Wehrmacht patriotische Reservistenflasche eines Angehörigen der Kavallerie

um 1935. Glasflasche mit Aluminiumrahmen, beidseitig bedruckt, auf der Vorderseite ein Soldat zu Pferde mit Säbel "Zum Andenken an meine Dienstzeit ", rückseitig Pferdekopf mit Zügel und Steigbügel im Eichenlaubkranz, darunter Umschrift " Parole Heimat ". Komplett mit Schraubverschluß und mit dem originalen schwarz/weiß/roten Trageband. Unbenutzt, Zustand 2+.
Wir konnten einen original Karton des Herstellers mit 10 Reservistenflaschen erwerben. Pro Stück EUR 150,--
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150,00

Wehrmacht patriotische Reservistenflasche eines Angehörigen der Kavallerie

Die Reservistenflasche stellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Militärtradition dar, die ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert hat und bis in die 1930er Jahre fortbestand. Diese spezielle Flasche aus der Zeit um 1935 dokumentiert die Kontinuität militärischer Bräuche während der Übergangsphase von der Reichswehr zur neu formierten Wehrmacht.

Die Tradition der Reservistenflaschen entwickelte sich im Kaiserreich als Teil der Reservistenkultur, die nach Ableistung der Dienstzeit gepflegt wurde. Soldaten, die ihre aktive Dienstzeit beendet hatten, traten in die Reserve über und pflegten ihre kameradschaftlichen Verbindungen in Reservistenvereinen. Diese Vereinigungen spielten eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben des Deutschen Reiches und später der Weimarer Republik.

Die vorliegende Flasche gehört zur Kavallerie, was an mehreren ikonographischen Elementen erkennbar ist: dem berittenen Soldaten mit Säbel auf der Vorderseite und dem Pferdekopf mit Zügel und Steigbügel im Eichenlaubkranz auf der Rückseite. Die Kavallerie nahm traditionell eine besondere Stellung innerhalb der deutschen Streitkräfte ein und pflegte ein ausgeprägtes Korpsgeist und Traditionsbewusstsein.

Die Aufschrift “Zum Andenken an meine Dienstzeit” entspricht der klassischen Formulierung auf Reservistenandenken und unterstreicht den memorialen Charakter dieser Objekte. Die Parole “Heimat” auf der Rückseite verweist auf die enge Verbindung zwischen militärischem Dienst und patriotischer Gesinnung, die in dieser Epoche besonders betont wurde.

Die technische Ausführung der Flasche ist typisch für die Mitte der 1930er Jahre: Eine Glasflasche mit Aluminiumrahmen, beidseitig bedruckt, mit Schraubverschluss und dem charakteristischen schwarz-weiß-roten Trageband. Diese Farbkombination verweist auf die Reichsfarben des Kaiserreichs und wurde nach 1933 neben den nationalsozialistischen Symbolen weiterhin verwendet, was die bewusste Anknüpfung an ältere militärische Traditionen demonstriert.

Die Datierung um 1935 ist historisch bedeutsam: In diesem Jahr wurde die Wehrpflicht offiziell wieder eingeführt, nachdem sie durch den Versailler Vertrag verboten worden war. Die Wehrmacht löste die auf 100.000 Mann beschränkte Reichswehr ab und begann ihre rapide Expansion. Die Produktion von Reservistenflaschen in dieser Zeit zeigt die Wiederbelebung traditioneller militärischer Praktiken und die Pflege des Korpsgeistes.

Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass diese Flasche aus einem Originalkarton des Herstellers mit zehn Stück stammt und unbenutzt geblieben ist. Dies weist auf eine kommerzielle Produktion hin, bei der spezialisierte Manufakturen solche Andenken für ausscheidende Soldaten herstellten. Der Eichenlaubkranz als Dekorelement hatte eine lange Tradition in der deutschen Militärikonographie und symbolisierte Tapferkeit, Treue und nationale Verbundenheit.

Die Kavallerie, zu der diese Flasche gehört, befand sich Mitte der 1930er Jahre in einer Übergangsphase. Obwohl die motorisierte Kriegsführung zunehmend an Bedeutung gewann, unterhielt die Wehrmacht noch mehrere Kavallerie-Regimenter, die später teilweise in Panzer- und Aufklärungseinheiten umgewandelt wurden. Die romantische Darstellung des berittenen Soldaten mit Säbel steht symbolisch für eine Waffengattung, deren militärische Relevanz bereits im Schwinden begriffen war.

Solche Reservistenflaschen dienten nicht nur als persönliche Erinnerungsstücke, sondern auch als Statussymbole und wurden bei Veteranentreffen und gesellschaftlichen Anlässen präsentiert. Sie waren Teil einer materiellen Kultur, die militärische Werte und Kameradschaft über die aktive Dienstzeit hinaus perpetuierte.

Aus heutiger Sicht sind diese Objekte wichtige Quellen für die Militär- und Sozialgeschichte. Sie dokumentieren die Alltagskultur der Soldaten, die Ästhetik militärischer Andenken und die Mechanismen der Traditionspflege in einer Zeit tiefgreifender politischer und militärischer Umbrüche. Die patriotische Ikonographie und die handwerkliche Qualität dieser Flaschen spiegeln die Bedeutung wider, die der militärischen Tradition in der deutschen Gesellschaft der 1930er Jahre beigemessen wurde.

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