Preußen Tschapka für einen Fähnrich im Westfälischen Ulanen-Regiment Nr. 5

Standort Düsseldorf. Eigentumstück, um 1910. Ledertschapka, komplett mit allen Beschlägen zur Parade. Versilberter Adler in Offiziersausführung, gewölbte gelbe Schuppenketten an Durchsteckrosetten, rechts die Reichskokarde für Mannschaften, die Vorderschirmschiene in Silber. Weiße Paraderabatte für Mannschaften, preußisches Feldzeichen für Offiziere und weißer Paradebusch aus Büffelhaar (als Fähnrich noch nicht mit schwarzer Wurzel), die Fangschnur für Mannschaften. Innen mit braunem Schweißleder und hellbraunem Seidenfutter. Größe 57. Der Knebel auf dem Deckel abgerissen.  Zustand 2.
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3.200,00

Preußen Tschapka für einen Fähnrich im Westfälischen Ulanen-Regiment Nr. 5

Die Tschapka des Westfälischen Ulanen-Regiments Nr. 5 repräsentiert einen der charakteristischsten Kopfbedeckungstypen der preußischen Kavallerie im Kaiserreich. Diese spezielle Ausführung für einen Fähnrich zeigt die komplexe Rangstruktur und Uniformordnung der kaiserlichen Armee um 1910, einer Zeit, in der das Regiment seinen Standort in Düsseldorf hatte.

Das Westfälische Ulanen-Regiment Nr. 5 wurde 1815 als Teil der umfassenden Heeresreformen nach den Befreiungskriegen aufgestellt. Die Ulanen, ursprünglich eine polnische Kavalleriegattung, hatten sich im 18. Jahrhundert in verschiedenen europäischen Armeen etabliert. Preußen übernahm diese Tradition und schuf mehrere Ulanenregimenter, die durch ihre charakteristische Kopfbedeckung – die Tschapka – sofort erkennbar waren.

Die Tschapka selbst hat ihre Wurzeln in der polnischen Militärtradition des 18. Jahrhunderts. Der Name leitet sich vom polnischen Wort “czapka” (Mütze) ab. Diese kastenförmige Kopfbedeckung mit ihrer charakteristischen quadratischen Deckelplatte wurde zum Erkennungszeichen aller preußischen Ulanenregimenter. Die hier beschriebene Ausführung in Leder mit vollständigen Paradebeschlägen entspricht den Uniformvorschriften der späten wilhelminischen Ära.

Der Rang des Fähnrichs war eine Besonderheit im preußischen Offizierskorps. Fähnriche waren Offiziersanwärter, die bereits ihre militärische Ausbildung absolviert hatten, aber noch nicht zu Leutnants befördert waren. Dieser Zwischenrang spiegelt sich in der Ausstattung der Tschapka wider: Sie kombiniert Elemente der Mannschafts- und Offiziersausrüstung. Der versilberte Adler in Offiziersausführung zeigt den gehobenen Status, während die weiße Paraderabatte für Mannschaften und die Fangschnur für Mannschaften auf die noch nicht vollendete Offizierslaufbahn hinweisen.

Besonders bemerkenswert ist das preußische Feldzeichen für Offiziere, das bereits die künftige Stellung des Trägers andeutet. Der weiße Paradebusch aus Büffelhaar ohne schwarze Wurzel ist charakteristisch für den Fähnrichsrang – erst nach der Beförderung zum Leutnant erhielt der Busch die schwarze Wurzel, die die volle Offizierswürde symbolisierte.

Die gewölbten gelben Schuppenketten an Durchsteckrosetten waren typisch für preußische Ulanenhelme und dienten ursprünglich einem praktischen Zweck: Sie sollten die Kopfbedeckung bei Kampfhandlungen sichern. Im Laufe der Zeit entwickelten sie sich zu rein dekorativen Elementen der Paradeuniform. Die Reichskokarde für Mannschaften auf der rechten Seite zeigt die schwarz-weiß-roten Farben des Deutschen Reiches.

Die Vorderschirmschiene in Silber war ein weiteres Distinktionsmerkmal, das zwischen verschiedenen Rängen unterschied. Das Silber deutete auf den gehobenen Status des Trägers hin, im Gegensatz zu den einfacheren Ausführungen für Mannschaftsdienstgrade.

Das Westfälische Ulanen-Regiment Nr. 5 hatte eine stolze Tradition. Es nahm an den deutschen Einigungskriegen teil, einschließlich des Deutschen Krieges 1866 und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. In der Garnison Düsseldorf war das Regiment ein wichtiger Teil der rheinischen Militärpräsenz des Kaiserreichs. Um 1910, zur Entstehungszeit dieser Tschapka, befand sich Europa in einer Phase intensiver militärischer Aufrüstung, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führen sollte.

Die handwerkliche Qualität solcher Paradeuniformen war bemerkenswert. Das braune Schweißleder innen sorgte für Tragekomfort, während das hellbraune Seidenfutter die hochwertige Verarbeitung unterstrich. Die Größe 57 entspricht einem Kopfumfang von 57 Zentimetern, was eine durchschnittliche Größe darstellte.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 verloren solche Uniformstücke ihre militärische Funktion. Die Ulanen wurden in der Reichswehr nicht fortgeführt, und die prächtigen Paradeuniformen des Kaiserreichs wurden zu historischen Relikten. Heute sind sie wichtige Zeugnisse einer untergegangenen militärischen und gesellschaftlichen Ordnung.

Diese Tschapka dokumentiert nicht nur die militärische Hierarchie und Uniformkultur des Kaiserreichs, sondern auch die Bedeutung, die Tradition, Symbolik und äußere Repräsentation in der wilhelminischen Gesellschaft hatten. Sie steht exemplarisch für eine Epoche, in der militärische Werte und Erscheinungsbild einen zentralen Platz in der deutschen Kultur einnahmen.