BDM dunkelblaue lange Skihose für den Winteranzug

um 1938. Fertigung aus blauer Wolle, vorne mit 2 schrägen Taschen, seitlich mit Reißverschluss. Innen mit Baumwollfutter. Bundumfang 76 cm, Länge 111 cm. Leichte Tragespuren. Zustand 2
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270,00

BDM dunkelblaue lange Skihose für den Winteranzug

Die vorliegende dunkelblaue Skihose aus Wolle stellt ein charakteristisches Kleidungsstück des Bundes Deutscher Mädel (BDM) dar, der Mädchenorganisation der nationalsozialistischen Jugendbewegung. Das Objekt datiert um 1938 und gehörte zum offiziellen Winteranzug der Organisation, der für sportliche Aktivitäten und Winterlager konzipiert wurde.

Der Bund Deutscher Mädel wurde 1930 gegründet und war ab 1933 die einzige staatlich anerkannte Mädchenorganisation im Deutschen Reich. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Mitgliedschaft zunächst gefördert und ab 1936 durch das Gesetz über die Hitlerjugend faktisch verpflichtend für alle deutschen Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren. Bis 1939 gehörten etwa 3,5 Millionen Mädchen dem BDM an.

Die Uniformierung spielte in der nationalsozialistischen Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Sie diente der Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls, der Disziplinierung und der visuellen Gleichschaltung. Während die Sommeruniform aus dem charakteristischen dunkelblauen Rock, weißer Bluse und Halstuch bestand, waren für Winteraktivitäten spezielle Kleidungsstücke vorgesehen. Die Winteruniform umfasste neben der langen Skihose auch eine dunkelblaue Jacke und entsprechendes Schuhwerk.

Die technische Ausführung dieser Skihose entspricht den damaligen Fertigungsstandards. Die Verwendung von blauer Wolle als Hauptmaterial war typisch für BDM-Bekleidung und bot guten Schutz gegen winterliche Witterungsbedingungen. Die zwei schrägen Taschen vorne dienten praktischen Zwecken, während der seitliche Reißverschluss das An- und Ausziehen erleichterte – eine für die damalige Zeit moderne Konstruktionsweise. Das Baumwollfutter im Inneren erhöhte den Tragekomfort und verbesserte die Isolationseigenschaften.

Sport und körperliche Ertüchtigung nahmen im Programm des BDM einen hohen Stellenwert ein. Besonders Wintersport galt als charakterbildend und wurde intensiv gefördert. In den Winterlagern, die in Gebirgsregionen wie dem Harz, dem Schwarzwald oder den Alpen stattfanden, wurden neben ideologischer Schulung auch Skilaufen, Rodeln und andere Winteraktivitäten durchgeführt. Diese Lager dienten der körperlichen Abhärtung und sollten die Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als Mütter und Stützen der “Volksgemeinschaft” vorbereiten.

Die Beschaffung der Uniform erfolgte in der Regel über offizielle Vertriebsstellen oder lizenzierte Schneider. Die Reichsjugendführung gab genaue Vorschriften zu Schnitt, Farbe und Material heraus. Dennoch waren nicht alle Familien in der Lage, die komplette Uniform zu finanzieren, was teilweise zu sozialen Spannungen führte. Die Kosten für eine vollständige Winterausrüstung waren für viele Familien eine erhebliche finanzielle Belastung.

Das Jahr 1938, aus dem diese Skihose stammt, markiert einen Höhepunkt der BDM-Aktivitäten. Die Organisation war vollständig etabliert, ihre Strukturen waren gefestigt, und die Teilnahme an Lagern und Veranstaltungen erreichte ihren Zenit. Gleichzeitig intensivierte sich die ideologische Ausrichtung, und die Vorbereitung auf den kommenden Krieg wurde zunehmend in die Erziehungsarbeit integriert.

Die Maße der Hose – Bundumfang 76 cm und Länge 111 cm – deuten auf eine Trägerin im Alter von etwa 14 bis 17 Jahren hin, also eine Angehörige des BDM-Werks “Glaube und Schönheit”, der Unterorganisation für 17- bis 21-jährige Frauen, oder des regulären BDM für 14- bis 18-Jährige.

Heute sind authentische BDM-Uniformteile in gutem Erhaltungszustand relativ selten. Viele wurden nach Kriegsende vernichtet, umgearbeitet oder gingen im Laufe der Jahrzehnte verloren. Die leichten Tragespuren an diesem Exemplar bezeugen die tatsächliche Verwendung und machen es zu einem authentischen Zeitzeugnis einer dunklen Periode deutscher Geschichte. Solche Objekte sind wichtige Quellen für die historische Forschung und Museumspädagogik, da sie die Alltagsrealität der nationalsozialistischen Jugenderziehung materiell greifbar machen.