III. Reich - " Meine erste Tat " WHW 1936/37 Gau Hamburg
Das vorliegende Abzeichen stammt aus der Winterhilfswerk (WHW)-Sammlung des Jahres 1936/37 und trägt die Aufschrift “Meine erste Tat”. Es wurde vom Gau Hamburg herausgegeben und von der Firma Carl Wild Hamburg produziert. Dieses Aluminiumabzeichen an Nadel repräsentiert ein faszinierendes Beispiel der nationalsozialistischen Propagandastrategie und Spendenkultur während des Dritten Reiches.
Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW) wurde im September 1933 gegründet und entwickelte sich zu einer der größten Wohlfahrtsorganisationen im nationalsozialistischen Deutschland. Offiziell sollte es bedürftigen Deutschen während der Wintermonate helfen, diente jedoch gleichzeitig als bedeutendes Propaganda- und Kontrollinstrument des Regimes. Die Organisation sammelte zwischen Oktober und März jährlich Spenden durch Straßensammlungen, bei denen kleine Abzeichen und Plaketten gegen Geldbeträge ausgegeben wurden.
Die Sammlungen wurden nach Gauen organisiert, den regionalen Verwaltungseinheiten der NSDAP. Der Gau Hamburg war einer der ursprünglichen Gaue und umfasste die Hansestadt Hamburg. Jeder Gau entwickelte oft eigene Abzeichenserien, die lokale Besonderheiten, historische Bezüge oder spezifische Themen aufgriffen. Die Vielfalt der produzierten Abzeichen war bemerkenswert: Schätzungen gehen von über 10.000 verschiedenen Motiven aus, die zwischen 1933 und 1945 hergestellt wurden.
Das Jahr 1936/37 war für das WHW von besonderer Bedeutung. Das Regime hatte seine Macht konsolidiert, und die Sammlungen erreichten ihren organisatorischen Höhepunkt. Die Abzeichen dieser Periode zeichnen sich durch ihre thematische Vielfalt aus, von historischen Persönlichkeiten über Märchenfiguren bis zu technischen Errungenschaften. Der Slogan “Meine erste Tat” auf diesem Abzeichen bezieht sich wahrscheinlich auf die Idee, dass die Unterstützung des WHW eine grundlegende Pflicht eines jeden “Volksgenossen” darstellte.
Die Firma Carl Wild in Hamburg gehörte zu den zahlreichen Herstellern, die mit der Produktion von WHW-Abzeichen beauftragt wurden. Diese Unternehmen mussten strenge Qualitätsstandards einhalten und waren in ein komplexes System von Vergabe und Kontrolle eingebunden. Die Verwendung von Aluminium als Material war typisch für die Zeit und spiegelt die Materialpolitik des Regimes wider, das strategische Metalle für die Aufrüstung reservierte.
Der gesellschaftliche Druck, an den WHW-Sammlungen teilzunehmen, war erheblich. Das Tragen eines Abzeichens signalisierte die Bereitschaft zur “Volksgemeinschaft” und zum sozialen Konformismus. Wer kein Abzeichen trug, setzte sich dem Verdacht aus, dem Regime kritisch gegenüberzustehen. Die Sammlungen waren somit nicht nur Spendenaktionen, sondern auch Instrumente sozialer Kontrolle und politischer Indoktrination.
Die WHW-Abzeichen wurden nach dem Krieg zu begehrten Sammlerobjekten. Sie dokumentieren die Alltagskultur des Dritten Reiches und zeigen die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie. Für Historiker sind sie wichtige Quellen zur Erforschung von Propaganda, Mobilisierung und Alltagsleben in der Diktatur.
Aus heutiger Sicht müssen diese Objekte kritisch betrachtet werden. Sie sind Zeugnisse eines verbrecherischen Systems, das soziale Fürsorge mit Propaganda verband und die scheinbare Wohltätigkeit für seine politischen Ziele instrumentalisierte. Die historische Aufarbeitung dieser Artefakte trägt zum Verständnis der Mechanismen totalitärer Herrschaft bei.