Lineol - Heer Offizier mit Fernglas zeigend

7,5 cm, Zustand 2.
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40,00

Lineol - Heer Offizier mit Fernglas zeigend

Die Lineol-Figur eines Heer-Offiziers mit Fernglas repräsentiert ein bedeutendes Beispiel der deutschen Spielzeug- und Sammlerfigurenproduktion der 1930er und 1940er Jahre. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zur standardisierten Größe der Lineol-Militärfiguren, die das Unternehmen während seiner Blütezeit produzierte.

Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholt in Brandenburg an der Havel gegründet. Der Name “Lineol” setzte sich aus den Worten “Linie” und “Öl” zusammen und verwies auf die verwendeten Materialien und die lineare Herstellungsmethode. Die Firma entwickelte sich zu einem der führenden deutschen Hersteller von Massekompositionsfiguren, einem Material, das aus Holzmehl, Leim, Kasein und anderen Bindemitteln bestand. Diese Komposition ermöglichte detaillierte Formen und war kostengünstiger als die traditionellen Bleifiguren.

Die dargestellte Figur zeigt einen Offizier der Wehrmacht-Heer in charakteristischer Haltung mit ausgestrecktem Arm, der mit einem Fernglas in eine bestimmte Richtung weist. Diese Pose verkörpert die militärische Führungsfunktion und war ein typisches Motiv in der Darstellung von Kommandeuren. Das Fernglas war ein unverzichtbares Ausrüstungsstück für Offiziere aller Waffengattungen und diente der Geländeaufklärung und Feindbeobachtung.

In der Wehrmacht trugen Offiziere verschiedene standardisierte Fernglastypen, darunter die bekannten 6x30 und 7x50 Modelle, die von renommierten optischen Firmen wie Carl Zeiss Jena, Leitz oder Hensoldt hergestellt wurden. Die Beobachtung und Aufklärung gehörten zu den grundlegenden Führungsaufgaben, die in der Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) detailliert beschrieben waren.

Die Lineol-Figuren zeichneten sich durch bemerkenswerte Detailtreue aus. Die Uniformen wurden nach den offiziellen Vorschriften gestaltet, wobei Rangabzeichen, Waffenfarben und Ausrüstungsgegenstände mit großer Sorgfalt nachgebildet wurden. Die Bemalung erfolgte von Hand, was jede Figur zu einem individuellen Stück machte. Die Farbe Feldgrau, die charakteristische Uniformfarbe der Wehrmacht ab 1935, wurde dabei möglichst authentisch wiedergegeben.

In den 1930er Jahren erreichte Lineol seinen Höhepunkt der Produktion. Das Unternehmen beschäftigte zeitweise über 400 Mitarbeiter und exportierte seine Produkte weltweit. Die Figuren wurden nicht nur als Spielzeug, sondern auch zu didaktischen Zwecken und als Sammlerobjekte verwendet. Militärische Einheiten nutzten größere Figurensammlungen teilweise für taktische Planspiele und Ausbildungszwecke.

Die Produktion während der NS-Zeit war stark von der politischen Situation geprägt. Lineol stellte zunehmend militärische Figuren her, die die zeitgenössische Wehrmacht darstellten. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion kriegswichtig und unterlag staatlichen Vorgaben. Die Rohstoffknappheit führte zu Qualitätseinbußen, und ab 1943 kam die Zivilproduktion weitgehend zum Erliegen.

Nach Kriegsende 1945 wurde das Werk in Brandenburg demontiert. Ein Neuanfang erfolgte 1947 in Giengen an der Brenz in der amerikanischen Besatzungszone. Allerdings untersagten die Alliierten zunächst die Produktion militärischer Figuren. Lineol stellte in der Nachkriegszeit vermehrt zivile Figuren, Tiere und später auch Kunststofffiguren her, konnte aber nicht mehr an die frühere Bedeutung anknüpfen. Die Produktion endete schließlich 1983.

Heute sind Lineol-Figuren begehrte Sammlerobjekte. Der Zustand 2, der bei dieser Figur angegeben ist, entspricht in der üblichen Sammlerbewertung einem guten bis sehr guten Erhaltungszustand mit nur geringen Gebrauchsspuren. Die Bewertungsskala reicht üblicherweise von 1 (neuwertig) bis 6 (stark beschädigt). Figuren in gutem Zustand mit vollständiger Bemalung und ohne Brüche erzielen auf dem Sammlermarkt beachtliche Preise.

Die historische Einordnung solcher Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung. Sie dokumentieren einerseits die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugproduktion und die Alltagskultur ihrer Entstehungszeit. Andererseits sind sie Zeugnisse einer Epoche, die von Militarismus und den Verbrechen des NS-Regimes geprägt war. Für Sammler und Historiker besitzen sie daher sowohl kultur- als auch zeitgeschichtlichen Wert als materielle Überlieferung einer komplexen historischen Periode.