Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Dienstbrosche "Kriegseinsatz im RAD der Stadt München"

1. Form, Hersteller : C. Poellath Schrobenhausen, an Nadel, Zustand 2.
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250,00

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Dienstbrosche "Kriegseinsatz im RAD der Stadt München"

Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Dienstbrosche "Kriegseinsatz im RAD der Stadt München" stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Arbeitsdienst-Organisation während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese von der renommierten Firma C. Poellath Schrobenhausen hergestellte Brosche dokumentiert die spezifische Rolle, die junge Frauen im Rahmen des Kriegseinsatzes in der Region München spielten.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde 1935 durch das "Gesetz für den Reichsarbeitsdienst" vom 26. Juni 1935 als Pflichtdienst für alle jungen Deutschen institutionalisiert. Während zunächst vor allem männliche Jugendliche erfasst wurden, erfolgte ab 1939 auch die systematische Eingliederung junger Frauen in den RAD der weiblichen Jugend (RAD/wJ). Die Dienstpflicht für Frauen wurde am 4. September 1939, kurz nach Kriegsbeginn, eingeführt und umfasste zunächst sechs Monate, später ein volles Jahr.

Die Aufgaben des RAD/wJ konzentrierten sich besonders auf die Entlastung der Landwirtschaft, hauswirtschaftliche Tätigkeiten und ab 1939 verstärkt auf kriegswichtige Hilfsdienste. Die jungen Frauen, meist im Alter zwischen 17 und 25 Jahren, wurden in Lagern untergebracht und zu verschiedenen Einsatzorten kommandiert. In städtischen Gebieten wie München umfassten die Aufgaben während des "Kriegseinsatzes" unter anderem die Unterstützung in Krankenhäusern, Kindergärten, bei der Erntehilfe im Umland sowie später auch bei Luftschutzmaßnahmen und der Trümmerbeseitigung nach Bombenangriffen.

Die Herstellerfirma Christian Poellath in Schrobenhausen war einer der bedeutendsten Produzenten von Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen während der NS-Zeit. Das 1778 gegründete Unternehmen hatte sich auf die Fertigung hochwertiger Metallwaren spezialisiert und belieferte ab den 1930er Jahren verschiedene Organisationen des Dritten Reiches. Die Firma verwendete charakteristische Herstellermarkierungen, die heute zur Identifikation und Datierung solcher Objekte dienen.

Dienstbroschen wie die vorliegende wurden als Auszeichnungen oder Kennzeichen für besondere Einsätze vergeben. Die Bezeichnung "Kriegseinsatz im RAD der Stadt München" deutet auf einen spezifischen, zeitlich und örtlich begrenzten Einsatz hin, der vermutlich zwischen 1939 und 1945 stattfand. Solche lokalen Abzeichen dokumentieren die dezentrale Organisation des RAD, der in verschiedenen Gauen und Städten eigene Verwaltungsstrukturen besaß.

München als "Hauptstadt der Bewegung" hatte eine besondere symbolische Bedeutung im NS-Staat. Der RAD/wJ in München umfasste mehrere Lager und Arbeitsgruppen, die sowohl in der Stadt selbst als auch im oberbayerischen Umland eingesetzt wurden. Während des Krieges intensivierte sich der Einsatz, insbesondere nach den schweren Luftangriffen auf München ab 1942, bei denen die RAD-Maiden bei Aufräumarbeiten, in Notunterkünften und bei der Versorgung Ausgebombter halfen.

Die Trageweise solcher Dienstbroschen war durch interne Vorschriften geregelt. Sie wurden typischerweise an der Dienstkleidung des RAD/wJ getragen, die aus einem braunen Rock, weißer Bluse und einem charakteristischen braunen Hut bestand. Die Nadelkonstruktion ermöglichte eine sichere Befestigung am Uniformstoff.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Gesellschaftsordnung und der Mobilisierung der Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges. Sie dokumentieren die systematische Einbindung auch junger Frauen in die Kriegsanstrengungen und die ideologische Durchdringung aller Lebensbereiche. Der RAD/wJ diente nicht nur praktischen Zwecken, sondern war auch ein Instrument der politischen Erziehung und weltanschaulichen Schulung im Sinne der NS-Ideologie.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung solcher Objekte erfolgt heute in Museen, Archiven und Forschungseinrichtungen im Kontext der kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer verbrecherischen Diktatur und helfen, die Mechanismen totalitärer Herrschaft zu verstehen und für nachfolgende Generationen zu dokumentieren.