
Die vorliegende Elastolin-Figur eines deutschen Heerssoldaten am dreibeinigen Scherenfernrohr stellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeugproduktion des 20. Jahrhunderts dar. Mit einer Höhe von 7 cm gehört diese Figur zur Standardgröße der Hausser-Elastolin-Serie, die von den 1920er Jahren bis in die Nachkriegszeit zu den bedeutendsten Herstellern militärischer Spielzeugfiguren in Deutschland zählte.
Die Firma Hausser wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und entwickelte in den 1920er Jahren das Material Elastolin, eine innovative Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin, Leim und weiteren Zusatzstoffen. Dieses Material ermöglichte es, detaillierte und dennoch robuste Figuren herzustellen, die im Vergleich zu reinen Bleifiguren bruchsicherer waren. Die Figuren wurden um einen Drahtkern modelliert, was ihnen zusätzliche Stabilität verlieh.
Das dargestellte Scherenfernrohr (auch Scheren-Entfernungsmesser genannt) war ein essentielles optisches Gerät der deutschen Wehrmacht. Diese Instrumente wurden insbesondere von der Artillerie, Flak-Einheiten und in Beobachtungsstellungen eingesetzt. Das dreibeinige Stativ ermöglichte eine stabile Aufstellung im Gelände und erlaubte präzise Entfernungsmessungen zu feindlichen Stellungen oder Zielen. Die Bauweise des Scherenfernrohrs basierte auf dem Prinzip der Stereoskopie: Durch zwei in größerem Abstand voneinander angeordnete Objektive, die durch ein scherenartiges Gestänge verbunden waren, konnte die Entfernung durch Triangulation bestimmt werden.
In der deutschen Wehrmacht waren verschiedene Modelle im Einsatz, darunter das E.M. 34 (Entfernungsmesser 34) und das E.M. 36, die Basislängen von einem Meter hatten und Entfernungen bis zu mehreren Kilometern präzise messen konnten. Diese Geräte waren besonders für die Artillerie von entscheidender Bedeutung, da die Genauigkeit des Beschusses direkt von der korrekten Entfernungsmessung abhing.
Die Elastolin-Figuren der Wehrmacht-Serie wurden hauptsächlich in den 1930er und frühen 1940er Jahren produziert. Sie zeigten verschiedene Truppengattungen in unterschiedlichen Posen und mit authentischer Ausrüstung. Die Detailtreue dieser Figuren war bemerkenswert: Uniformen, Rangabzeichen, Waffen und Ausrüstungsgegenstände wurden mit großer Sorgfalt wiedergegeben. Dies macht sie heute nicht nur zu Sammlerstücken, sondern auch zu wertvollen historischen Dokumenten der Uniformkunde und militärischen Ausrüstung.
Der Zustand 2 dieser Figur bedeutet nach der gängigen Sammlerskala, dass das Objekt gut erhalten ist mit nur geringen Gebrauchsspuren. Dies ist für Elastolin-Figuren, die oft von Kindern bespielt wurden, bemerkenswert. Viele dieser Figuren weisen heute Farbabplatzer, Risse oder fehlende Teile auf.
Aus historischer Perspektive werfen diese Spielzeugfiguren wichtige Fragen über die Militarisierung der Gesellschaft im Deutschen Reich auf. Militärisches Spielzeug war in den 1930er Jahren weit verbreitet und spiegelte die zunehmende Bedeutung des Militärs in der Gesellschaft wider. Kinder wuchsen mit diesen Figuren auf und internalisierten militärische Strukturen und Werte bereits im Spiel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion militärischer Spielzeuge in Deutschland zunächst von den Alliierten verboten. Die Firma Hausser stellte daraufhin auf zivile Figuren um, produzierte jedoch ab den 1950er Jahren wieder Soldatenfiguren, nun auch von anderen Nationen. Die älteren Wehrmacht-Figuren wurden zu begehrten Sammlerstücken.
Heute werden Elastolin-Figuren von Sammlern weltweit geschätzt. Sie dokumentieren nicht nur die Militärgeschichte, sondern auch die Sozial- und Kulturgeschichte Deutschlands. Museen wie das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt oder spezialisierte Spielzeugmuseen zeigen solche Figuren als Teil ihrer Ausstellungen zur Alltagsgeschichte.
Die Bewertung und der Handel mit solchen Objekten unterliegt heute strengen ethischen Richtlinien. Seriöse Händler und Auktionshäuser betonen den historisch-dokumentarischen Wert dieser Objekte und distanzieren sich klar von jeglicher Verherrlichung des Nationalsozialismus. Die Figuren werden als zeitgeschichtliche Dokumente betrachtet, die helfen, die Vergangenheit zu verstehen und aufzuarbeiten.