III. Reich - Die Freie und Hansestadt Hamburg - " Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes "

nichttragbare Bronzemedaille, 10 x 0,6 cm, rückseitig " Das Gemeinwohl ist das höchste Gesetz ", 2. Form mit Hakenkreuz, Stempelschneider Karberg, Randprägung : H.M. (Hamburger Münze) Bronze, Zustand 2.
Komplett mit dem Verleihungsetui, rot mit goldenem Wappen von Hamburg.
366381
250,00

III. Reich - Die Freie und Hansestadt Hamburg - " Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes "

Die Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes der Freien und Hansestadt Hamburg repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Auszeichnungsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Ehrung verkörpert die Verschmelzung traditioneller hanseatischer Verwaltungsstrukturen mit der ideologischen Durchdringung des NS-Regimes zwischen 1933 und 1945.

Die Medaille wurde in Hamburg als regionale Auszeichnung geschaffen, um langjährige und treue Dienstleistungen von Arbeitern und Angestellten im öffentlichen Dienst sowie in der Privatwirtschaft zu würdigen. Hamburg behielt trotz der Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten gewisse administrative Eigenständigkeiten bei, die sich auch im Medaillenwesen manifestierten. Die Stadt verfügte über eine lange Tradition der Ehrung verdienter Bürger, die bis ins Mittelalter zurückreichte.

Das vorliegende Exemplar zeigt die zweite Form dieser Medaille, erkennbar an der Einbeziehung des Hakenkreuzes in das Design. Diese Modifikation erfolgte im Rahmen der zunehmenden Nazifizierung staatlicher Symbole und Auszeichnungen ab Mitte der 1930er Jahre. Während frühere Versionen möglicherweise noch ohne dieses Symbol auskamen, wurde die ideologische Symbolik später obligatorisch in alle offiziellen Ehrungen integriert.

Die technischen Spezifikationen der Medaille offenbaren die hohe handwerkliche Qualität der Hamburger Münzprägeanstalt. Mit Abmessungen von 10 x 0,6 cm handelt es sich um eine substanzielle Bronzemedaille, die als nichttragbare Ausführung konzipiert wurde. Die Randprägung H.M. (Hamburger Münze) authentifiziert die Herkunft und belegt die Produktion in der traditionsreichen städtischen Münzstätte, die seit Jahrhunderten für die Qualität ihrer Prägungen bekannt war.

Besonders bemerkenswert ist die Arbeit des Stempelschneiders Karberg, der für die künstlerische Gestaltung verantwortlich zeichnete. Stempelschneider waren hochspezialisierte Handwerker, die die Prägestempel für Münzen und Medaillen anfertigten. Ihre Arbeit erforderte außerordentliches künstlerisches Geschick und technische Präzision. Karberg gehörte zu den Medailleuren, die während der NS-Zeit für verschiedene staatliche und kommunale Auftraggeber tätig waren.

Die rückseitige Inschrift “Das Gemeinwohl ist das höchste Gesetz” (Salus publica suprema lex esto) zitiert einen klassischen römischen Rechtsgrundsatz, der in der NS-Ideologie eine Umdeutung erfuhr. Während der ursprüngliche Grundsatz die Verantwortung des Staates für das Gemeinwohl betonte, wurde er im nationalsozialistischen Kontext zur Rechtfertigung der Unterordnung individueller Rechte unter die vermeintlichen Interessen der “Volksgemeinschaft” instrumentalisiert.

Das originale Verleihungsetui in Rot mit dem goldenen Hamburger Wappen unterstreicht den offiziellen Charakter der Auszeichnung. Das Wappen Hamburgs – eine weiße Burg mit drei Türmen auf rotem Grund – symbolisiert die jahrhundertealte Geschichte der Hansestadt. Die Aufbewahrung in einem speziellen Etui war üblich für staatliche Ehrungen und sollte die Wertschätzung für den Empfänger zum Ausdruck bringen.

Der Zustand 2 der Medaille entspricht in der numismatischen Bewertungsskala einem sehr guten Erhaltungszustand mit nur minimalen Gebrauchsspuren. Dies deutet darauf hin, dass das Stück entweder gut gepflegt wurde oder möglicherweise nur selten der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Die Bronzeausführung war typisch für Arbeitsauszeichnungen dieser Art. Bronze als Material symbolisierte Beständigkeit und Wertigkeit, war jedoch kostengünstiger als Silber oder Gold, was bei der massenweisen Verleihung von Arbeitsmedaillen eine Rolle spielte. Die NS-Arbeitspolitik betonte die “Ehre der Arbeit” als zentrales ideologisches Element, wobei solche Auszeichnungen der Motivation und politischen Indoktrination der Arbeiterschaft dienten.

Heute sind solche Auszeichnungen wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Herrschaftsmechanismen des NS-Regimes geben. Sie zeigen, wie das Regime durch Ehrungen und Anerkennungen versuchte, Loyalität zu erzeugen und die Bevölkerung in das System zu integrieren. Die Verbindung regionaler Traditionen (Hamburg) mit nationalsozialistischer Symbolik (Hakenkreuz) illustriert die Durchdringung aller gesellschaftlichen Ebenen durch die Ideologie des Regimes.