Bund Deutscher Reichszollbeamten 1904 - Mitgliedsabzeichen 1. Form

an langer Nadel, Hersteller : Emil Büttner Hamburg Bohnenstr.14, Zustand 2.
194585
25,00

Bund Deutscher Reichszollbeamten 1904 - Mitgliedsabzeichen 1. Form

Das Mitgliedsabzeichen des Bundes Deutscher Reichszollbeamten aus dem Jahr 1904 stellt ein bedeutendes Zeugnis der organisierten Interessenvertretung deutscher Zollbeamter im Kaiserreich dar. Diese erste Form des Abzeichens markiert die Anfänge einer berufsständischen Vereinigung, die in einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen entstand.

Der Bund Deutscher Reichszollbeamten wurde in einer Epoche gegründet, als das Deutsche Kaiserreich seine Position als führende Wirtschaftsmacht in Europa festigte. Die Zollverwaltung spielte dabei eine zentrale Rolle, nicht nur als Einnahmequelle des Reiches, sondern auch als Instrument der Handelspolitik. Die Beamten dieser Verwaltung sahen sich zunehmend mit komplexen Aufgaben konfrontiert und erkannten die Notwendigkeit, ihre beruflichen und sozialen Interessen kollektiv zu vertreten.

Das vorliegende Abzeichen wurde von Emil Büttner aus Hamburg, Bohnenstraße 14, hergestellt. Büttner war einer der renommierten Hersteller von Orden, Ehrenzeichen und Vereinsabzeichen in der Hansestadt. Hamburg als bedeutender Handels- und Hafenstandort war ein logischer Produktionsort für solche Insignien, zumal die Stadt über eine lange Tradition in der Metallverarbeitung und Schmuckherstellung verfügte. Die Werkstätten in der Bohnenstraße befanden sich in unmittelbarer Nähe zum geschäftigen Handelsviertel, was die enge Verbindung zwischen Handwerk und Wirtschaft in der Kaiserzeit verdeutlicht.

Die Kennzeichnung als “1. Form” ist von besonderer historischer Bedeutung. Sie weist darauf hin, dass es sich um die ursprüngliche Ausführung des Abzeichens handelt, die später durch modifizierte Versionen ergänzt oder ersetzt wurde. Solche Veränderungen in der Gestaltung von Vereinsabzeichen waren in der wilhelminischen Zeit häufig und spiegelten oft organisatorische Entwicklungen, Jubiläen oder veränderte ästhetische Vorstellungen wider.

Die Konstruktion mit langer Nadel entspricht der typischen Trageweise von Vereins- und Verbandsabzeichen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Befestigungsart ermöglichte es, das Abzeichen sicher an der Uniform oder der Zivilkleidung zu tragen. Für Zollbeamte, die sowohl im Dienst als auch bei offiziellen Anlässen ihre Verbandszugehörigkeit zeigen wollten, war dies von praktischer Bedeutung.

Der historische Kontext des Jahres 1904 ist aufschlussreich: Das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm II. befand sich in einer Phase wirtschaftlicher Expansion. Die Zollpolitik war eng mit den protektionistischen Tendenzen der Zeit verbunden, insbesondere nach den Bülow'schen Zolltarifen von 1902, die den Agrar- und Industrieschutz verstärkten. Zollbeamte waren damit zentrale Akteure in der Umsetzung der Reichswirtschaftspolitik.

Beamtenvereinigungen wie der Bund Deutscher Reichszollbeamten entstanden in einer Zeit, in der die soziale Frage und die Rechte der Beamtenschaft zunehmend diskutiert wurden. Obwohl Beamte im Kaiserreich einen privilegierten Status genossen, kämpften sie dennoch um bessere Arbeitsbedingungen, angemessene Besoldung und soziale Absicherung. Die Gründung solcher Berufsverbände war ein Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins dieser Berufsgruppe.

Die Mitgliedsabzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie waren Ausweis der Verbandszugehörigkeit, stifteten Gemeinschaftsgefühl und verliehen ihren Trägern einen gewissen Stolz auf ihre berufliche Identität. In einer Zeit, in der Uniformen, Orden und Abzeichen eine ausgeprägte gesellschaftliche Bedeutung hatten, waren solche Insignien wichtige Statussymbole.

Der Zustand 2 des Objekts deutet auf eine gute Erhaltung hin, was für ein über 120 Jahre altes Stück bemerkenswert ist. Dies lässt darauf schließen, dass das Abzeichen entweder pfleglich behandelt oder möglicherweise nur selten getragen wurde. Die Bewahrung solcher Objekte durch nachfolgende Generationen zeugt von der Wertschätzung der familiären und beruflichen Tradition.

Die Geschichte des Bundes Deutscher Reichszollbeamten und seiner Abzeichen spiegelt die Entwicklung des deutschen Beamtenwesens von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis in die Zeit des Nationalsozialismus wider. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie mussten sich solche Organisationen an die veränderten politischen Verhältnisse anpassen. Viele Beamtenverbände wurden während der NS-Zeit gleichgeschaltet oder aufgelöst.

Heute sind solche Abzeichen wertvolle Sammlerstücke und wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte einzelner Berufsgruppen, sondern auch die sozialgeschichtliche Entwicklung Deutschlands. Das Mitgliedsabzeichen des Bundes Deutscher Reichszollbeamten von 1904 ist somit ein kleines, aber bedeutendes Zeugnis einer vergangenen Epoche, in der Berufsstand, Loyalität und Gemeinschaft einen hohen Stellenwert besaßen.