Focke-Wulf Flugzeugbau G.M.B.H Bremen,

Flugbuch für Werkspiloten oder Privat. Hartkartoneinband, Kleinformat mit über 30 Seiten, kleiner Klebestreifen, 3 witzige Zeichnungen wie "Lass dich nicht aushorchen Feind hört mit". Zustand 2
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45,00

Focke-Wulf Flugzeugbau G.M.B.H Bremen,

Das vorliegende Flugbuch aus dem Besitz der Focke-Wulf Flugzeugbau G.M.B.H. Bremen repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Luftfahrtgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Solche Dokumente dienten der systematischen Erfassung von Flugstunden und waren sowohl für Werkspiloten als auch für private Flieger unverzichtbar.

Die Focke-Wulf Flugzeugbau AG wurde 1924 von Heinrich Focke, Georg Wulf und dem Finanzier Dr. Werner Naumann in Bremen gegründet. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Flugzeughersteller und produzierte während des Zweiten Weltkrieges legendäre Maschinen wie die Fw 190, eines der effektivsten Jagdflugzeuge seiner Zeit. Die Werke in Bremen, Marienburg und anderen Standorten beschäftigten Tausende von Arbeitern und benötigten entsprechend qualifizierte Testpiloten.

Werkspiloten spielten eine entscheidende Rolle in der Luftfahrtindustrie. Sie waren verantwortlich für die Erprobung neu produzierter oder modifizierter Flugzeuge, führten Abnahmeflüge durch und testeten technische Neuerungen. Ihre Flugerfahrung musste gemäß den Bestimmungen des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) lückenlos dokumentiert werden. Das Flugbuch diente dabei als offizielles Nachweisdokument für die fliegerische Qualifikation und Erfahrung.

Die Struktur solcher Flugbücher folgte standardisierten Vorgaben. Auf über 30 Seiten wurden systematisch Informationen erfasst: Datum und Dauer des Fluges, Flugzeugtyp und Kennzeichen, Art des Fluges (Schulung, Überführung, Test), Startort und Zielort sowie besondere Vorkommnisse. Für Werkspiloten war zusätzlich die Dokumentation von Testflügen mit Prototypen und die Bewertung der Flugeigenschaften von besonderer Bedeutung.

Bemerkenswert an diesem speziellen Exemplar sind die enthaltenen Propagandazeichnungen. Der Slogan “Lass dich nicht aushorchen - Feind hört mit” war Teil einer umfassenden Kampagne zur Wahrung der militärischen Geheimhaltung. Solche Sicherheitshinweise wurden ab 1939 verstärkt in offiziellen Dokumenten und an Arbeitsplätzen platziert. Die bildliche Darstellung sollte die Botschaft einprägsam vermitteln und das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter in der Rüstungsindustrie schärfen. Die Gefahr von Spionage und unbeabsichtigter Informationsweitergabe wurde als ernst genommen, besonders in strategisch wichtigen Betrieben wie Focke-Wulf.

Der Hartkartoneinband im Kleinformat entsprach dem praktischen Design solcher Dokumente, die robust genug sein mussten, um den täglichen Gebrauch zu überstehen, dabei aber kompakt genug, um mitgeführt zu werden. Die Piloten waren verpflichtet, ihr Flugbuch stets bei sich zu tragen, da es bei Kontrollen vorgezeigt werden musste.

Die Unterscheidung zwischen Werkspiloten und Privatfliegern war in dieser Zeit von besonderer Bedeutung. Während Werkspiloten professionelle Testflieger im Dienst der Rüstungsindustrie waren, existierte daneben eine Tradition der privaten Fliegerei, die jedoch mit Kriegsbeginn 1939 stark eingeschränkt wurde. Privatflüge wurden weitgehend verboten, und Flugzeuge sowie Piloten wurden für militärische Zwecke eingezogen. Ein Flugbuch, das für beide Kategorien verwendet werden konnte, deutet auf die Übergangszeit der späten 1930er Jahre hin, als die Trennung zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt zunehmend aufgehoben wurde.

Nach dem Luftverkehrsgesetz von 1922 und den nachfolgenden Verordnungen war die Führung eines Flugbuches für alle Luftfahrzeugführer obligatorisch. Diese Regelungen wurden unter nationalsozialistischer Herrschaft verschärft und an die Bedürfnisse der Aufrüstung angepasst. Das RLM erließ detaillierte Vorschriften über Form und Inhalt der Flugbücher.

Heute stellen solche Flugbücher wichtige historische Quellen dar. Sie ermöglichen Einblicke in den Alltag der Luftfahrtindustrie, dokumentieren technische Entwicklungen und Produktionsabläufe und zeugen von der systematischen Organisation der deutschen Kriegswirtschaft. Für die Erforschung der Firmengeschichte von Focke-Wulf und die Rekonstruktion von Produktionszahlen sind sie von unschätzbarem Wert. Gleichzeitig erinnern die Propagandaelemente an die Durchdringung aller Lebensbereiche mit nationalsozialistischer Ideologie und die allgegenwärtige Militarisierung der Gesellschaft.