Hessen-Darmstadt Kavallerie Extradegen (KD) 89 für einen Angehörigen im Garde-Dragoner-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 23
Gesamtlänge 89 cm.
Der Kavallerie-Extradegen Modell 1889 war eine Waffe, die von Offizieren und Unteroffizieren der deutschen Kavallerieregimenter im Deutschen Kaiserreich getragen wurde. Das vorliegende Exemplar stammt aus dem Garde-Dragoner-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 23, einer prestigeträchtigen Einheit der hessischen Armee, die um 1910 in Darmstadt stationiert war.
Das Regiment Nr. 23 hatte eine bedeutende Geschichte innerhalb der hessischen Militärtradition. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurden die verschiedenen Kontingente der Bundesstaaten in die kaiserliche Armee integriert, behielten jedoch ihre regionalen Identitäten und Traditionen. Das Großherzogtum Hessen-Darmstadt stellte mehrere Regimenter, darunter dieses angesehene Dragoner-Regiment, das die Ehrenbezeichnung “Garde” trug.
Die Klinge dieses Extradegens wurde von der renommierten Firma Eickhorn in Solingen hergestellt, einem der führenden Produzenten von Blankwaffen im Deutschen Reich. Die Solinger Klingenindustrie genoss weltweit einen hervorragenden Ruf, und Firmen wie Eickhorn belieferten sowohl die preußische als auch die verschiedenen Kontingentarmeen mit hochwertigen Waffen. Die vernickelte Klinge mit einer Länge von etwa 79,5 cm und einer Breite von 2,3 cm entspricht den Standards der Zeit und zeigt die typische beidseitige Kehlung, die sowohl funktionale als auch ästhetische Zwecke erfüllte.
Besonders bemerkenswert ist die Ätzung auf der Klinge. Auf der Terzseite befindet sich die Regimentsbezeichnung “Garde Drag. Reg. (1. Großh. Hess.) No 23” sowie die Chiffre “L”, die wahrscheinlich auf Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein hinweist, der von 1892 bis 1918 regierte. Auf der Quartseite findet sich die Inschrift “Zur Erinnerung an meine Dienstzeit”, was darauf hindeutet, dass dieser Degen als persönliches Erinnerungsstück an den Militärdienst erworben wurde.
Das Nickelgefäß zeigt im Korb den hessischen Löwen, das Wappentier des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Dieses heraldische Symbol war tief in der hessischen Geschichte verwurzelt und wurde auf militärischen Ausrüstungsgegenständen prominent dargestellt, um die regionale Identität zu betonen. Das beidseitig klappbare Gefäß mit Kautschukgriff war typisch für die Kavallerie-Extradegen dieser Periode und bot sowohl Schutz für die Hand als auch einen sicheren Griff beim Reiten.
Die schwarze Stahlscheide mit Ringband und starrem Tragering entspricht den militärischen Vorschriften der Zeit. Die Scheide wurde in der Vergangenheit neu lackiert, was auf eine längere Nutzungs- oder Aufbewahrungsgeschichte hindeutet. Solche Restaurierungen waren nicht ungewöhnlich, da diese Waffen oft über Generationen als Familienerbstücke weitergegeben wurden.
Der Extradegen unterschied sich vom regulären Dienstdegen dadurch, dass er von den Trägern privat erworben wurde, oft bei der Verabschiedung aus dem aktiven Dienst oder als persönliche Alternative zur Standardausrüstung. Diese Degen waren häufig qualitativ hochwertiger und individueller gestaltet als die Standardwaffen. Sie dienten nach dem Militärdienst als Erinnerungsstücke und Symbole der militärischen Ehre und konnten bei feierlichen Anlässen getragen werden.
Die Zeit um 1910, aus der dieser Degen stammt, war eine Phase relativer Stabilität im Deutschen Kaiserreich, aber auch wachsender internationaler Spannungen, die wenige Jahre später zum Ersten Weltkrieg führen sollten. Die Kavallerieregimenter wie das Garde-Dragoner-Regiment Nr. 23 galten als Elite-Einheiten und waren eng mit dem höfischen Leben und den zeremoniellen Verpflichtungen der Monarchie verbunden.
Solche Extradegen sind heute wichtige militärhistorische Artefakte, die nicht nur die handwerkliche Qualität der deutschen Waffenindustrie dokumentieren, sondern auch Einblicke in die militärische Kultur, die regionalen Identitäten innerhalb des Kaiserreichs und die persönlichen Geschichten der Soldaten bieten, die diese Waffen trugen. Sie repräsentieren eine Ära, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der deutschen Monarchien 1918 unwiderruflich zu Ende ging.