Königreich Italien - 2 Dokumente von 1907 + 1920
2.Verleihung der Auszeichnung Krone von Italien 1920, gefaltet und leicht beschädigt Zustand 2-
Die vorliegenden Dokumente aus dem Königreich Italien stammen aus zwei bedeutenden Perioden der italienischen Geschichte: der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie repräsentieren zwei unterschiedliche Aspekte des italienischen Ehren- und Beförderungssystems in einer Epoche tiefgreifender politischer und sozialer Veränderungen.
Das erste Dokument, datiert auf 1907, bezeugt die Ernennung zum Kapitän der Handelsmarine. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Italien eine Phase intensiver maritimer Expansion. Die italienische Handelsmarine spielte eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, insbesondere im Mittelmeerraum. Unter der Regierung von König Viktor Emanuel III., der 1900 den Thron bestieg, wurde die Modernisierung der italienischen Flotte energisch vorangetrieben.
Die Ernennung zum Kapitän der Handelsmarine war kein trivialer Akt, sondern ein formeller Staatsakt, der die hohe Bedeutung der maritimen Wirtschaft für das Königreich unterstrich. Solche Ernennungsurkunden wurden auf offiziellem Papier mit dem königlichen Wappen ausgestellt und trugen die Unterschrift hochrangiger Beamter des Ministeriums für Marine oder des Handelsministeriums. Die Beförderung zum Kapitän erforderte umfangreiche Erfahrung auf See, nachgewiesene nautische Kenntnisse und oft mehrere Jahre Dienstzeit in niedrigeren Rängen.
Das zweite Dokument aus dem Jahr 1920 dokumentiert die Verleihung der Ordine della Corona d'Italia (Orden der Krone von Italien). Dieser Orden wurde ursprünglich am 20. Februar 1868 von König Viktor Emanuel II. gegründet, unmittelbar nach der Vollendung der italienischen Einigung. Der Orden sollte Verdienste um das Königreich Italien würdigen, sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich.
Die Verleihung im Jahr 1920 erfolgte in einem besonderen historischen Kontext. Italien hatte gerade den Ersten Weltkrieg durchgestanden, aus dem es zwar als Siegermacht hervorging, aber mit enormen menschlichen und wirtschaftlichen Verlusten. Die Jahre 1919-1920 waren geprägt von sozialen Unruhen, dem sogenannten Biennio Rosso (Rote Zwei Jahre), sowie von einer allgemeinen Neuordnung der staatlichen Strukturen. In dieser Zeit wurden zahlreiche Auszeichnungen an Personen verliehen, die sich während des Krieges oder beim Wiederaufbau verdient gemacht hatten.
Der Orden der Krone von Italien war in fünf Klassen unterteilt: Großkreuz, Großoffizier, Kommandeur, Offizier und Ritter. Die Ordensdekoration bestand aus einem grün emaillierten Kreuz mit goldener Krone in der Mitte, umgeben von einem roten Ring mit der Inschrift “FERT”, dem historischen Motto des Hauses Savoyen. Das Band war rot mit grünen Randstreifen.
Beide Dokumente sind typische Beispiele für die bürokratische Praxis des Königreichs Italien unter der Savoyer-Dynastie. Die offizielle Korrespondenz und Urkunden folgten strengen formalen Richtlinien. Sie wurden auf schwerem Papier gedruckt, trugen das königliche Siegel und wurden von den zuständigen Ministern oder deren Vertretern unterzeichnet. Die Tatsache, dass beide Dokumente gefaltet sind, entspricht der üblichen Aufbewahrungspraxis der Zeit, als solche Urkunden in Brieftaschen oder persönlichen Archiven verwahrt wurden.
Die Erhaltungszustände der Dokumente – beide mit leichten Beschädigungen und Falten – sind charakteristisch für Papiere, die über Jahrzehnte aufbewahrt wurden und möglicherweise mehrfach transportiert oder umgezogen sind. Dies schmälert jedoch nicht ihren historischen Wert als authentische Zeugnisse der italienischen Geschichte.
Für Sammler und Historiker sind solche Dokumente von besonderem Interesse, da sie nicht nur administrative Akte darstellen, sondern auch Einblicke in die persönlichen Karrieren von Individuen bieten, die im Dienst des Königreichs standen. Sie dokumentieren die Strukturen und Hierarchien der italienischen Verwaltung und des Militärwesens in einer Zeit großer historischer Umbrüche, die vom Höhepunkt der liberalen Monarchie bis zu den Vorzeichen der faschistischen Ära reichte.