WHW - Gau 40 : Westmark " Unser Saargebiet " - 1934

12 Bildpostkarten, Braundruck, Erlös zu Gunsten des Saarhilfswerk, komplett als Ganzbeleg mit der Umschlagsmappe, unbeschrieben, Zustand 2.
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70,00

WHW - Gau 40 : Westmark " Unser Saargebiet " - 1934

Die vorliegende Sammlung von 12 Bildpostkarten aus dem Jahr 1934 dokumentiert einen bedeutenden Abschnitt deutscher Geschichte während der Zwischenkriegszeit. Diese Postkarten wurden im Rahmen des Winterhilfswerks (WHW) für den Gau 40: Westmark herausgegeben und trugen den Titel “Unser Saargebiet”. Der Erlös dieser Ausgabe kam dem Saarhilfswerk zugute, einer Organisation, die in der politisch hochsensiblen Phase vor der Saarabstimmung von 1935 aktiv war.

Das Saargebiet war nach dem Ersten Weltkrieg gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 für 15 Jahre unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt worden. Die wirtschaftlich bedeutende Region mit ihren Kohlegruben wurde faktisch von Frankreich kontrolliert, das die Ausbeutung der Bodenschätze als Reparationsleistung zugesprochen bekommen hatte. Für das Deutsche Reich stellte die Abtrennung dieses industriell wichtigen Gebiets nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust dar, sondern auch eine nationale Demütigung.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 intensivierte das neue Regime seine Bemühungen, die öffentliche Meinung im Saargebiet zu beeinflussen. Das für den 13. Januar 1935 angesetzte Referendum sollte über die Zukunft der Region entscheiden: Anschluss an Deutschland, Anschluss an Frankreich oder Beibehaltung des Status quo unter Völkerbundsverwaltung. Die NS-Propaganda mobilisierte massive Ressourcen, um ein positives Votum für die Rückkehr zu Deutschland zu erreichen.

Das Winterhilfswerk wurde im September 1933 als scheinbar karitative Organisation gegründet, entwickelte sich jedoch rasch zu einem wichtigen Instrument der nationalsozialistischen Propaganda und sozialen Kontrolle. Durch Sammelaktionen, den Verkauf von Abzeichen, Postkarten und anderen Gegenständen sollte einerseits Solidarität mit bedürftigen “Volksgenossen” demonstriert werden, andererseits diente es der Mobilisierung der Bevölkerung für die Ziele des Regimes.

Die hier beschriebenen Bildpostkarten in Braundruck aus dem Jahr 1934 sind typisch für die visuelle Propaganda jener Zeit. Der Braundruck war eine kostengünstige Drucktechnik, die dennoch ästhetisch ansprechende Ergebnisse lieferte. Die Karten wurden vermutlich mit Motiven aus dem Saargebiet versehen - Landschaften, Industrieanlagen, kulturelle Wahrzeichen oder volkskundliche Szenen - um die Verbundenheit zwischen dem Reich und der abgetrennten Region zu unterstreichen.

Die Tatsache, dass diese Sammlung als Ganzbeleg mit Umschlagsmappe erhalten ist, erhöht ihren dokumentarischen Wert erheblich. Solche vollständigen Sets sind seltener als einzelne Karten, da die Mappen häufig verloren gingen oder beschädigt wurden. Der unbeschriebene Zustand deutet darauf hin, dass die Karten möglicherweise nie für ihren eigentlichen Zweck - den postalischen Versand - verwendet wurden, sondern als Sammelobjekt oder Propagandamaterial aufbewahrt wurden.

Das Saarhilfswerk war eine von mehreren Organisationen, die vor der Abstimmung gegründet wurden, um die deutsche Bevölkerung im Saargebiet zu unterstützen und gleichzeitig für die Rückkehr zum Reich zu werben. Es verteilte finanzielle Hilfen, organisierte kulturelle Veranstaltungen und unterstützte deutsche Schulen und Vereine. Die Finanzierung erfolgte durch Spenden aus dem Reich, wobei Aktionen wie der Verkauf dieser Postkarten eine wichtige Rolle spielten.

Die Gaubezeichnung “Westmark” für Gau 40 verweist auf die spätere nationalsozialistische Verwaltungsgliederung. Nach der erfolgreichen Saarabstimmung, bei der über 90 Prozent für die Rückkehr zu Deutschland stimmten, wurde das Gebiet zunächst als eigener Gau organisiert und später in den Gau Westmark integriert, der auch Teile der Pfalz und Lothringens umfasste.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Quellen für die Erforschung nationalsozialistischer Propagandamethoden und der Alltagskultur im “Dritten Reich”. Sie dokumentieren, wie das Regime scheinbar harmlose Gegenstände wie Postkarten für politische Zwecke instrumentalisierte und wie systematisch die öffentliche Meinung beeinflusst werden sollte. Die Verbindung von karitativen Zwecken mit politischer Agitation war dabei ein charakteristisches Merkmal der NS-Herrschaft, das soziale Fürsorge mit ideologischer Indoktrination verknüpfte.

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