III. Reich - Amt für Volkswohlfahrt NSDAP Gau Hamburg - Für stete und treue Mitarbeit
Die hier beschriebene Medaille der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) aus dem Gau Hamburg mit der Inschrift “Für stete und treue Mitarbeit” repräsentiert ein wichtiges Kapitel der nationalsozialistischen Sozialorganisationen während der Zeit des Dritten Reiches von 1933 bis 1945.
Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) wurde am 3. Mai 1933 gegründet und entwickelte sich zur größten Massenorganisation der NSDAP nach der Deutschen Arbeitsfront. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt, der als Hauptamtsleiter der NSV fungierte, wuchs die Organisation bis 1943 auf etwa 17 Millionen Mitglieder an. Die NSV sollte die traditionellen Wohlfahrtsverbände ersetzen und das nationalsozialistische Ideal der “Volksgemeinschaft” durch soziale Fürsorge verwirklichen.
Der Gau Hamburg war eine der administrativen Einheiten der NSDAP, die 1925 gegründet wurde. Als wichtiger Hafenstadt und Industriestandort kam Hamburg eine bedeutende Rolle im nationalsozialistischen System zu. Der Gauleiter von Hamburg war ab 1929 Karl Kaufmann, der gleichzeitig als Reichsstatthalter fungierte und bis 1945 im Amt blieb.
Die vorliegende Medaille aus Zink mit einem Durchmesser von 60 mm gehört zur Kategorie der Dienstauszeichnungen, die an ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter der NSV verliehen wurden. Die Verwendung von Zink als Material ist charakteristisch für die Kriegsjahre, insbesondere ab 1939, als kriegswichtige Metalle wie Bronze, Kupfer und andere Buntmetalle für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Dies führte zu einer verstärkten Produktion von Auszeichnungen und Medaillen aus Ersatzmaterialien wie Zink oder vernickeltem Eisen.
Die NSV organisierte zahlreiche soziale Programme, darunter das Winterhilfswerk (WHW), die Kinderlandverschickung, die Mütterschulung und verschiedene Hilfsprogramme. Das Winterhilfswerk, das von Oktober bis März durchgeführt wurde, sammelte Spenden für bedürftige “Volksgenossen” und wurde zu einer der sichtbarsten Aktivitäten der NSV. Die Organisation betrieb auch Kindergärten, Erholungsheime und Beratungsstellen.
Medaillen wie die hier beschriebene dienten mehreren Zwecken im nationalsozialistischen System. Sie sollten die Loyalität und den Einsatz der Mitarbeiter würdigen, gleichzeitig aber auch andere Bürger motivieren, sich ebenfalls für die “Volksgemeinschaft” einzusetzen. Die Inschrift “Für stete und treue Mitarbeit” unterstreicht den Wert kontinuierlichen Engagements in der Organisation.
Die Struktur der NSV war hierarchisch nach dem Führerprinzip organisiert. Neben der Reichsleitung in Berlin existierten Gauleitungen, Kreisleitungen, Ortsgruppenleitungen und Zellenleitungen. Jede Ebene hatte ihre eigenen Amtsträger und Helfer, die oft mit kleinen Auszeichnungen und Ehrenzeichen für ihre Tätigkeit geehrt wurden.
Es ist wichtig zu betonen, dass die NSV, trotz ihrer sozialen Fassade, fest in der nationalsozialistischen Ideologie verankert war. Die Hilfe wurde nach rassistischen und politischen Kriterien vergeben. Jüdische Bürger, politische Gegner und andere als “Gemeinschaftsfremde” definierte Personen waren von den Leistungen ausgeschlossen. Die NSV trug somit aktiv zur Durchsetzung und Festigung der nationalsozialistischen Herrschaft bei.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die NSV zusammen mit allen anderen NSDAP-Organisationen durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 aufgelöst und verboten. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Heute sind solche Auszeichnungen historische Zeugnisse einer dunklen Periode der deutschen Geschichte und werden in Museen, Archiven und privaten Sammlungen zu Forschungs- und Bildungszwecken aufbewahrt.
Die Sammlung und Erforschung solcher Objekte dient dem besseren Verständnis der Mechanismen totalitärer Herrschaft und der Art und Weise, wie das NS-Regime durch scheinbar harmlose soziale Organisationen die Gesellschaft durchdrang und kontrollierte.