XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - Dienstplakette als Ausweismarke für die im Olympischen Dorf Döberitz Beschäftigten und Offiziellen
Die Dienstplakette für die XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin stellt ein faszinierendes Zeugnis der umfangreichen organisatorischen Maßnahmen dar, die für die Durchführung dieses monumentalen Sportereignisses erforderlich waren. Diese spezielle Ausweismarke wurde für die im Olympischen Dorf Döberitz beschäftigten Personen und Offiziellen ausgegeben und diente als wichtiges Identifikations- und Zugangskontrollinstrument während der Sommerspiele 1936.
Die XI. Olympischen Sommerspiele fanden vom 1. bis 16. August 1936 in Berlin statt und waren zu jener Zeit die größten Olympischen Spiele der Geschichte. Das nationalsozialistische Regime unter Adolf Hitler nutzte diese Veranstaltung als Propagandaplattform von beispiellosem Ausmaß. Über 3.900 Athleten aus 49 Nationen nahmen an den Wettkämpfen teil, und die Organisation erforderte ein komplexes System von Sicherheits- und Zugangskontrollmaßnahmen.
Das Olympische Dorf in Döberitz, gelegen westlich von Berlin, war eine der wichtigsten Einrichtungen der Spiele. Es wurde eigens für die Unterbringung der männlichen Athleten errichtet (die weiblichen Athleten waren im Friesenhaus am Reichssportfeld untergebracht). Das Dorf umfasste 145 Häuser auf einem 55 Hektar großen Gelände und bot Platz für etwa 4.000 Athleten und Betreuer. Nach den Spielen wurde die Anlage von der Wehrmacht übernommen und diente militärischen Zwecken.
Die vorliegende Plakette wurde aus graugrünem Bakelit gefertigt, einem der ersten synthetischen Kunststoffe, der in den 1930er Jahren weit verbreitet war. Bakelit wurde 1907 von Leo Baekeland entwickelt und war aufgrund seiner Haltbarkeit, Hitzebeständigkeit und kostengünstigen Herstellung ein beliebtes Material für verschiedenste Gegenstände. Die Verwendung von Bakelit für Dienstplaketten war in dieser Zeit üblich, da es robust genug für den täglichen Gebrauch war und gleichzeitig die massenhafte Produktion ermöglichte.
Die Plakette weist eine Matrikelnummer “0227” auf, die aufgeklammert wurde. Dieses Nummerierungssystem ermöglichte die präzise Identifikation und Registrierung jedes einzelnen Trägers. Die systematische Erfassung aller im Olympischen Dorf tätigen Personen war aus Sicherheitsgründen unerlässlich und spiegelt die akribische deutsche Organisation wider. Jede Person, die Zugang zum sensiblen Bereich des Olympischen Dorfes benötigte, musste ordnungsgemäß registriert und mit einer entsprechenden Dienstplakette ausgestattet werden.
Die rückseitige Herstellermarke “Walgo, Kierspe-Bhf. Westf.” verweist auf einen Produzenten aus Kierspe-Bahnhof in Westfalen. Die Firma Walgo war einer von mehreren Zulieferern, die mit der Herstellung von Ausweisen, Plaketten und anderen Kennzeichnungsmaterialien für die Olympischen Spiele beauftragt wurden. Die Vergabe solcher Aufträge an verschiedene deutsche Unternehmen war Teil der wirtschaftlichen Mobilisierung im Vorfeld der Spiele.
Die Plakette ist mit einer Tragenadel ausgestattet, was darauf hindeutet, dass sie gut sichtbar an der Kleidung befestigt werden sollte. Dies ermöglichte eine schnelle visuelle Identifikation berechtigter Personen durch Sicherheitspersonal und Kontrolleure. Das System der Ausweisplaketten war hierarchisch organisiert, wobei verschiedene Farben und Designs unterschiedliche Zugangsberechtigung und Funktionen kennzeichneten.
Die Träger solcher Dienstplaketten im Olympischen Dorf umfassten ein breites Spektrum von Personen: Köche, Reinigungspersonal, Verwaltungsangestellte, Sicherheitspersonal, medizinisches Personal, technische Mitarbeiter und verschiedene Offizielle. Jede dieser Gruppen spielte eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung des reibungslosen Ablaufs der Spiele und der Betreuung der internationalen Athleten.
Aus historischer Perspektive sind solche Dienstplaketten heute wichtige Sammlerstücke und Forschungsobjekte. Sie bieten Einblicke in die organisatorischen Strukturen und Sicherheitsmaßnahmen einer Großveranstaltung unter dem nationalsozialistischen Regime. Gleichzeitig erinnern sie an die Ambivalenz der Berliner Spiele: sportliche Höchstleistungen trafen auf politische Instrumentalisierung und Propaganda.
Die XI. Olympischen Spiele 1936 bleiben ein umstrittenes Kapitel der Olympischen Geschichte. Trotz der anfänglichen internationalen Boykottaufrufe wegen der antisemitischen Politik des Nazi-Regimes fanden die Spiele statt und wurden zu einem Propagandaerfolg für Hitler. Objekte wie diese Dienstplakette sind stumme Zeugen dieser komplexen historischen Epoche und dokumentieren die praktischen Aspekte der Organisation eines Ereignisses, das weit über seine sportliche Bedeutung hinausging.