Preußen Feldbinde für einen Militärarzt 

Goldgespinstbinde mit 2 grauen Durchzügen, mit blauem Samt gefüttert, das Schloss Messing vergoldet, am Rand mitgeprägt die Äskulapstäbe, aufgeklammert die Chiffre «♔WII». Länge ohne Schloss 113 cm. Getragen, der Haken fehlt (!), das Futter stark abgetragen. Zustand 2-.

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320,00

Preußen Feldbinde für einen Militärarzt 

Die preußische Feldbinde für Militärärzte repräsentiert ein bedeutendes Element der militärmedizinischen Uniform des Königreichs Preußen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diese spezielle Feldbinde kennzeichnete den Träger als Angehörigen des Sanitätskorps und symbolisierte seine besondere Stellung innerhalb der militärischen Hierarchie.

Die vorliegende Feldbinde ist aus Goldgespinst gefertigt, einem kostbaren Material, das aus vergoldeten Metallfäden besteht und auf einem Trägermaterial verwoben wurde. Die zwei grauen Durchzüge sind charakteristisch für die Rangabzeichen im preußischen Heer und dienten der Unterscheidung verschiedener Dienstgrade innerhalb des Sanitätskorps. Das Futter aus blauem Samt unterstreicht die Qualität und den repräsentativen Charakter dieses Uniformstücks.

Besonders bemerkenswert ist das messingvergoldete Schloss mit den eingeprägten Äskulapstäben am Rand. Der Äskulapstab, benannt nach dem griechischen Gott der Heilkunst Asklepios, ist seit der Antike das internationale Symbol der Medizin und wurde auch im preußischen Militär konsequent zur Kennzeichnung des medizinischen Personals verwendet. Die aufgeklammerte Chiffre “WII” bezieht sich auf Kaiser Wilhelm II., der von 1888 bis 1918 als letzter deutscher Kaiser und König von Preußen regierte.

Die Entwicklung des preußischen Sanitätswesens nahm im 19. Jahrhundert erheblichen Aufschwung. Nach den Erfahrungen der Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-1815) erkannte man die Notwendigkeit einer organisierten medizinischen Versorgung der Truppen. Die Sanitätsordnung von 1835 schuf erstmals ein einheitliches System für die militärmedizinische Versorgung in Preußen. Im Zuge der Heeresreformen unter König Friedrich Wilhelm III. und später Wilhelm I. wurde das Sanitätskorps kontinuierlich ausgebaut und professionalisiert.

Militärärzte in Preußen durchliefen eine anspruchsvolle Ausbildung. Sie mussten zunächst ein reguläres Medizinstudium absolvieren und anschließend eine spezielle militärmedizinische Ausbildung durchlaufen. Die bekannteste Ausbildungsstätte war die Königlich Preußische Pepinière (später: Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen) in Berlin, die 1795 gegründet wurde. Militärärzte genossen einen besonderen Status: Sie trugen zwar Uniform und waren der militärischen Disziplin unterworfen, hatten jedoch in medizinischen Fragen Weisungsbefugnis auch gegenüber höheren militärischen Rängen.

Die Feldbinde selbst war ein wesentlicher Bestandteil der Paradeuniform und wurde über der rechten Schulter zur linken Hüfte getragen. Sie diente nicht nur der Repräsentation, sondern auch der sofortigen Erkennbarkeit des medizinischen Personals im Feld. Dies war besonders wichtig, da nach der Genfer Konvention von 1864, der ersten internationalen Vereinbarung zum Schutz von Verwundeten und medizinischem Personal, Sanitätsoffiziere besonderen Schutz genossen und deutlich gekennzeichnet sein mussten.

Während der Einigungskriege (1864-1871) spielte das preußische Sanitätskorps eine entscheidende Rolle. Die Erfahrungen aus dem Deutsch-Dänischen Krieg, dem Deutschen Krieg gegen Österreich und insbesondere dem Deutsch-Französischen Krieg führten zu weiteren Verbesserungen in der militärmedizinischen Organisation. Pioniere wie Johann Friedrich August von Esmarch, der den ersten Verbandplatz konzipierte, und Friedrich von Loeffler trugen wesentlich zur Entwicklung der Militärmedizin bei.

Die Goldgespinstbinde mit der Chiffre Wilhelms II. datiert die vorliegende Feldbinde in die Epoche zwischen 1888 und 1918. Diese Periode war geprägt von weiterer Modernisierung des Sanitätswesens, der Einführung neuer medizinischer Techniken und der Vorbereitung auf einen großen europäischen Konflikt. Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) wurde das preußische und deutsche Sanitätskorps auf eine beispiellose Probe gestellt. Millionen von Verwundeten mussten versorgt werden, und die Militärärzte leisteten unter extremen Bedingungen ihren Dienst.

Die Feldbinde als Objekt dokumentiert somit nicht nur die militärische Hierarchie und Uniformkunde, sondern auch die Geschichte der Militärmedizin und die gesellschaftliche Stellung der Ärzte im wilhelminischen Deutschland. Der Erhaltungszustand mit den Gebrauchsspuren zeugt davon, dass dieses Stück tatsächlich getragen wurde und nicht nur ein Paradeobjekt war, sondern im aktiven Dienst Verwendung fand.