III. Reich - Der Deutsche Automobil-Club ( DDAC ) - Verleihungsurkunde für die Goldene Medaille
Das kartonierte DinA4-Blatt ist ungefaltet, nur die rechte obere Ecke ist geknickt, sonst sehr schöner Zustand.
Die hier vorliegende Verleihungsurkunde für die Goldene Medaille des Deutschen Automobil-Clubs (DDAC) stellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Motorsportgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Ausgestellt am 15. Juli 1936 in Dortmund, dokumentiert diese Urkunde die Teilnahme an der zum zwölften Male veranstalteten “Großen Westfalen-Lippe-Fahrt”, die am 12. Juli 1936 vom Gau 5 Westfalen organisiert wurde.
Der DDAC wurde 1933 durch die Zwangsvereinigung mehrerer deutscher Automobilclubs gegründet und entwickelte sich schnell zu einer der wichtigsten Massenorganisationen des nationalsozialistischen Regimes. Mit dem Reichsführer des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK), Adolf Hühnlein, als Korpsführer wurde der DDAC zu einem Instrument der nationalsozialistischen Verkehrs- und Motorsportpolitik. Die Organisation wuchs rasch und erreichte bis 1939 über 1,6 Millionen Mitglieder, was sie zu einem der größten Automobilclubs Europas machte.
Die Westfalen-Lippe-Fahrt war eine der zahlreichen regionalen Motorsportveranstaltungen, die unter der Schirmherrschaft des DDAC durchgeführt wurden. Solche Veranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die Zuverlässigkeit deutscher Automobile demonstrieren, die Motorisierung der Bevölkerung fördern und gleichzeitig die nationalsozialistische Ideologie verbreiten. Die Tatsache, dass diese Veranstaltung 1936 bereits zum zwölften Male stattfand, deutet darauf hin, dass ihre Wurzeln in die Weimarer Republik zurückreichten, sie jedoch nach 1933 in das neue System integriert wurde.
Das Jahr 1936 war für das nationalsozialistische Deutschland von besonderer Bedeutung. Es war das Jahr der Olympischen Spiele in Berlin, bei denen das Regime versuchte, sich der Weltöffentlichkeit als moderne, fortschrittliche Nation zu präsentieren. Der Motorsport spielte dabei eine wichtige propagandistische Rolle. Die spektakulären Erfolge der deutschen Silberpfeile von Mercedes-Benz und Auto Union in der Formel 1 sollten die technologische Überlegenheit des “Dritten Reiches” demonstrieren.
Die Verleihung von Medaillen und Urkunden bei solchen Veranstaltungen folgte einem klar strukturierten System. Die Goldene Medaille stellte dabei eine der höchsten Auszeichnungen dar, die bei Zuverlässigkeitsfahrten vergeben werden konnten. Diese Fahrten waren keine reinen Geschwindigkeitsrennen, sondern prüften die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge und die Fahrkünste der Teilnehmer über längere Distanzen und verschiedene Streckenbedingungen. Die Teilnehmer mussten bestimmte Kontrollpunkte zu festgelegten Zeiten erreichen und technische Prüfungen bestehen.
Die Gaueinteilung, hier Gau 5 Westfalen, entsprach der organisatorischen Struktur der NSDAP und des DDAC. Das gesamte Deutsche Reich war in Gaue unterteilt, die jeweils eigene Veranstaltungen durchführten. Westfalen mit seinem industriellen Zentrum im Ruhrgebiet war eine wirtschaftlich bedeutende Region, in der die Automobilindustrie und der Motorsport eine wichtige Rolle spielten.
Die physische Beschaffenheit der Urkunde - ein ungefalztes, kartoniertes DIN-A4-Blatt - entspricht den damaligen Standards für offizielle Dokumente. Die Tatsache, dass sich das Dokument in nahezu unberührtem Zustand erhalten hat, macht es zu einem wertvollen historischen Zeugnis. Solche Urkunden wurden typischerweise mit aufwendigen grafischen Elementen gestaltet, die nationalsozialistische Symbolik wie Hakenkreuze, Adler und das DDAC-Emblem enthielten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der DDAC 1945 von den Alliierten aufgelöst. In Westdeutschland wurde 1948 der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) als Nachfolgeorganisation gegründet, der jedoch eine völlig neue, demokratische Struktur erhielt und sich bewusst von der nationalsozialistischen Vergangenheit distanzierte.
Heute sind solche Dokumente wichtige Quellen für die Erforschung der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte des Motorsports, sondern auch die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die Organisationsstruktur, die Ästhetik und die Propagandamethoden des Regimes.